Monatsarchiv für April 2009

Die Illusion Twitter

Verfasst am 30. April 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Gestern ging ein Raunen durch die Blogosphäre und schuld war das Marktforschungsunternehmen Nielsen, das „herausgefunden” hat, dass das Wachstum von Twitter zwar weltrekordverdächtig ist (im letzten Jahr ca. 1382 Prozent Wachstum), allerdings 60 Prozent der Nutzer im Folgemonat (nach Anmeldung) nicht mehr zurückkehren. Das ist in der Tat ziemlich lustig. Holger Schmidt, der Netzökonom der F.A.Z.-Online, schob diese Zahlen auch gleich auf die Tatsache zurück, Nielsen hätte sämtliche Applikationen für den Microblogging-Dienst außen vor gelassen.

social_audience_retention

In diesem Zusammenhang konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen, als Holger Schmidt schrieb:

David Martin vom Marktforschungsunternehmen Nielsen versetzt der Twitter-Gemeinde einen Dämpfer [...] Es fällt vor allem Neueinsteigern immer schwerer, wahrhaft interessante Twitterer zu finden. Viele Neulinge sind mit dem Filtern überfordert und bekommen das Gefühl, mit Twitter ihre Zeit zu verschwenden – obwohl Twitter als Instrument für den schnellen Informationsfluss und die schnelle Kommunikation genial ist.”

Schmidt erläutert nachfolgend sehr richtig, dass es für Neueinsteiger sehr schwierig ist, an relevante Informationen beziehungsweise an Tweets zu kommen. Aber ich habe eine Frage, die eigentlich auch jedem erfahrenen Web-Nutzer schon auf der Zunge liegen müsste: Was erwarten wir von Twitter, und wenn wir was erwarten, ist es vielleicht ein bisschen viel?

social_network_loyalty

Zu twittern ist ja mehr als schick, so rein gefühlt, und die Diskussionen über den Nutzwert von Twitter müssen wir uns nicht (schon wieder) streiten. Ich glaube, viele Twitter-Nutzer machen aus der Nummer eine zu große Sache und da kann man sich Holger Schmidt nur anschließen, wenn er schreibt, Neulinge haben das Gefühl, ihre Zeit dort zu verschwenden. Ja, er hat auch recht, dass anfangs einige Verständnis-Barrieren zu erklimmen sind, aber selbst danach, bleibt nicht allzuviel. Womit Schmidt meiner Meinung nach falsch liegt, ist, dass Twitter für den schnellen Informationsfluss und schnelle Kommunikation genial ist.

Denn genau hier ist die Sollbruchstelle des Nutzwertes: Wirkliche Informationen fließen nicht auf Twitter. Dafür gibt es viele Gründe, der wichtigste ist die Einschränkung auf 140 Zeichen. Der Nutzwert liegt in den Adjektiven, die Schmidt benutzt, sprich: schnell. Mehr ist Twitter nicht.

Nützliche Dinge, Informationen, können nur von externen Quellen eingebunden werden, durch Links und so weiter. So kommt man natürlich schneller an Informationen, wenn man denn erfahren mit Twitter umgeht, aber Twitter ist kein Ort der Informationen, dafür wurde dieser Dienst auch nicht erschaffen. So ist es auch lustig, dass David Martin vom Marktforschungsunternehmen Nielsen seine Untersuchung mit folgenden Worten beendet:

Twitter has enjoyed a nice ride over the last few months, but it will not be able to sustain its meteoric rise without establishing a higher level of user loyalty. Frankly, if Oprah can’t accomplish that, I’m not sure who can.

