Monatsarchiv für Februar 2010

Peinliche Testimonial-Kampagne von Xing

Verfasst am 24. Februar 2010 von Sebastian (Handelskraft).

Fast genau ein Jahr, nachdem das Business-Netzwerk Xing schon einmal in der Kritik stand, ist heute ein peinlicher Fauxpas bekannt geworden, bei dem das Wort „peinlich“ – anders als noch vor einem Jahr – wirklich zutreffend ist: Die neue Testimonial-Kampagne von Xing names „Und es hat Xing gemacht“.

Damals als schwarzhumorige Hommage an die Finanzkrise:

Auf der Seite savethesacked.com (zu Deutsch: „Rette die/den Gefeuerten”) konnte man sich bis vor kurzem noch die Zeit mit einem Spiel vertreiben. Aus den Fenstern von Wolkenkratzern schrien Chefs „You’re fired” („Du/Sie bist/sind gefeuert”), woraufhin sich deprimierte arbeitslose Angestellte aus den Fenstern und damit in die Tiefe stürzten. Aber als Spieler konnte man die verlorenen Seelen retten, indem man diese per Klick und gesteuertem Xing-Fallschirm auffängt.

Das halbe Web hat sich damals schäumend über diese Aktion, die Xing sofort wieder abbrach, ergossen. Einige hatten genug Humor um es nicht ganz so eng zu sehen. Gleich nach der Nummer gab es dann noch das Todesstrafen-Plakat, das man ungefragt für das Netzwerk Lokalisten.de entworfen hat. Nicht weniger makaber – aber eigentlich ebenso witzig. Humor ist eben Geschmackssache.

Eine wirklich peinliche, allerdings auch sehr erfolgreiche Aktion legte Burger King einen Monat zuvor hin („Mit Geschmacklosigkeit zum Geschmack“. Da wurde mir wieder einmal klar: Erst kommt das Fressen und dann die Moral.

Jede dieser Aktionen ist Geschmackssache gewesen und hat in irgendeiner Form mit dem Humorempfinden experimentiert.

Und Xing? Was macht Xing?

Spießer Alfons von off-the-record.de bringt es ganz gut auf den Punkt: „Es hat Xing gemacht, wozu der Spießer lauthals lacht!

Xing hat das Wort Testimonial mal eben schnell umdefiniert. Die hier unten abgebildeten Testimonials, welche die Möglichkeiten von Xing fanfarenhaft in den Himmel preisen… (Bilder von off-the-record.de)

Xing1-550x611

… sind – und das ist wirklich peinlich – Xing-Mitarbeiter. Und keine dankbaren Kunden, geschweige denn Testimonials:

Xing22-550x198

Tja. Spießer Alfons dazu:

Da werden Personen im Foto mit abgekürztem Namen und Berufsangabe gezeigt, die alle von positiven Erfahrungen mit Xing berichten. Sie, die bei Xing angestellt sind! Das ist so, würden zufriedene Edeka-Kunden den Supermarkt in der Werbung loben, bei welchen es sich um Verkäufer/innen aus den Märkten handelt, ohne dass der Betrachter das erkennen kann!

Die ausführende Agentur aus Hamburg, die Deepblue Networks AG, hat ihrem Namen alle Ehre gemacht. Herzlichen Glückwunsch.

Social Commerce: Onlinehändler-Wettlauf auf Facebook

Verfasst am 18. Februar 2010 von Sebastian (Handelskraft).

Wo verbinden sich Händler mit ihren Zielgruppen online? Eine Frage, mit der sich sowohl neuartige Shopping-Konzepte, als auch bestehende Konzepte und Online-Stores in der aktuellen Phase der sozialen Besiedlung im Netz auseinander setzen müssen.

Oder: Wo finden Händler und Onlineshops ihre Kunden im Netz?

Nimmt man die 69 Prozent der Online-Käufer, die sich laut dem Bericht „2010 Social Media Report“ von ForeSee Results auf sozialen Netzwerken (und Medien) aktivieren, dann kommt man schnell zu dem Ergebnis, das auch hierzulande mittlerweile seine Früchte trägt: Potentielle Kunden im Netz bewegen sich in Netzwerken.

Keine neue Erkenntnis.

