Froodies.de: Lebensmittelversand im Internet

Verfasst am 22. Juni 2009 von .

froodiesLebensmittelversand über Internet? In Deutschland gibt es seit März dieses Jahres einen neuen Versuch dazu: das Dortmunder Startup froodies.de, das sich momentan in der Beta-Phase befindet.

Das Konzept:
Froodies hat einen Dortmunder Lebensmittelhändler an der Strippe. Geht auf froodies.de eine Bestellung ein, so wird auf dessen Sortiment zurückgegriffen. Das ist an sich wirklich gut, da man sich so Investitionen in ein eigenes Lebensmittellager sparen kann. Logistisch lief es bisher so, da man frisch liefern muss, wurde bisher nur der Dortmunder Raum mit Frischwaren beliefert.
In Restdeutschland konnte man dennoch Waren bestellen, die nicht gekühlt geliefert werden müssen. Aber man arbeitet bereits an einem Konzept (könnte man sich auch bei Saftfabrik.de abschauen; die haben sich diesem logistischem Problem bereits erfolgreich angenommen). Geliefert wird in Dortmund dreimal am Tag, wer vor 12 Uhr bestellt, hat abends 18 Uhr seine Bestellungen (oder sagen wir besser Einkäufe) an der Tür. Die Preise und Lieferpreise sind überraschend günstig: 4,90 Euro Versand im Dortmunder Raum, 6,90 Euro in Restdeutschland. Das ist okay.

Aber wozu das alles? Spannend ist diese Idee nicht, geht es hier um den gewöhnlichen Lebensmittelerwerb. Lutz Preußners, Gründer von froodies.de (zusammengesetzt aus „fresh food deliveries”), äußerte sich deutsche-startups.de gegenüber folgendermaßen:

Der Versand von Lebensmitteln ist das letzte große Potential, das im Online-Bereich noch nicht bedient ist.

froodies2

Zwei Dinge seien hierzu angebracht: Es gibt, erstens, schon eine ganze Reihe von Anbietern, die Lebensmittel über das Netz vertreiben, überwiegend natürlich Selbstmix-Portale wie MyMuesli, Saftfabrik oder Chocri. Ob diese Portale momentan profitabel arbeiten bzw. eine Aussicht darauf haben, ist noch mal ein ganz anderes Paar Schuhe. Qualitativ sind diese jedoch top. Und zweitens: Der Bereich des richtigen Lebensmittelversandes, wie es froodies.de anpeilt, gab es bereits mal. Erfolglos. Die Handelskette Tegut unternahm 2001/2002 bereits einen großen Versuch, der aber recht schnell wieder eingestampft wurde. Tegut ist mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro kein Leichtgewicht.

Was liegt also näher als das Argument: Das war 2002 so, wir haben jetzt 2009. Ja, das Internet ist mittlerweile in fast allen Bevölkerungsgruppen populär geworden, aber reicht das aus, um dem Supermarkt an der Ecke Konkurrenz zu machen bzw. um erfolgreich mit so einer Idee zu werden? Ich persönlich glaube nicht daran. Und auch die Begründungen des froodies-Geschäftsführers klingen leicht gutgläubig:

Wir geben Menschen die Möglichkeit, sich in ihrer Freizeit mit schönen Dingen zu beschäftigen anstatt mit Einkaufen!” – “Mein Opa surft im Internet und ist längst keine Seltenheit mehr in dieser Generation!

Und sich dann im Ausland an funktionierenden Vorbildern zu orientieren halte ich für gefährlich, insbesondere den USA-Dienst freshdirect, die anders als tegut, seit mehreren Jahren im New Yorker Raum konstant geblieben sind. Jedoch kennen die Amerikaner, insbesondere die New Yorker, nicht den klassischen Supermarkt wie wir. Das Angebot freshdirect bedient also eine Nische, ähnlich wie gourmondo.de hierzulande. Das Konsumverhalten ist dort drüben ganz anders, des Weiteren ist die dortige Internetbevölkerung weitaus weiter was Vertrauen und gestandener Geschäftsmodelle angeht.