Damit wird eigentlich alles auf den Punkt gebracht und irgendwie höre ich auch Spott aus Martins Statement heraus. Was soll Twitter in den Augen der Nutzer eigentlich sein? Hat über diese Frage schon mal wer nachgedacht? Wir hatten den Amoklauf mit einer anschließenden hitzigen Diskussion über die Do’s und Don’t's der Medien, wir haben gerade eine herbeigeredete Panikmache wegen der Schweinegrippe. Kommunizieren des Kommunizierens wegen. Das ist Twitter zum größten Teil.

ssss

Als ich 2007 mit Twittern angefangen habe, hab ich erst nicht gewusst wie und wozu. Nach einer Woche war dann alles klar. Und seit der Wachstumsmotor angesprungen ist, ist Twitter einfach nur noch Gequatsche ohne Mehrwert, zwar sehr schnell, aber who cares about that?  ”Um Twitter aber richtig beurteilen zu können, muss man aktiv mitmachen”, schreibt Holger Schmidt. Da hat er sogar recht. Aber wenn man nicht weiß, wer Twitter nützlich verwendet, dann bringt das Mitmachen nichts. Ich kicke regelmäßig Twitter-Spammer aus meiner Followerliste, die nach zwei Tweets bereits 100.000 anderen Nutzern gefollowed sind.

Das machen wirklich sehr viele Nutzer so, weil es gibt ja Charts und so was. Oben mitspielen heißt Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das ist so, als würde man andere Menschen mit Versprechungen in ein Stadion locken. Das Stadion ist irgendwann voll und die Show fängt an, aber es gibt kein Programm, nichts sinnvolles und selten was unterhaltsames. Genau so nutzen viele Twitter. Und deswegen könnte der Dienst einfach auch diese hohen Absprungraten haben.

Das ist nicht die Schuld von Twitter, das sind die Nutzer. Und jeder twittert weiter vor sich hin, darüber, dass der Hype von Twitter “gefährdet” ist. Wirklich unterhaltsam. Und die Schweinegrippe gibt es ja auch noch. Und zukünftige Skandale wollen auch noch breit getreten werden. Und wieso hält sich Oprah eigentlich aus allem raus?

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Und was für Nutzer-Loyalität überhaupt?

Nachtrag: Gerade bei Freshzweinull gefunden, ein Blog, das ich wirklich sehr gerne lese:

Real Life Twitter – Absolut großartig.

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Amazons Experimentierfreude geht weiter: Das Modegeschäft

Verfasst am 28. April 2009 von Sebastian (Handelskraft).

amazon_craveDie Experimentierfreude des Internethändlers Amazon findet kein Ende. Vor allem deswegen, so kann man ruhigen Gewissens annehmen, hat sich das Unternehmen über viele Jahre hinweg an die Spitze gesteuert. Erst jüngst ist man im ersten Quartal 2009 an Ebay vorbei gezogen, was vor allem auch am unerwarteten Erfolg des Kindle, ein Lesegerät für elektronische Bücher, lag.

Jeffrey Bezos, Gründer und Präsident von Amazon, hat seit der Gründung auf Experimentierfreude und vor allem auf Geduld gesetzt. Wofür er anfangs noch belächelt wurde, ist seit einigen Jahren ein Imperium gewachsen, das mit der Idee eines Online-Buchhändlers gestartet ist.

Aus dem reinen Onlinebuchhändler ist nun ein beinahe komplettes Warenhaus gewachsen, das fast alles richtig gemacht hat. Dank der Geduld des Gründers Bezos.

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[Foto: dpa]

Diese Tugend hat auch auf andere abgefärbt:

Ralf Kleber, Chef der Deutschlandtochter von Amazon, möchte nun auf eigene Rechnung ins Mode-Geschäft einsteigen, so berichtete gestern das Handelsblatt, sich damit noch mehr Unabhängigkeit erarbeiten und nicht nur für Ebay ein ernstzunehmender Konkurrent werden. Und es stellt sich die Frage, ob langfristig betrachtet, große Modehändler mit Amazon noch Schritt halten werden.

