Monatsarchiv für Juni 2009

The Persian Bay

Verfasst am 18. Juni 2009 von Christian Onnasch.

Aus aktuellem Anlass heute mal ein Thema abseits des aktuellen E-Commerce Geschehens.  Die Betreiber des berüchtigten Torrentaggregators The Pirate Bay etablieren sich nicht länger nur als “Piraten” , sondern wollen Ihren Einfluss auch in der aktuellen Weltpolitik geltend machen. Als Reaktion auf die derzeit gespannte Situation im Iran nach den gefälschten Wahlen haben die “Piraten” ihre Seite nämlich nicht nur in “The Persian Bay” umbenannt. Sie  verlinken auch gleich noch auf ein Forum der Internetprotestgruppe “Anonymous” in dem Iraner und andere Interessierte  im Internet ohne staatliche Überwachung frei diskutieren können. Ich finde diese Aktion der Pirate Bay Macher grandios, beherzt und wegweisend!

Globalisierte Zivilcourage at it´s best: the-persian-bay

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Myfab.com untergräbt den Zwischenhandel

Verfasst am 16. Juni 2009 von Sebastian (Handelskraft).

myfabDas französische Designmöbel-Portal und Startup myfab.com (gegründet 2008) steigt in naher Zukunft mit fünf Millionen Euro Kapital in der Tasche in den deutschen Markt ein, das von Risikokapitalgesellschaften Alven Capital und BV Capital stammt. Geplant ist der Eintritt Ende August bis Anfang September diesen Jahres.

Das Prinzip von myfab.com ist sehr interessant, da hier die Nachfrage klar dominiert. Es sind die Kunden, die per Onlineabstimmung entscheiden können, welche Produkte angeboten werden. Myfab orientiert sich an diesen Abstimmungsergebnissen, nimmt die Produkte in den Vertrieb auf und bestellt diese bei den entsprechenden Herstellern. Auch hier gewinnt wieder mein Unwort des Jahres: die Echtzeit. Denn der Kunde kann sämtliche Produktionsphasen auf der Website live mitverfolgen und bekommt dann seine Ware an die Haustür geliefert.

Allerdings, und das ist interessant, wird der Zwischenhändler einfach umgangen. Der Vorteil für myfab? Siehe IWB:

Durch die Produktion auf Bestellung vermeidet myfab Fehl- oder Überproduktionen, Lagerkosten und teure Ladenmieten. Seit dem Launch im April 2008 wurden in Frankreich über 80.000 Artikel verkauft.

myfab2

In einem sehr lesenswerten Beitrag vom Netzökonomen, wird diese Idee genauer unter die Lupe genommen.

Jesper Wahrendorf, (neuer) Geschäftsführer im deutschen Ableger von myfab und ehemaliger Business-Developer-Leiter bei Otto, äußerte sich dazu folgendermaßen:

Ein Designersofa, das im Laden 4000 Euro kostet, wird für 200 Euro produziert. Der Rest geht für Zwischenhandel, Transport, Lagerung und natürlich die Margen drauf. Myfab.com schaltet diese Zwischenstufen aus.

Design on demand” und die Beseitigung von „verkrusteten Strukturen” stehen auf der Tagesordnung von Wahrendorf.

Das 4000-Euro-Sofa kostet dann „dank” myfab nur noch 700 Euro; generell sollen die Ersparnisse bei knapp 70 Prozent gegenüber dem Ladenpreis liegen. Möbel sind im Übrigen erst der Anfang, da hier noch die größte Differenz zwischen Herstellkosten und Verkaufspreis. Denkbar sind auch Textilien, Schmuck oder Elektronikhandel. Alles Bereiche indem, laut Wahrendorf, Preisvorteile durch myfab verschafft werden können.

Die Vision von myfab ist einleuchtend: Die Umgehung von Warenhäusern, Zwischenlagern und Großhändlern, zu diesem Fazit kommt auch der Netzökonom. In gewisser Hinsicht, ist myfab jedoch selbst eine Art individualisierter Zwischenhändler, der dem Kunden Geld spart und damit selbst verdient. Die „verkrusteten Strukturen” wie Wahrendorf sie tituliert, werden grob gesagt nur anders und neu ausgelegt. Aus der Ich-Perspektive (Stichwort: Marge). Myfab – Meine Fabrik?

Die Hersteller sitzen übrigens überwiegend in China. Das will ich jetzt mal unkommentiert stehen lassen.

Und was mich außerdem interessieren würde, wer die Designer sind, die die Produktvorschläge auf der myfab-Website erstellen, und wer diese womit bezahlt?

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Opera Unite

Verfasst am 16. Juni 2009 von Sebastian (Handelskraft).

