Schutzgeld.de-Pate auf Konfrontationskurs

Verfasst am 17. Dezember 2008 von .

Knapp einen Monat nachdem der deutsche Liveshopping-Pionier Schutzgeld.de seinen Betrieb aufgegeben hat, konnte man alles andere als von einkehrender Ruhe sprechen. Schutzgeld.de-Pate Peter Faisst lies es sich nicht nehmen, seinen Abschied mit einigen Bemerkungen zum Konzept der Liveshopping-Portale zu zelebrieren.

Nach knapp zwei Jahren hat man das individuelle Projekt des Paten und seiner Gang offiziell wegen einkehrender Langeweile geschlossen, wobei es kein Geheimnis ist, dass es an der Unwirtschaftlichkeit gelegen hat. Das Konzept des Liveshoppings ist, laut Faisst, durchaus ein tragfähiges Geschäftsmodell, das jedoch ohne spezielles Umfeld und etablierter Händler wenig Chancen hat. So weit so gut. Was sich Faisst allerdings bei der Aussage gedacht hat, der Markt für Liveshopping umfasse lediglich 30.000 bis 50.000 Mitglieder und wäre damit zu klein für Stand-alone-Anbieter, bleibt ein Rätsel. Diese Zahl würde sich auf sämtlichen Plattformen verteilen und kombiniert mit dem Vertrieb von margenknappen Elektronikartikeln einen Markt, der betriebswirtschaftlich einfach zu klein sei.

Faisst ließ es sich auch nicht nehmen, für einen persönlichen Befreiungsschlag auszuteilen. In der Internet World Business bezeichnete der gefallene Pate die Aussage von Preisbock, nach 16 Monaten den Break-even erreicht zu haben und damit als erstes Liveshopping-Portal auf dem deutschen Markt profitabel geworden zu sein, als eine „kaufmännisch alberne Aussage”. Und weil das Messer noch nicht tief genug steckte, gab es noch einen Nachschlag:

Die Jungs sitzen ja im Intershop-Tower. Da ist es vielleicht eine tolle Message, wenn man mal eine Woche profitabel arbeitet.

Nachdem der Vorhang für Schutzgeld.de fiel, hätte man einen professionellen Abgang hinlegen können, schade, dass der Pate sich zu solchen Aussagen hinreißen ließ. In der aktuellen Ausgabe der Internet World Business (25/08) wehrt sich Preisbock.de-Gründer Christian Grötsch mit einem offenen Brief an den Paten gegen die Vorwürfe.

Vor allem die Reaktion des Preisbock-Geschäftsführers auf die mehr als fragwürdige Annahme, der deutsche Liveshopping-Markt umfasse nur 30.000 bis 50.000 Benutzer, ist nachvollziehbar und bringt mehr Profil in die Antwort auf so eine Frage. Dem schließt sich auch E-Commerce-Experte Jochen Krisch an, der genau wie Christian Grötsch die Aussage Faissts korrigiert.

Und das in einem wesentlich professionelleren Ton, als der Schutzgeld-Pate.

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8 Reaktionen zu “Schutzgeld.de-Pate auf Konfrontationskurs”

  1. dani

    Am 17. Dezember 2008 um 16:22 Uhr

    Das ist tatsächlich ein unschöner Abgang. Was mich aber interessieren würde… Wie gross soll der Markt denn sein, wenn nicht 30’000-50’000?

    Ich denke auch das ist zu wenig, aber dieser Markt dürfte doch bestimmt etwas beschränkt sein. Zumindest “noch”…

  2. Sebastian

    Am 17. Dezember 2008 um 16:38 Uhr

    Das zu beantworten bzw. eine konkrete Zahl zu nennen ist nicht ganz einfach. Sicherlich ist der Markt begrenzt, aber er reicht doch für mehrere Akteure im Liveshopping-Segment. Man kann sich da durchaus der Aussage von Jochen Krisch anschließen, dass es vor allem darum geht ein spezielles Fanpublikum anzusprechen und zu auch zu mobilisieren.

    Dazu zählt natürlich auch, dass man Presse und TV-Auftritte für sich nutzen muss, was man bei Schutzgeld.de offensichtlich nicht getan hat. Das sollte man ihnen auch nicht vorwerfen, aber es spiegelt – und das ist meine Meinung – Fehlverhalten wieder. Genau wie in dieser Schätzung.

    Es ist schwierig exakte Messungen vorzunehmen. Die Nutzerzahlen steigen weiterhin. Wann das aufhört bzw. stagniert ist abhängig von äußeren Faktoren. Welches Konzept hat ein Liveshopping-Portal? Da reicht nicht einfach nur ein witziges Image. In Deutschland kaufen mittlerweile mehr als 30 Millionen Menschen im Internet ein, bzw. haben bereits im Internet eingekauft.

    Weitere Faktoren der Nutzerzahlen sind Spiegelbild der sonstigen Wirtschaftslage. In Amerika stagnieren die E-Commerce-Umsätze zurzeit, jedoch nicht, weil man alle erreicht hat, sondern weil die Konsumlust, bedingt durch die Finanzkrise, extrem gehemmt ist.