Ein aktueller Bericht von eMarketer.com („Finding Online Shoppers on Facebook“) zeigt nun auf, welche sozialen Medien und Netzwerke Online-Shopper besonders benutzen:

emarketer1

Aus dem Bericht geht weiterhin hervor, dass sich mehr als die Hälfte dieser Online-Shopper mit Marken beschäftigen, indem sie Fan werden (Facebook) oder ihnen folgen (z.B. Twitter). Auch dass sich Nutzer mit mehreren Marken „anfreunden“ im Sinne der Interaktion, ist keine besonders hilfreiche Erkenntnis. Sind Fans und Follower bessere Kunden? Eine Fragestellung, die es meiner Meinung nach eher wert wäre, untersucht zu werden. Am liebsten mit Zahlen, mit Beweisen. Das Fan- und Markengerede, Follower- und Interaktionsgewusel ist einfach zu abstrakt.

Ja, Facebook hat 400 Millionen angemeldete Nutzer. Eine große Zielgruppe, weswegen jetzt ca. 600000 Fanseiten auf Facebook mehr oder weniger vor sich hin dümpeln. Hier ein paar ernüchternde Zahlen zu diesen 600000 Fanseiten:

1. 95 Prozent der Seiten haben mehr als 10 Fans.

2. 65 Prozent haben mehr als 100 Fans.

3. 23 Prozent haben mehr als 1000 Fans.

Das heißt 77 Prozent der Fanseiten haben weniger als 1000 Fans.

4. 4 Prozent haben mehr als 10000 Fans.

5. 0,76 Prozent haben mehr als 100000 Fans.

6. 0,047 Prozent haben mehr als 1 Million Fans.

Nach Stand vom November 2009 existieren also lediglich 300 Fanseiten mit mehr als einer Million Fans.

Ich will nicht sagen, dass es für Marken mit guten Produkten Unsinn ist, auf Facebook Präsenz zu zeigen, alles andere als das. Solange es nicht nur bei der Präsenz bleibt. Aber es zeigt doch, dass Facebook-Aktivitäten für Marken derzeit noch Gehversuche statt souveräner Interaktion sind. Wobei Facebook derzeit das beste Sharing-Prinzip in sozialen Netzwerken ermöglicht, die mir hierzulande bekannt sind. Für den langsam aufsteigenden Social Commerce bringt das neben den scheinbar unendlichen Möglichkeiten auch Herausforderungen, für die die Mehrheit der online aufgestellten Händler allerdings noch der Mut fehlt und denen sie derzeit noch nicht gewachsen sind.

Und was ist eigentlich mit den Nutzern, die keine Fans von Marken auf Facebook sind. Ich zum Beispiel? Was ist mit diesen Nutzern?

Wahrscheinlich wäre es gar nicht mal so verkehrt, diese Leute „anzusprechen“, ohne ihnen dabei aggressiv auf die Pelle zu rücken.

dailydealDie ersten Versuche diesbezüglich zeigen hierzulande derzeit interessante Shopping-Konzepte, wie DailyDeal, CityDeal oder auch Mirapodo, die Werbeanzeigen auf Facebook schalten lassen.

In einem persönlichen Telefonat mit der Groupon-Adaption DailyDeal wurde mir gegenüber geäußert, dass die Zugriffe via Facebook-Werbung mehr als zufriedenstellend sind, und mehr noch, die Conversion Rate ebenfalls für glückliche Gesichter sorgt. Ebenso macht DailyDeal mit dieser geschalteten Werbeanzeige seine Facebook-Fanpage bekannter (derzeit bei ca. 6000 Fans, Vergleich mit CityDeal: ca. 11000 Fans).

Richtige Zahlen durfte mir man allerdings nicht nennen, schon klar, denn die Deckung muss im Krieg der (Groupon-)Klon-Krieger oben bleiben.

Eine Pauschalaussage wie „Händler finden ihre Kunden bei Facebook“ ist also erst mal das, was sie namentlich ist: pauschal.

Von xt:commerce auf Magento: Migrations-Modul

Verfasst am 17. Februar 2010 von Sebastian (Handelskraft).