Amazon reagiert damit auf den exponentiell steigenden Erfolg des Modehandels im Onlineshopping-Bereich. Hatte Amazon früher nicht den Mut? Der Handelsgigant hat stets mit Ideen und Innovationen den Markt angepeitscht und hat sich, was nun diesen Schritt angeht, taktisch wirklich sehr clever verhalten.

Amazon profitiert vom Modehype. Das Unternehmen ist flüssig, kann schneller reagieren und vor allem muss es kein neues Produkt am Markt einführen. Die Reaktionen der Verbraucher auf Onlineshopping im Modebereich ist überwältigend.

Ich fürchte, anderen großen Versandhändlern dieses Segments wird dieser Happen nicht schmecken.

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Erepublik: Das strategische Social Network Online Game

Verfasst am 27. April 2009 von Sebastian (Handelskraft).

erepublikErepublik.com – Was ist das? Müsste man es kurz jemandem erklären, könnte man sagen, dass es ein gewaltiges Online-Multiplayer-Game ist mit sozialen Strategien, also eine Mischung aus Strategie-Game und sozialem Netzwerk. Völlig kostenfrei.
Das rumänische Startup mit Sitz in Spanien/Madrid wurde im Februar 2007 quasi wortwörtlich erschaffen, in einer neuen Welt. Eine virtuelle Version der echten Welt, in der jeder als Arbeiter, Politiker, Soldat oder Journalist (etc.) Karriere machen und ganz nach oben kommen kann.
erepublik1Erepublik ist browserbasiert und ist die pure Kommunikation. Gerade Online-Games führen oftmals zu suchtähnlichen Zuständen, die teilweise viele Stunden täglich vernichten. Für Erepublik muss man sich vor allem am Anfang nur zehn Minuten Zeit nehmen. Mehr geht auch gar nicht.

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Und so besorgt man sich einen Job, trainiert in der Armee, wird in Konflikt verwickelt, muss sich ernähren, sich um sein Geld kümmern, es anlegen, kann Freundschaften schließen oder in die Politik einsteigen, wenn man nicht schon eine Firma oder einen Verlag gegründet hat. Wirtschaft, Krieg, Macht und Wohlstand sind Inhalte dieses Games, und sie sind bewusst so und nicht anders gewählt.

erepublik2Knapp 127.000 Einwohner hat die neue virtuelle Welt, aufgeteilt in 53 Nationen. Das virtuelle Deutschland hat insgesamt schon ca. 1.500 Einwohner.

Die ersten Wochen verbringt man im Game mit dem Aufbau seiner Existenz. Wie ich in den Kommentaren einiger Techcrunch-Beiträge gelesen habe, haben das viele bemängelt, da es sehr schnell langweilig geworden sei. Dem kann ich nicht zustimmen:

“Erepublik has built an online virtual geo-political simulator that allows the player to “make history” in its virtual world with as little as fifteen minutes of daily game play. And, it is both free and completely browser based, two things that most strategy games are not.”

Wer cheaten will, kann das mit echtem Geld gerne tun. So kann man sich virtuelle Goldanleihen kaufen, oder Features frei schalten, die sich ansonsten erst später im Laufe des Games mit steigenden Erahrungspunkten freischalten lassen würden. Das ist übrigens auch das Geschäftsmodell des Startups: das Verkaufen von virtuellen Gütern an Nutzer, interne Ads von Usern und externe Ads zu Marken. Offensichtlich fährt man damit bisher ganz gut, verschiedene Finanzierungsrunden gab es auch schon.

Sicherlich ist Anfangs eine gewisse Routine vonnöten, wenn man aber erst einmal genügend Erfahrungspunkte und virtuelles Geld gespart hat, eröffnen sich wirklich interessante Möglichkeiten.

Die virtuelle Welt Erepublik wächst weiter und ich muss zugeben, nach drei Wochen fängt es mir gerade an richtig Spaß zu machen.

