Lyrisches zur Finanzlage

Verfasst am 29. Oktober 2008 von .

Hier mal etwas Lyrisches zur Finanzlage:

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen –
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

aus einer Kettenmail von Richard G. Kerschhofer (http://www.sudelblog.de/?p=378)

Danke an Holger Weser von Flymint

(7 Bewertung(en), Schnitt: 4,86 von 5)
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2 Reaktionen zu “Lyrisches zur Finanzlage”

  1. daniel

    Am 30. Oktober 2008 um 11:36 Uhr

    Wäre gut zu schreiben, von wem das Gedicht stammt!

    Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in “Die Weltbühne”

  2. admin

    Am 30. Oktober 2008 um 12:08 Uhr

    Nö ist er nicht…, Siehe http://www.sudelblog.de/?p=378

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