Immer wieder einen Besuch wert, ist das Blog ShopTrainer.de, das regelmäßig über Themen wie Magento, xt:commerce oder allgemein über den Online-Handel berichtet. Auf diesem Blog bin ich auch über ein ganz interessantes Magento Migrations-Modul gestolpert, welches es ermöglicht einen Teil der eingepflegten Daten aus einem bestehenden xt:commerce Onlineshop der Version 3.0.4 auf einen neuen Magento Onlineshop zu migrieren. Geschrieben wurde das Modul „Migrate XT Commerce to Magento“ von Jan-Markus Wilhelm.

migration_xtc_magento

Zum aktuellen Zeitpunkt werden bei der Migration folgende Daten berücksichtigt:

1. Produkte (mit Bilder)

2. Kategorien (mit Bilder)

3. Bestellungen

4. Kunden

5. Adressen

6. Hersteller

7. Optionen

8. Attribute

Auf ShopTrainer.de wird zudem richtigerweise angemerkt:

Aufgrund der absolut unterschiedlichen Datenbankkonstruktionen, sollte jedem klar sein, dass das Modul sicherlich eine Hilfe bei der Migration darstellt, jedoch in keinster Weise die mühevollen Einstellungsprozeduren in Magento komplett ersetzen kann.

Weitere vorgestellte Magento Module auf Handelskraft: Finanzierungs-Extension “Dresdner Cetelem Kreditbank”.

On-Demand-Adaptionen und Groupon-Klone: Spannung im deutschen E-Commerce

Verfasst am 16. Februar 2010 von Sebastian (Handelskraft).

MyFab.com startete Ende September 2009 in Deutschland, mit fünf Millionen Euro Risikokapital in der Tasche. Zwei Monate später folgte das erst als club-of-style.de angekündigte fashion4home.de mit Kapital aus dem Hause Samwer Rocket und Holtzbrinck Ventures. Fashion4Home folgte MyFab dann auch brav in die USA, Expansion will schließlich gelernt/gelehrt sein. Und nun drei Monate später, scheint der dritte On-Demand-(Designermöbel)-Anbieter im MyFab’schen Prinzip um das zunehmende Vertrauen der Nutzer im Internet zu buhlen: design2desire.com:

design2desire

Laut Gründerszene hat nun auch design2desire finanzielle Unterstützung aus China an Bord (>500000 Euro), die zweite Finanzierungsrunde für das Unternehmen, das im Juli 2009 in München gegründet wurde.

Das Prinzip ist relativ schnell erklärt: Anbieter wie MyFab, Fashion4Home oder design2desire lassen Möbel- und Designerstücke on demand produzieren. Nutzer können über die Angebotspalette der Online-Stores über Abstimmung mitentscheiden.

Das Faszinierende (und für Kapitalgeber und Investoren wirklich Interessante) ist jedoch, dass Kunden die Möbel bestellen und bezahlen, noch bevor diese in China gefertigt werden. Jochen Krisch bezeichnete diesen Vorgang treffenderweise als „Vertrauensvorschuss in eine unbekannte Plattform mit hochpreisigen Produkten“. Die Preise der erworbenen Designerstücke sind um bis zu 80 Prozent billiger, da der Zwischenhandel umgangen wird und der Endverbraucher quasi ab Fabrik einkauft (MyFab – Meine Fabrik). Geduld sollte man als Käufer dabei jedoch mitbringen.

Damit wird es hierzulande auch im Möbel-On-Demand-Markt kuschliger. Und wäre Samwer Rocket nicht schon vertreten, könnte man noch mit einem weiteren (ernstzunehmenden) Wettbewerber rechnen. Sowas wie eine Groupon-Klon-Hysterie wäre jetzt das letzte, was deutsche Kapitalgeber gebrauchen könnten.

Im Sinne der Adaptionen und Klonerei finde ich es übrigens wirklich nett, dass wir so langsam an die Grenzen nicht-kryptischer Hybridnamen für Unternehmungen im E-Commerce-Bereich stoßen: design2desire, brands4friends, fashion4home und meiner Großmutter verheimliche ich immer noch, dass es sowas wie eine Einkaufsmöglichkeit im Internet gibt. Sowas würde sie nur noch mehr verwirren.

Sollte dennoch eine weitere On-Demand-Adaption auf den deutschen Markt kommen, wünsche ich mir design4home.

Social-Shopping-Applikation: ShopTogether Friends ermöglicht Echtzeit im E-Commerce

Verfasst am 12. Februar 2010 von Sebastian (Handelskraft).

Ähnlich wie Zugara’s Videoshopping-Applikation “Augmented Reality & Motion Capture“, in der seit kurzem auch ein spannendes zusätzliches Feature integriert ist, setzt die Social-Shopping-Applikation „ShopTogether Friends“ von DecisionStep auf Echtzeit im E-Commerce.