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Full-Service-Internet-Agenturen sind gut aufgestellt

Verfasst am 24. April 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Das letzte Geschäftsjahr, so gab der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) gestern bekannt, verlief für Full-Service-Internet-Agenturen und -Dienstleister sehr gut. Im Durchschnitt haben diese 2008 ihre Umsätze erneut zweistellig um 14,8 Prozent steigern können, prognostiziert wurden 21,2 Prozent.

Arndt Groth, Präsident des BVDW, sieht trotz des Nichterreichens der Prognose „[...] die positive Entwicklung als ein klares Zeichen für einen anhaltenden Erfolgskurs an.

Die teilnehmenden Unternehmen erwarten für 2009 eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 7,9 Prozent.

Das New Media Service Ranking 2009 zeigt, dass T-Systems Multimedia Solutions bereits zum 7. Mal in Folge den 1. Platz belegen konnte. Ebenso haben sich die Plätze zwei bis fünf aus dem Vorjahr nicht verändert: Pixelpark, Plan.Net Gruppe, Syzygy Deutschland und SinnerSchrader. In dem Ranking sind mit den 77 Neuzugängen mittlerweile insgesamt 245 Full-Service-Internet-Agenturen gelistet, die einen Honorarumsatz von mehr als 200.000 Euro ausweisen können.

Auch die Zahl der Festangestellten ist 2008 in diesem Segment im Durchschnitt um 10,2 Prozent gewachsen, Prognose auch für 2009 tendenziell positiv bei 8,4 Prozent.

Harald Fortmann, Vizepräsident des insgesamt fünfkopfstarken Präsidiums des BVDW, führt diese Tendenz, laut IWB, auf die Stimmung in der Branche zurück:

Wie schon die letzte Umfrage des BVDW zum Arbeitsmarkt der digitalen Wirtschaft gezeigt hat, ist die Stimmung in der Branche gut. In diesem Jahr werden allerdings nicht nur Fachkräfte gesucht, sondern vor allem Talente.

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Produkt der Woche: SmartSwipe-Kartenleser für das noch sichere Online-Shopping

Verfasst am 23. April 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Das Thema Datenschutz ist ein brisantes. Das Bedürfnis nach Sicherheit der eigenen persönlichen und finanziellen Informationen hat online eine völlig neue Industrie erschaffen. Sichere Online-Bezahlsysteme wurden kontinuierlich entwickelt und verbessert, aber dennoch wird beim Online-Shopping oftmals ein Glied in der Sicherheitskette übersehen: der eigene Computer.

Die meisten Sicherheitstechnologien fokussieren sich auf den Transfer von Daten zwischen dem eigenen Computer und einer besagten Website. Jedoch können bösartige Spyware oder ähnliches potentiell auf die eigenen sensiblen Informationen zugreifen noch bevor die eigenen Daten den Computer verlassen haben.

SmartSwipe hat sich hierfür eine wirklich clevere Lösung einfallen lassen, die Handelskraft heute zum Produkt der Woche kürt: Der erste sichere persönliche Kreditkarten-Leser für das Onlineshopping.

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Die Firma verkauft „Card Swipe”-Maschinen, die man über USB an den Computer anschließen kann. Beim Einkaufen beziehungsweise beim Bezahlen zieht man seine Kreditkarte (akzeptiert werden VISA, Mastercard, American Express, Discover und JBC) durch den Swipe-Kartenleser, woraufhin sämtliche Karteninformationen und Daten chiffriert und verschlüsselt werden. Diese sensiblen Daten werden auch niemals auf dem eigenen PC gespeichert.

Der Kartenleser kostes 99,95 Dollar und ist hier bestellbar.

Das folgende Video erklärt noch einmal kurz und ansehnlich, wie einfach und wie clever diese Idee funktioniert:

Update: Läuft zwar auf Windows XP, aber nicht auf Mac.