So ganz verfehlt war die Ansage von Opera dann offensichtlich doch nicht, wie ich anfangs vermutet hatte. Aber mal im Ernst, diese ganze Aufmerksamkeitshascherei hat ja auch mittlerweile auch die Überhand genommen. Dennoch kann sich die Idee von Opera durchaus sehen lassen:

Dann liegen die Daten der Social Networks eben nicht mehr bei Twitter, sondern auf den Servern einiger Norweger. Opera Unite wird schon bald von der hysterischen Datenschutz-Community ins Visier genommen werden. Zu Unrecht?

Noch zu untransparent das Ganze.

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Dell: 3 Millionen Dollar Umsatz via Twitter?

Verfasst am 15. Juni 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Dell hat 3 Millionen Dollar via Twitter umgesetzt, berichtete THE BUSINESS INSIDER vergangenen Freitag. Diese Schlagzeile wurde leider auch von einigen sonst stets zuverlässigen Branchenquellen übernommen und teils auch euphorisch unterstrichen. Es geht also doch: Verdienen mit Twitter.

dell-logo-002-300x300Einige Fakten von THE BUSINESS INSIDER wurden jedoch nicht mit übernommen:

Die 3 Millionen Dollar rechnen sich aus den vergangenen zwei Jahren Jahren zusammen, eine Million Dollar davon im letzten halben Jahr. Mir ist nicht ganz klar, wie sowohl THE BUSINESS INSIDER, als auch das t3n-Magazin auf eine Summe von 2 Dollar pro Follower im Jahr kommen? Nach dieser „Statistik” müssten 600.000 Follower bei 3 Millionen Dollar Umsatz ja bei 5 Dollar pro Follower liegen, oder?

Davon mal abgesehen, hat Dell keine 600.000 Follower und, das wurde ebenfalls nicht erwähnt, mehr als nur einen Twitter-Vertriebskanal. Insgesamt pflegt Dell mehr oder wenig  34 verschieden ausgerichtete Twitter-Accounts. Drei Millionen Dollar Umsatz in zwei Jahren mit 34 Twitter-Accounts klingt nicht mehr ganz so nach Jubelschreie, finde ich.

Aber selbst die Geschäftsabwicklung hat mit Twitter nicht mehr viel zu tun. Im Grunde ist Twitter in diesem Fall nichts anderes als ein individuelles und kundenfreundliches Affiliate-Programm, für das Twitter durchaus Geld verlangen könnte:

If Twitter could throw in some analytical tools, it might be worth it.  A direct pipeline to your customers and potential customers is always nice.  So figure Dell soon hits 1 million followers, and figure the rest of the Fortune 500 follow suit.  You could get to some nice revenue pretty quickly.

Fakt ist, dass 3 Millionen Dollar innerhalb von zwei Jahren nicht sonderlich viel ist, aber zumindest ist es ein Anfang.

Mittlerweile verkaufen auch Weinhändler ihre Produkte via Twitter, da sich hier bereits eine sehr gut vernetzte (und stark konkurrierende) Community herausgebildet hat. Wie ich von einem Weinhändler erfahren habe, hat dieser bei einem Aktionsverkauf mehr als 90 Kisten Wein verkaufen können, was sicherlich nicht viel ist, jedoch auch ihn verblüfft hat. Die Nachfrage konnte er nicht decken.

Mit Twitter selbst ist aufgrund des aktuellen technischen Stands momentan nichts zu verdienen, es eignet sich jedoch als Werbetrommel, zum Kontaktaufbau und Support von Kunden. Hier muss man differenzieren, sonst können durch Euphorie ausgelöste Vertriebsaktionen aus dem Nichts einfach so verpuffen, während die Marketing-Abteilung in die Röhre schaut.

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Opera plant die Neuerfindung des Internets

Verfasst am 12. Juni 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Nicht das es mich nerven würde, dass alle das Rad beziehungsweise Vorhandenes wie die E-Mail neu erfinden wollen und das auch genauso proklamieren (lassen), aber so ein kleines Augenrollen keimt in meinem Gesicht schon auf, wenn Phrasen à la „Wir erfinden das Web neu” gedroschen werden.

So wie Opera:

opera

Interessant sieht das jedoch schon aus. Erst vor kurzem (3. Juni) wurde ja die Beta-Version von Opera 10 offiziell kommuniziert, siehe Pressemeldung. Was könnte also am 16. Juni (siehe oberen Screenshot-Ausschnitt) noch kommen?

Geheimniskrämerei ohne Ende. Die Opera-Community tappt im Dunkeln, ebenfalls wie das US-Branchenblog Techcrunch, welches Opera direkt ansprach und keinerlei Auskunft erhielt. Sind ja schließlich nur noch vier Tage.