Neben den interaktiven Spielereien, setzen beide Anwendungen auf das Interaktions-Element in Echtzeit. So können sich Freunde beispielsweise bei Zugara via Live-Video-Konferenz (kleines Extra-Fenster) direkt einschalten und Feedback zum aktuell laufenden Webcam-Video abgeben. Für das Mode-Segment in Online-Stores ist das eine der derzeit spannendsten Anwendungen am Markt:

ZugSTAR (die neuere Version von „Zugara’s Augmented Reality & Motion Capture“):

Die Anwendung ShopTogether ermöglicht es hingegen, dass sich viele Menschen beim Online-Shopping ähnlich wie offline verhalten könnten: Interaktion und Feedback in Echtzeit, jenseits des Teilens von Links oder Screens:

Dabei können sich Freunde gemeinsam Produkte ansehen und dazu chatten. Spannend, allerdings nicht vom Hocker reißend. Wäre da nicht die ShopTogther Friends Toolbar:

From the ShopTogether Friends toolbar, she can send her friends a link to a specific product or an invitation to shop through Facebook, Twitter, MySpace, email or instant message. Once they accept the invitation, ShopTogether Friends connects them with the shopper for a real-time shopping experience on your site. They can chat, share product views, compare items and even create a mutual favorites list of the items they browse.

Im Großen und Ganzen ist das nichts anderes als die Share-Funktion auf Facebook, die Zugara’s erste Applikation-Version ermöglicht hat. Der Funktionsumfang für Interaktion von ShopTogether übertrifft das allerdings bei weitem.

Der Anbieter DecisionStep wirbt mit signifikanten Ergebnissen, die sich dadurch für deren Kunden generieren lassen. Laut eigenen Angaben erzielen Fashions-Stores nach der Implementierung 25 Prozent mehr Produkte im Warenkorb, einen 50 Prozent höheren Durchschnittsbestellwert und 400 Prozent mehr Zeit, die ein Kunde auf der Store-Seite verbringt.

Zum Einsatz kommt diese Anwendung hierzulande bereits beim Naturkosmetik-Shop hautbalance.de, die damit wohl mehr als gute Erfahrungen gemacht haben und seit der Implementierung ihrer Verkaufszahlen und den Bestellwert erhöhen konnten.

Wer noch weitere deutsche Onlineshops kennt oder findet, die diese Anwendung im Einsatz haben, der möge mir das bitte mitteilen.

Die neue Flaschenpost

Verfasst am 12. Februar 2010 von Sebastian (Handelskraft).

Eine wirklich ganz wunderbare Idee, die der Elektrospanier da realisiert hat: Die neue Flaschenpost.

flaschenpost

Man kann völlig anonym eine E-Mail als elektronische Flaschenpost verschicken, die dann irgendjemand, der sich ebenfalls hier beteiligt hat, ganz zufällig erhält, ohne die Möglichkeit dem Verfasser zu antworten. Die Empfängeradresse wird laut Elektrospanier rein zufällig aus einer Empfängerliste ausgewählt. Wirklich großartige Idee.

iPhone-Verkaufszahlen nach Kontinenten und Ländern

Verfasst am 11. Februar 2010 von Sebastian (Handelskraft).

In einer Flash-Map wird auf iphonemeter.com sehr schön dargestellt, wie sich die Abverkäufe des iPhones entwickeln. Laut der Website beruhen die Zahlen, die hier genannt werden auf Schätzungen aus der durchgeführten Primär- und Sekundärforschung.

Auf Messen und Kongressen im E-Commerce-Sektor erschleicht einen ja recht flink das Gefühl, dass 90 Prozent der westlichen Welt im Besitz eines iPhones sind. Die iPhone-„Statistik“ führt einem dennoch ganz nett vor Augen, wie stark die Verbreitung reell wirklich ist.

iphonometer

Weltweit sind es ca. 33 Millionen verkaufte iPhones, davon:

Asien – ca. 3,8 Millionen

Australien – ca. 800000

Europa – ca. 8,2 Millionen (Deutschland: ca. 800000)

Nordamerika – ca. 16,5 Millionen (USA: ca. 16 Millionen)

Südamerika – ca. 2,2 Millionen

Afrika – ca. 250000