Fastfood-Ketten: Social-Media-Angsthasen

Verfasst am 11. August 2009 von .

Eine Branche ist in sozialen Netzwerken besonders unterpräsentiert: Fastfood-Ketten à la McDonald’s oder Burger King. Sicher, es gab einige sehr peinliche Versuche in sozialen Netzwerken, die sich jedoch indirekt gegen die Nutzer selbst richteten (You like your friends, but you love the Whopper). Von einem gewissen Standpunkt aus, verspottete Burger King damals sowohl die Moral der Nutzer, als auch das Netzwerk Facebook. Glücklicherweise war das eine Marketingaktion des Bratfett-Riesen, die noch mal bewiesen hat, dass Doppelmoral nicht moralischer ist, nur weil das Wort Moral darin vorkommt. Oder um der Marketing-Front von Burger King die Hand vom Mund zu reißen: Erst kommt das Fressen und dann die Moral.

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Erst kürzlich, so konnte man es auf medialotse.de nachlesen, landeten Fastfood-Ketten im Vergleich mit den 100 wertvollsten Marken der Welt nur im hinteren Mittelfeld, im Bezug auf das Engagement in sozialen Medien.
Michael Bernecker, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Marketing (DIM), hierzu:

Die Unternehmen schrecken offenbar vor den negativ geprägten Diskussionen, die aktuell in den USA und Europa über Fastfood geführt werden, zurück. Diese könnten sich schließlich ja auch auf die eigene Plattform ausweiten.

fast-food

Für Fastfood-Ketten ist das in der Tat sehr heikel. Und so fährt der Professor fort:

Wenn zu viel Negatives auf diesen Plattformen verbreitet wird, könnte dies die Expansionspläne eines Anbieters beträchtlich gefährden.

Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich stimmt. Die Konsumenten wissen, dass Fastfood nicht unbedingt das Nonplusultra in puncto Ernährung ist. Dennoch konsumieren sie es. Ist das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung gestört, aus welchen Gründen auch immer, zweifle ich daran, dass böse Worte einer Marke wie McDonald’s schaden könnten. Ich bin ja sogar der Meinung, dass bestimmte Marken schadensfrei bleiben, trotz schlechtem Image. Selbiges gilt auch für Tabakkonzerne: Es gibt Fans, aber auch verdammt viele Gegner. Unter Geldproblemen leidet diese Branche deswegen mitnichten. Nur wenige erwarten vom Fastfood oder vom Tabak, fair behandelt zu werden. So einfach. (Bei Vodafone ist das was anderes, aber die haben sich ihre Lektion ja schon abgeholt.)

Nun ja, jedenfalls ist vor kurzem der PR-Chef der US-amerikanischen Fastfood-Kette Taco Bell, Lyle Swart, ans Mikrofon getreten und verkündet die eigenen Web-2.0-Ambitionen:

Unsere Gäste konsumieren immer mehr Medien online. Das Internet ist ein wichtiger Weg, um sich mit Menschen zu vernetzen.

Ein raffinierter Bursche, dieser Lyle Swart. Und so geht Taco Bell bis Anfang nächsten Jahres das neue Projekt an, unterstützt von der auf digitale Kommunikation spezialisierten Agentur R/GA, und will die eigene Unternehmenswebsite tacobell.com in ein „benutzerfreundliches Entertainment-Portal umwandeln“. Good luck.

tacobell

Die Themen „Soziale Netzwerke“ und „Soziale Medien“ werden auch für andere Ketten ab nächstes Jahr eine große Rolle in der Marketing-Planung spielen. Gegenüber pressetext, äußerte sich KFC-Deutschland-Pressesprecher Michael Huy:

In Zukunft wird, gerade im Hinblick auf die geplante Expansion, Online-Marketing ein integrativer Bestandteil der Kommunikation werden und im Jahr 2010 bei uns maßgeblich an Bedeutung gewinnen.

Bleibt abzuwarten, ob diese Ketten den Weg richtig einschlagen, nicht wie Vodafone. Oder Burger King. Das Community-Potenzial ist in diesem Fall jedenfalls gigantisch. Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob ich das gut finden soll. Guten Appetit.

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Eine Reaktion zu “Fastfood-Ketten: Social-Media-Angsthasen”

  1. Twitted by Handelskraft

    Am 11. August 2009 um 08:32 Uhr

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