Groupon ist nichts für Jedermann – aus gutem Grund?

Verfasst am 23. August 2011 von .

Groupon LogoNeben den in der Vergangenheit gepflegten Diskussionen über die kritische oder nicht kritische Finanzlage von Groupon, kann das Geschäftsmodell des Gutschein-Spezialisten auch durch einen Blick auf die Meinungen der Groupon Nutzer und das Verhalten der Gutscheinkäufer eingestuft werden.

Marketingeffekt soll Verluste aufwiegen

Ein sehr interessantes Interview in diesem Zusammenhang führte Matias Roskos von Socialnetworkstrategien.de mit dem Rheinischen Hof aus Garmisch-Partenkirchen. Dessen Inhaber Andreas Griess und die für das Online-Marketing zuständige Jessica Reindl verhandelten mit einer Vertreterin von Groupon und schilderten ihre Eindrücke und die Gründe gegen ein Groupon Inserat.

Die Verhandlungen scheiterten aus verschiedenen Gründen. Zunächst beschreiben Griess und Reindl die Bedingungen für eine Anzeige als ein Argument gegen eine Anzeige. Den Richtwert von 50% Preisnachlassund die zusätzliche Groupon Provision von 50% auf den Angebotspreis befanden sie als untragbar und ohne Verlust nicht machbar. Zusätzlich schreckte die fehlende Möglichkeit zur quantitativen Begrenzung des Angebots ab.

Das von Groupon ausgegebene Argument des Marketingeffekts, durch ein einmaliges Verlustgeschäft, befanden die Hoteliers auch nicht als überzeugend. Einen zweiten Besuch solcher Groupon Nutzer schließen die Beiden aus, da Leute die auf solche Angebote eingehen wahrscheinlich in Zukunft nicht den Listenpreis bezahlen bzw. wieder nach solchen Vergünstigungen suchen werden. Auch die Rechtfertigung gegenüber den normalen Besuchern falle schwer.

Gewisse Preisunterschiede sind in fast jedem Business normal, aber Unterschiede von 50% sind den Standardbesuchern nur schwer zu vermitteln. Der Werbeeffekt, der nur durch das Erscheinen auf der Plattform entstehen würde, sei auch zu gering, da das Überangebot und die hohe Frequenz bei Groupon, die Bekanntheit nicht nachhaltig erhöhen.

Nach Groupon Aktion hagelt es Kritik

Unter den Kommentaren zum zugehörigen Artikel befindet sich zusätzlich ein hochinteressantes Anschauungsbeispiel über die Negativfolgen der Nutzung von Groupon aus Händlersicht. Uwe Dahlheimer, ehemaliger Mitarbeiter von Qype, beschreibt die Situation so:

Einer meiner damaligen Kunden, ein Steakhouse in Berlin, wollte seine Bekanntheit steigern und hat sich via Groupon beraten lassen. Die Gutscheine wurden eingestellt und es gab ein Gericht im Wert von 20€ für 10€. Wie viele Gutscheine eingestellt werden sollten wurde im “Beratungsgespräch” nicht explizit fest gehalten. Der Gutschein lief nach anraten des “Beraters” 24 Stunden und es wurden fast 4000 Gutscheine verkauft. Nach ca. 1500 Gutscheinen wollte das Restaurant die Aktion stoppen, doch dazu kam es leider nicht. Ergebnis der ganzen Aktion, ca 30.000€ – 50.000€ Umsatzverlust und Gäste, die man eigentlich nicht haben wollte. Es hagelte Beschwerden über Beschwerden weil z.b. am Samstag Abend kein Tisch mehr frei war, was ich mir so in Berlin gar nicht vorstellen kann 😉 Hinzu kam noch das Groupon 50% des Gutschein wertes einbehalten hat und das Restaurant musste die Mehrwertsteuer zahlen. Sprich pro Gutschein hatte man 7€ über und die Jungs waren echt froh das der Zeitraum der Einlösung vor 3 Wochen vorbei war.

Die Kapazitäten reichten an vielen Tagen nicht aus für den großen Ansturm und so bekam das Steakhouse auf der Bewertungsplattform Qype, getreu nach dem Motto „Willst du eine schlechte Empfehlung auf Qype, dann hole dir einen Gutschein bei Groupon“, zahlreiche Kommentare.