    Der Liveshopping-Markt ist genauso groß wie der E-Commerce-Markt. Das ist vom Prinzip her richtig. Sich jetzt auf eine genaue Zahl einzulassen und diese dann auch noch als real zu verkaufen ist einfach nicht vollends ernst zu nehmen. Solche Schätzungen sind mehr als verfrüht und sprechen gegen die momentan Tendenzen auf diesem Segemnt im Onlinehandel.

  3. Steffen

    Am 17. Dezember 2008 um 19:56 Uhr

    Für mich klingt das reichlich seltsam. Ich meine Ihr sitzt doch alle in einem Boot und müsst natürlich für einander stehen. … Warum braucht Preisbock dann noch 1,5 Mio Euro Kapital wenn doch alles so rosig ist ?? (laut webselling 06/08) Würde mich ja wirklich interessieren, auch wenn ich das Geld gerade nicht über habe 😉

  4. Robert

    Am 18. Dezember 2008 um 14:33 Uhr

    Hallo Stefen,

    keine Ahnung ob und wieviel Kapital Preisbock braucht (kann man das irgendwo nachlesen oder hast du das “offline” gelesen?) aber ich denke mal, denen wirds wie vielen Startups gehen: Auf einem gewissen Niveau profitabel zu sein, reicht halt oft nicht aus, um damit ein marktgerechtes Wachstum zu finanzieren. Investitionen in Werbung usw. benötigen oft zusätzlich Cash, den man sich trotz Profitabilität organisieren muss.

  5. Pate

    Am 18. Dezember 2008 um 14:37 Uhr

    Jaja … also alle wissen genau, dass der Markt nicht nur 30-50.000 kaufende Kunden sind. Aber keiner weiss offenbar, wieviel es denn sind. Also woher wissen die dann aber, dass es nicht 30-50.000 sind? Mit “Das zu beantworten bzw. eine konkrete Zahl zu nennen ist nicht ganz einfach. ” bleibt das doch sehr wolkig, um nicht zu sagen “kaufmännisch albern”. Ist doch alles ein bisschen gaga, da ist wohl nicht nur der Markt beschränkt 😀

    @Steffen: Die Frage warum denn ein gerade über den break even geschrittenes Unternehmen Geld braucht ist klasse! Meine Meinung: Die brauchen die Kohle, um sie zu verbrennen, weil’s im Intershop-Tower doch keine Heizung gibt ROFL

  6. wissender

    Am 18. Dezember 2008 um 21:51 Uhr

    Ich glaube, die Kommentare vom Paten waren vollkommen richtig. Die nachhaltige Profitabilität von Standaloneliveshoppingsites muss sich erst erweisen. Ich bin da sehr skeptisch, aber alle haben eine faire Chance. Nur: Finanzierungen hinzubekommen wird gerade sehr schwer. Hatten wir alles 2000 schon mal. Es wird nicht viel übrig bleiben, dass was bleibt könnte dann funktionieren. Als Feature auf grossen Shoppingsites wird liveshopping bestimmt funktionieren.

  7. Sebastian

    Am 19. Dezember 2008 um 08:34 Uhr

    Lieber Peter… oder Pate,

    wunderbar polemisch zu sein ist nur eine Sache. Ich persönlich schätze ja einen gesunden Sarkasmus und so weiter. Eben weil ich nicht weiß, wie die Nutzerzahlen in einigen Jahren aussehen werden, bin ich der Meinung, dass man sich nicht auf eine genaue Zahl einigen kann. Was bitte ist daran denn albern? Wolkig? Okay. Mehr ist wohl auch einfach nicht drin. Die Nutzerzahlen wachsen weiterhin, vielen ist der Begriff “Liveshopping” noch nicht geläufig. Wo soll man denn dann bitte eine exakte Zahl bestimmen?

    Natürlich ist die Frage, weshalb ein über den break-even geschrittenes Unternehmen weitere Investitionen benötigt, interessant. Aber ich schätze, Du weißt selber gut genug, wie es mit der Antwort darauf bestellt ist.

    Und wir verbrennen auch kein Geld hier, auch wenn es in letzter Zeit etwas neblig hier in Jena ist. Das kommt nicht von uns. Unsere Heizungen arbeiten einwandfrei :).

    Wer austeilen kann, lieber Peter, der muss auch einstecken können. Das gilt umso mehr, wenn man Profi ist. Dir war doch klar, dass man sich zu deinen Äußerungen ebenfalls äußern würde. Wir können alle noch lernen, natürlich, aber etwas mehr Professionalität kann man doch erwarten, oder? 😉

    Nichts für ungut.

    Profitable Grüße aus dem bitterkalten und nicht-geheiztem Intershop-Tower

    Sebastian

  8. Kai

    Am 19. Dezember 2008 um 13:23 Uhr

    -koppschüttel-
    deutschland ist nicht amerika
    ich meine damit:
    dass auch das nächste jahr vorrübergehen wird, bevor wir lernen, wie man richtig konsumiert.

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