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Die Telefon.de-Shopping-Map

Verfasst am 22. April 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Hin und wieder bleibt man ja beim Einkaufen vor Schaufenstern stehen und lässt sich inspirieren. Aus diesem Prinzip ist die „telefon.de-Shopping-Map” entstanden, ein neues Gadget, auf dem via Google Maps (Deutschland-Karte) eine rein zufällige Auswahl an Handys und Telefonen angezeigt werden, die in den letzten Minuten gekauft wurden.

telephon

Die Länge des Minutenintervalls ist mit der Tageszeit und dem Wochentag begründet, so ist das Zeitintervall nachts natürlich wesentlich länger. Der Durchlauf der angezeigten gekauften Produkte beginnt von vorne, sobald alle Verkäufe eines festgelegten Zeitintervalls angezeigt wurden.

Angezeigt wird ein Produkt (Handy oder Telefon) erst, wenn der Kauf rückbestätigt wurde, dass heißt der Versand oder ähnliches bestätigt wurde. So wolle man es vermeiden Spaß-Bestellungen zu provozieren, heißt es auf dem Telefon.de-Shopping-Blog.

Adressen werden nicht angezeigt, lediglich eine ungefähre Postleitzahl der Region, in der das Telefon gekauft wurde. Der angezeigte Verkauf wird gemeinsam mit einem Produktbild und dem Produktnamen eingeblendet. Klickt man auf das Produktbild, wird man auf die Shoppingseite des entsprechenden Produkts weitergeleitet.

Eine nette Idee.

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Robert Basic: Buzzriders

Verfasst am 22. April 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Mit Robert Basic wird gemeinhin immer viel Welle gemacht, so hat die gesamte Blogosphäre schon zum Verkauf seines alten Blogs „Basicthinking” diskutiert, ob Basic eigentlich ein echter Mensch oder eine Marke ist. Durch das Interesse der Medien wurde alles noch ein kleines bisschen beschleunigt, ob Fernsehen oder große Onlineangebote, alle haben sich für ihn interessiert.

Robert Basic, ob es ihm nun gefällt oder nicht, wurde als Vorzeigeblogger in die Medienwelt gezerrt. Das schafft Freunde und Feinde. Und Aufmerksamkeit.  Allgemein gesagt: Wir können von Glück sprechen, dass es Robert Basic war, der als “der” deutsche Blogger gekürt wurde, denn er ist jemand, der sich sich ambitioniert und leidenschaftlich in  der Welt der Blogs eingesetzt  und seine Sachen durchgezogen hat. Und er hat stets betont, dass er auch nur ein Mensch sei, dem Fehler genauso unterlaufen wie Erfahrungen, die selbst ein erfahrener Blogger so manches Mal aus der Bahn werfen. Basic hat sich nie unterkriegen lassen und war  immer mutig neue Wege zu gehen, auch wenn er vom Wegesrand mit Steinen beworfen wurde.

Diese Aufmerksamkeit könnte sein neues Projekt „Buzzriders” immens puschen. Selbstverständlich stehen Medien und Blogosphäre wieder einmal daneben, gespannt und neidisch, und warten auf den „neuen Medienunternehmer”, der mit Buzzriders „Spiegel Online angreifen will” (meedia.de).

Buzzriders? Robert Basic stellt sich eine News-Neuerung vor, eine Mischung aus Twitter, DPA-Ticker, lokale News, Kleinanzeigen, Blogs und Social Networks:

Auf Basis der heute zur Verfügung stehenden Technologien will Basic zum modernen Verleger werden, der auf vollkommene Offenheit setzt, ähnlich einem Open-Source-Projekt.

buzzriders-wireframe-1 (Skizze einer lokalen Seite bei Buzzriders)

Die Idee hinter Buzzriders ist bei weitem nicht so neu, wie zurzeit darüber berichtet wird. Im deutschen Raum sowieso nicht. Das wesentlich Web-2.0-affinere Amerika versucht sich zurzeit an dem Projekt “Printed Blog” und auch das “SmashingMagazine” sollte ein Begriff sein. In Deutschland sind mir unter anderem artverwandte Projekte wie “MyHeimat” und “Eins.de“bekannt. Von einer Revolution des lokalen Internets kann einfach keine Rede sein. Und mir scheint es, als würde man ihm diese Sätze einfach in den Mund legen.