Also entweder sind die Mitarbeiter bei Opera durchgedreht und größenwahnsinnig geworden und erfinden ein zweites Internet (was wirklich ziemlich gruslig wäre) oder aber, dass ist wohl wahrscheinlicher, es handelt sich hierbei um einen PR-Coup/Gag.

Ich werde mal vorsorglich alles speichern. Man kann ja nie wissen, zu was ein entschlossener Norweger fähig sein kann. Falls wir uns alle ab dem 16. Juni nicht mehr lesen können. Es war schön mit euch allen.

[Update: Aha.]

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Globetrotter.de steigt von eigenem Shopsystem auf Magento um

Verfasst am 12. Juni 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Globetrotter.de, einer der größten deutschen Online-Shops, der sich auf den Vertrieb von Ausrüstung für den Reisebedarf spezialisiert hat, steigt 2010 vollständig auf Magento um, so die Meldung des t3n-Magazins in der aktuellen Ausgabe (Nr. 16). Übernehmen wird jenes offensichtlich die E-Commerce-Agentur Visions.

globetrotter

Globetrotter.de, das bereits 1993 erste Gehversuche unternahm, läuft bisher auf einem eigens entwickelten Shopsystem. Die Entscheidung komplett auf Magento umzusteigen, dürfte den Online-Shop zu einem der umsatzstärksten Deutschen auf Magento-Basis machen. Wie auch auf excitingcommerce.de nachzulesen, hat das Unternehmen Globetrotter, das 950 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt und Filialen in Hamburg, Berlin, Dresden, Frankfurt, Bonn und Köln besitzt, im Geschäftsjahr 2008/2009 laut Pressemitteilung einen Gesamtumsatz von 205 Millionen Euro erwirtschaftet. Das entspricht einer Umsatzsteigerung von 27 Millionen Euro zum vorangegangen Geschäftsjahr (178 Millionen Euro). Glaubt man dem Unternehmen, so fallen knapp 75 Millionen Euro davon auf den E-Commerce-Umsatz.

magentoDie Entscheidung auf Magento umzusteigen, wird von Einigen noch mit Skepsis betrachtet. Alexander Graf, beispielsweise, sieht in dieser Entscheidung einen Fehler, da seiner Meinung nach solch ein spezielles Sortiment, wie es bei Globetrotter.de angeboten wird, in einer individuellen Umsetzung besser positioniert ist, da so langfristig Zusatzservices eingebunden werden können. Die Online-Shops, die bisher auf Magento gebaut wurden, wissen jedoch wie flexibel sich die Software an die eigenen Wünsche anpassen lässt.

Erst Anfang des Jahres hat der Jack-Wolfskin-Online-Shop auf Magento umgestellt, den Globetrotter zwar nicht betreibt, für den es aber den Versand übernimmt. Offensichtlich scheinen die Erfahrungen mit der Open-Source-Software hervorragend zu sein.

jackwolfskin

Das Problem bei hauseigen entwickelten Shopsystemen ist wohl, dass neben der Freimachung von HR vor allem der Aspekt, Änderungen eines individuellen Shopsystems erst dann vornehmen zu können, wenn man die gesamte Entwicklung akribisch dokumentiert hat. Dagegen spricht in erster Linie erstmal gar nichts, jedoch muss sich jeder Betreiber eines Online-Shops die Frage stellen, inwiefern er auf diesem Gebiet Kompetenzen aufweisen kann und ob man mit einer bestehenden und bereits erfolgreich erprobten Shoplösung – längerfristig auch finanziell (!!!) – nicht besser fährt. Jenes ist eine Entscheidung, die Globetrotter damit wohl gefällt hat.

Zumal Globetrotter mit seinem Online-Shop, und den darin eingebauten Social-Commerce-Features, ein für den Kunden vielfältigsten und spannendsten Shop im deutschen Raum anbietet.

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Dieter Althaus wird Schirmherr der Insight E-Commerce in Jena

Verfasst am 11. Juni 2009 von Sebastian (Handelskraft).

iecomAm 3. und 4. November findet in Jena im Intershop-Tower zum dritten Mal die „Insight E-Commerce” statt, an der neben Entwicklern und Unternehmen/Unternehmern auch Politiker und Wissenschaftler teilnehmen werden.

Die Schirmherrschaft dieser Netzkonferenz übernimmt Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus, der sich dazu folgendermaßen geäußert hat:

Das Jenaer IT-Cluster gewinnt für die Region zunehmend an Bedeutung. Um diese positive Entwicklung zu fördern, setzt das Land Thüringen auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Politik. Eine Veranstaltung, die sich diese Vernetzung zum Programm gemacht hat, unterstütze ich gerne.

Hoffen wir für Dieter Althaus, dass er den „Yes, we can”-Spruch zuhause lässt, nachdem seine Website so wundervoll abgekupfert wurde.

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