Auch das englische Lebensmittelportal tesco.com lässt sich schwer als vergleichbare Idee anbringen, da hinter tesco.com ein Supermarktkonzern mit einem Umsatzvolumen (2008) von 52,5 Milliarden Euro steht. Vor allem in Irland gibt es zu Tesco kaum Alternativen. Und was den Schweizer Food-Shop LeShop.ch angeht: Hier steht das größte Schweizer Detailhandelsunternehmen hinter (Migros), das 2008 rund 17,1 Milliarden Euro umgesetzt hat. Es sind oftmals auch nicht unbedingt die Marken an sich, die ausschlaggebend sind, sondern vor allem auch die Ketten, in denen man einkaufen geht. Viele Discounter und Ketten haben ein bestimmtes Image an denen man sich orientiert und die man im Stadtbild auch durch Präsenz wahrnehmen kann. Bei einem reinen unabhängigen Lebensmittel-Onlineshop stelle ich mir das schwieriger vor.

In den USA gibt es freshdirect, in England tesco.com, in der Schweiz LeShop.ch – die Zeit ist jetzt auch bei uns reif.

Nein, würde ich so nicht unterschreiben. Die Idee ist an sich nicht schlecht, aber das Einkaufen von Lebensmitteln gehört zu den banalen Alltagsübeln. Habe ich Feierabend, gehe ich auf dem Heimweg am Supermarkt vorbei. Oder wenn ich was spezielles Essen will, dann gehe ich eben spontan einkaufen. So kann ich mich vor Ort auch noch mal umentscheiden oder eine andere Auswahl treffen. Wer garantiert mir, dass die Lieferung frisch ist. Das ist weitaus problematischer als eine Saftlieferung, auf die ich nicht angewiesen bin. Und auch wenn die Lieferung günstig ist und die Preise fair, an der Supermarktkasse bezahle ich trotzdem weniger.

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Kategorie: Versandhandel


5 Reaktionen zu “Froodies.de: Lebensmittelversand im Internet”

  1. KA

    Am 23. Juni 2009 um 07:33 Uhr

    Danke für diesen Beitrag.
    Es ist wie mit den eBookreadern: Kein Mensch braucht sie und trotzdem werden Sie verkauft. Ich denke auch, dass diese Idee sich in Deutschland nicht auf breiter Front durchsetzen wird, aber es gibt bestimmt gut verdienende Zielgruppen in Stadtgroßräumen, die es gern annehmen werden. Ich würde es schon aus Neugier ausprobieren 😉

  2. Sebastian (Handelskraft)

    Am 23. Juni 2009 um 10:47 Uhr

    Auch nicht gut verdienende Gruppen können sich das leisten, aber die Frage ist, ob das für einen banalen Lebensmitteleinkauf nicht zu viel des guten ist. Ob man nun an der Kasse wartet oder aber im Netz ewig stöbert, macht nicht wirklich Unterschiede. Und ob älter Zielgruppen überhaupt Vertrauen haben im Netz zu bezahlen ist auch noch mal eine Frage, die nicht beantwortet wurde.

    Danke für das Feedback.

  3. Martin Gross-Albenhausen

    Am 24. Juni 2009 um 08:45 Uhr

    Otto hat es mit dem Otto-supermarkt mal getestet und ist gescheitert. Aktuell gibt es in Deutschland noch doit24 aus Dresden – die sind schon seit Jahren aktiv. Nach letzten Infos haben sie knapp 40.000 Kunden und machen einen Umsatz im einstelligen Millionenbereich. Interessant finde ich, dass Büro- und Gastronomie-Services wichtig sind, und spezielle Dienste für Menschen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr aus dem Haus kommen.

    doit24 hat sich auch einige Neuerungen ausgedacht wie z.B. einen USB-Stick mit EAN-Scanner. Wenn die letzte Packung Milch angebrochen wird, scannt man den (und weitere) Artikel und kann dann den USB-Stick am PC automatisch in den Warenkorb von doit24 einlesen. Tolles Konzept, kostet den Kunden aber erstmal irgendwo an die 100 Euro…

    In Belgien versucht sich jetzt Delhaize mit einem Direct-Konzept, das aber über die Abholung in Filialen funktionieren soll.