Dieses Beispiel beschreibt sehr gut die vom Rheinischen Hof angebrachten Kritikpunkte und wie Groupon sich in der Wirklichkeit auswirken kann.

Fazit

Natürlich bringt Groupon auch viele Vorteile mit sich, wie z.B. Cross Selling Möglichkeiten oder eine gewisse Bekanntheitssteigerung. Ob diese allerdings nachhaltig den Erfolg steigern, ist nicht immer eindeutig zu klären.

Die Entscheidung für eine Groupon Aktion sollte gut durchdacht sein und kann für jeden individuell positive wie negative Auswirkungen haben. Ob Hotels durch solche Angebote Stammkunden gewinnen können, ist fraglich. Bei anderen Branchen sehen die Erfolgschancen jedoch anders aus.

(6 Bewertung(en), Schnitt: 5,00 von 5)
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9 Reaktionen zu “Groupon ist nichts für Jedermann – aus gutem Grund?”

  1. Thomas Wetzel

    Am 23. August 2011 um 14:56 Uhr

    Nachtrag:

    Wie in der Internet World Business steht bezahlt (Kundenakquisition) Groupon für jeden Neukunden im Schnitt 24,08 Dollar bei durschnittlich 17,55 Dollar Umsatz.

  2. David

    Am 24. August 2011 um 09:45 Uhr

    .. was man dabei aber nicht vergessen darf: wenn Groupon heute aufhören würde, Geld ins Marketing zu stecken, kaufen die bisher geworbenen Kunden ja weiter, und das Verhältnis von Akqusitionskosten zu Umsatz/Kunde wird deutlich freundlicher. Ich für meinen Teil bin weit davon entfernt zu sagen: das Modell funktioniert nicht mehr.

  3. Thomas Wetzel

    Am 24. August 2011 um 10:10 Uhr

    Naja aber es würden dann auch keine weiteren Unternehmen für zusätzliche Aktionen akquiriert werden. Eine vielfache Wiederholung von einem Groupon Inserat ist nur für wenige Anbieter attraktiv.

    Ich bin aber auch nicht der Meinung das Groupon am Ende des Geschäftsmodellzyklus ist bzw. nicht funktioniert. Sagen wir die Reifephase ist erreicht, jetzt gilt es Nachhaltigkeit aufzubauen ;-)! Die Möglichkeit das Marketing einzustellen wäre mMn auf jeden Fall tödlich für das Konzept.

  4. Janina

    Am 26. August 2011 um 10:36 Uhr

    Toller Beitrag. Ich denke langfristig muss sich Groupon ein nachhaltigeres Konzept überlegen, der schlechte Ruf bzw. die Konditionen und negativen Folgen sind immer präsenter in der Presse…
    Habe es gleich mal auf unsere Fanpage gepostet.. :)
    https://www.facebook.com/Youdress

  5. Thomas Wetzel

    Am 26. August 2011 um 11:01 Uhr

    Danke für das Lob und die Weiterleitung.

    Ja das mit der Nachhaltigkeit hab ich ja auch schon erwähnt im Artikel!

    Beste Grüße Thomas

  6. eCommerce-Podcast #5 | eCommerce-Podcast

    Am 5. September 2011 um 13:08 Uhr

    […] Kritik an Groupon von Kunden- und Anbieterseite (Handelskraft) […]

  7. WBM

    Am 6. September 2011 um 03:51 Uhr

    ich für meinen Teil bin immernoch schwer begeistert vom Konzept von Groupon danke für den ausführlichen Beitrag

  8. Anti

    Am 12. September 2011 um 23:58 Uhr

    Gibt es dauerhaft noch Hoteliers und Kneipiers, die sich darauf einlassen? Meine letzten Gespräche zu diesem Thema brachten eher eine dauerhafte Abklehnung, dies wird in jedem Falle eine super schnelle Abkühlung des Geschäftsmodells mit sich bringen. Tolle Idee, aber to big.

  9. carpathia: e-business // e-commerce.blog » Groupon macht die Kreditkarte zur Kundenkarte

    Am 28. September 2011 um 16:26 Uhr

    […] macht die Kreditkarte zur Kundenkarte Deals bei Groupon und seinen diversen Klonen haben zunehmend den Ruf, nur Schnäppchenjäger anzulocken, die dann aber kaum zu treuen Kunden werden. Bei Groupon […]