Dennoch hat Basic durchaus gute und lukrative Vorstellungen, so sollen alle Gemeinden auf Buzzriders ihre eigenen Lokalseiten bekommen. Bürger können hier ihre eigenen Kurzmeldungen einstellen und sich austauschen. Zudem gibt es dann noch Lokalredakteure, Kleinanzeigen und eine intuitive Suche. Auf Bundesebene sollen die Massen bedient werden, nach folgendem Prinzip: „Kurze Artikel und viele Leute, nicht wenige Leute und lange Artikel”, so Basic.

Klingt erstmal nicht übel in der Theorie (auch wenn ich es persönlich schade finde, dass man mehr und mehr auf Knappheit und Kürze setzt), aber gerade dieses Segment hat sich in der Praxis, zumindest in Deutschland, noch nicht durchsetzen können. Was wesentlich einfacher und auch wünschenswerter ist, sind Basics Vorstellungen über die offene Gestaltung des Projekts und die Kommunikation nach außen. Vorbild ist Mozilla. So sollen Businessplan, Mitarbeiterpläne und Finanzpläne für jedermann einsehbar sein. Und genau in diesem Punkt macht Basic alles richtig. Er schafft Vertrauen und weiterhin hat er keine Angst vor einem Scheitern. Diese Transparenz könnte wesentlicher Erfolgsfaktor werden. Außerdem will man nicht alles auf einmal, fünf Jahre soll das Projekt vorerst laufen.

Das alles sind möglicherweise Kriterien für ein Projekt, dass ernsthaft etwas geben und nicht nur einnehmen möchte. Und es klingt experimentierfreudig.

Thema inhaltliche Qualität: Das wird mit Sicherheit ein großer Berg Arbeit werden, wie auch Don Alphonso richtig feststellt:

Für das Lokalgeschäft braucht man Erfahrung. Und damit meine ich nicht ein Journalismusstudium, sondern echte Organisationserfahrung. Man kann natürlich viel auslagern, die rechtliche Verantwortung etwa, die in diesem Bereich extrem unschöne Folgen haben kann, oder auch die Vermarktung. Aber der Wurf ist so gross, dass man sich dahinter schon sowas wie eine kompetente Manschaft wünschen würde. Redakteure, die wissen, was sie tun. Schreiber, die Qualität liefern. Leute, die das auch wirklich gegen alle Widerstände in einen schrumpfenden Werbemarkt hinein verkaufen können.

Das bringt eigentlich schon alles auf den Punkt. Die wichtigen Akteure werden neben Basic, der irgendwann als Gallionsfigur vor dem Projekt stehen wird, werden die Lokalredaktionen, die, kurz gesagt, kompetent sein müssen, ansonsten lohnt sich die ganze Mühe nicht. Auch die wirklich tollen Ideen, die ich bei freshzweinull.de gelesen habe (verschiedene Tools), werden daran nichts ändern können. Dennoch passt der Slogan “Helft dem Mann, damit da etwas Gutes draus wird”.

Ich für meinen Teil, bin gespannt was Robert Basic aus Buzzriders macht und schließe mich den fast adelnden Worten Alphonsos an:

Man sagt ja immer, dass man an den Herausforderungen wächst. Blöderweise sind viele Blogger an den Herausforderungen klein geblieben. Und diese Herausforderung ist alles andere als klein. Es ist fraglos ein neuer Ansatz. Aber bei mir würden hier eindeutig die Bedenken überwiegen. Was natürlich nicht heisst, dass nicht trotzdem was draus werden kann. (und ja, wenn der Macher nicht Robert Basic heissen würde, wären meine Bedenken sicher noch grösser).

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