  4. Christian Grötsch

    Am 24. Juni 2009 um 11:53 Uhr

    Also wir sind sehr zufrieden mit einem lokalen BIO-Händler der uns ein mal die Woche Getränke und eine Biokiste in den dritten Stock vor die Haustür liefert. Die Auswahl was drin sein soll treffen wir im Onlineshop. Ich denke es gibt viele solcher kleinen Shops. Eventuell ist die Kundengruppe als auch das Bedürfnis doch größer als man denkt….

  5. Matthias Brodthagen

    Am 11. April 2010 um 15:03 Uhr

    Sorry für das Posting fast ein Jahr nach dem letzten Eintrag ;.) bin aber erst gestern auf diesen Thread gestoßen:

    Meine Art zu kochen setzt Auswahl an Zutaten vorraus. Und eine 4000 Seelengemeinde in den Abruzzen kann mir die so nicht bieten (kein Angriff, kein Lamentieren). Ich hoffe also das sich die Idee durchsetzen kann. Ich würde es sogar begrüßen wenn die bereits bekannten Reallife Ketten diese zu ihrem Gesamtprogramm hinzufügen würden und eine europaweite Auslieferung von vorneherein zur Grundlage nehmen.

    Vorteil 1: Markterweiterung bei fast nicht vorhandenen Zusatzkosten.
    Vorteil 2: Der Kunde hat mehr Auswahl bei insgesamt niedrigeren Preisen.

    Zu Sebastian (Handelskraft) Am 23. Juni 2009 um 10:47 Uhr:
    Äh, ich weis ja nicht wie das in Deutschland mitlerweile ist, aber hier in Italien kann man nicht mit Kaffee und Zigarette in der Hand an der Kasse warten 🙂 Zuhause schon. Der Einwand ist also relativ Sebastian.
    Außerdem denke ich das es auch davon abhängt was man genau sucht.
    Und was die Zahlungssicherheit angeht, ich nehme auch nicht meine gesamten Ersparnisse mit in den Supermarkt. Es gibt also keinen nachvollziehbaren Grund warum ich einen solchen Schwachsinn im Internet machen sollte. Ich für meinen Teil benutze eine aufladbare Kreditkarte für die Erstbestellung und gehe dann auf normale Rechnung über. Bietet mir ein Händler diese Option nicht, keine Bestellung.
    Bei allen Vorteilen die mir das Einkaufen über das Internet aber auch bietet, ich ziehe die realen Läden aus drei Gründen vor:

    01) Der persönliche Kontakt. Schon mal versucht ein neues Produkt über
    das Netz vorzukosten??? Hab ich im normalen Laden nie Probleme mit
    gehabt. Von den tausend “unbedeutenden” Nichtigkeiten die im Laden
    so vorkommen können rede ich dabei gar nicht erst.
    02) Die Spontanität beim Einkauf. Soll heißen ich kann von jetzt auf sofort
    meine Essenspläne umstellen, ist über Internet unmöglich
    03) Sofortige Reaktionsmöglichkeit bei etwaiigen Pannen gleich welcher
    Art.

    Mein Fazit: Beide Enkaufsmöglichkeiten sind unverzichtbar für mich. Unabhängig von den Präferenzen. Ich hoffe also das sich dieser Sektor sehr schnell etablieren wird.

    Mein Tip: Bei Geldfragen ist blindes Vertrauen unangebracht. Ich wähle die Internetshops die ich frequentiere nach dem selben Prinzip aus wie die richtigen Läden: Das Gesamtservicepaket muß mir zusagen, ist das nicht der Fall lasse ich mein Geld woanders.
    Um aber herauszufinden ob das so ist muß ich mich vorher informieren, genau wie in realen Geschäften.

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