Auch Frauen wollen finden – ein Plädoyer gegen Female Commerce

Verfasst am 13. Dezember 2012 von .

Female Commerce

Foto: snaiwedu (Flickr.com)

Was wollen Frauen beim Onlineshopping? Natürlich inspirierende Bilder, emotionale Texte, Shops die nicht zu technisch wirken, sondern zum Entdecken einladen. Frauen, als das emotionalere Geschlecht, möchten begeistert und überrascht werden. Stöbern statt finden, lautet die Devise für „Female Commerce“ unter den E-Commerce-Weisen.

So weit, so gut – Emotionalisierung ist ein wichtiges Stichwort für Onlineshops. Ob man mit Bildwelten und Storytelling arbeitet oder nicht, kann einen großen Unterschied bei der Formung eines USPs und der Konversion machen. Der Kaufprozess beginnt nicht immer mit einem konkreten Mangel, oft genug liegt die Initialzündung eines Kaufes beim Stöbern. Dazu passt auch, dass Kataloge in Form von Magalogen und E-Katalogen wieder auf dem Vormarsch sind. Die Bildwelten regen eher zum Kauf an, als der Blick auf die Navigation eines Onlineshops. Auch der Erfolg von Pinterest als Trafficlieferant spricht für sich.

Die Folge sind Onlineshops, die versuchen, diese Erfolge nachzuahmen, indem sie „unlogischer“ werden. Bilder verdrängen Information, Landingpages, die sich jenseits jeglicher Navigationslogik befinden, häufen sich. Orientierung gebende Breadcrumbs verschwinden, Navigationspunkte wie „Inspiration“ und „Entdecken“ entstehen. Dort sind Produkte zusammengefasst, die zu einem bestimmten Thema passen und KäuferInnen interessieren könnten. Selbst bei der Shopping-Suchmaschine Amazon steht der „Stöbern“-Bereich über der eigentlichen Navigation.

Aber ist diese Entwicklung sinnvoll? Laut der Studie KauFRAUsch 2012 tut sich der Onlinehandel damit nur bedingt einen Gefallen. Dort wurde konkret nachgefragt, was Frauen beim Onlineshopping wichtiger ist:

  • Sie finden schneller ihr Wunschprodukt.
  • Sie sehen viele inspirierende Produktpräsentationen.

Das Ergebnis:

Effizienz geht vor. Fast 70% der befragten Kundinnen schätzen beim Online-Shoppen besonders, dass sie schnell ihr Wunschprodukt finden und direkt kaufen können. Im Vergleich dazu sind inspirierende Bilderwelten nur für knapp über 40% interessant.

Diese Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache – nicht alle Frauen möchten in Bildwelten zu stöbern. Viele wollen einfach nur einen Kauf tätigen und dabei schnell zum Produkt kommen. Schließlich wird der Kauf im Netz gerade dafür geschätzt, dass man den Shop durchsuchen kann, was im stationären Geschäft (noch) nicht möglich ist. Auch spielt Zeitmangel (nicht nur für männliche Onlineshopper) eine große Rolle.

Fazit

Inspirierende Bilder, Kataloge und Bereiche in Onlineshops, die zum Stöbern einladen, sind ein wichtiger Kauftreiber im modernen (E-)Commerce. Das Credo „Entdecken statt Finden“ auf den gesamten Onlineshop zu übertragen, um ihn für Frauen interessant zu machen, erweist sich trotzdem nicht als Allheilmittel.

Auch Frauen freuen sich über einen gut sortierten Onlineshop mit einer logisch aufgebauten Navigation und Elementen wie Breadcrumbs, die zeigen, wo man sich gerade befindet.

Hier muss es kein Entweder-Oder geben, viele Fashion Onlineshops machen es vor. Sie bieten Lookbooks, Kataloge und Pinterest-Boards für die Inspiration an, während der Onlineshop für das gezielte Finden der Produkte optimiert ist.

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Kategorie: Design & Usability


5 Reaktionen zu “Auch Frauen wollen finden – ein Plädoyer gegen Female Commerce”

  1. 10 Lesetipps der Woche für Shopbetreiber » shopbetreiber-blog.de

    Am 14. Dezember 2012 um 09:23 Uhr

    […] Blick lohnt sich auch heute bestimmt.Hier sind unsere heutigen 10 Lesetipps der Blog-Autoren. Ein Plädoyer gegen Female CommerceMehr Usability durch Surfpfade mit Navigations-DropdownBusy online shoppers look for bright […]

  2. Svitlana

    Am 18. Dezember 2012 um 13:50 Uhr

    Ich würde sagen: „Die Frauen wollen Shopping genießen“. Die Shopbetreiber sollen einfach ein harmonisches Form-Inhalt Verhältnis präsentieren, das Shopping zum Erlebnis und Spaß macht. Die bunten Bilder kann man auch in Bildergalerie anschauen.

  3. Diana Versteege

    Am 3. Januar 2013 um 11:48 Uhr

    Liebe Cornelia, ihr Plädoyer gegen den female commerce kann ich nicht so ganz zustimmen, zumal sie in ihrem Bericht auch nur einen sehr kleinen Bereich (die Suche) des SHEcommerce ansprechen.

    Es geht beim female oder SHEcommerce nicht darum einen kompletten Onlineshop nur auf die Zielgruppe Frau auszurichten sondern das Shopping für Frauen spannender und interessanter zu gestalten, so dass Shopping wieder zum Erlebnis wird und Spass macht. Wie viele unzählige, durch die Suche optimierten, und dadurch emotionslosen Shops gibt es ? Ich habe bereits zu viele davon gesehen.

    Natürlich wollen Frauen schnell zum Wunschprodukt finden, aber bevor sie anfangen zu suchen, müssen sie zunächst einmal inspiriert werden.

    Der Verkauf von Produkten funktioniert immer emotional. „Produkte oder Dienstleistungen, die keine Emotionen auslösen, sind für das Gehirn wertlos.“ lt. Prof. Hans-Georg Häusel. Menschen und vor allem Frauen kaufen keine Produkte sondern suchen nach (Problem-) Lösungen und die Erfüllung ihrer Wünsche und Träume. Und dies gilt sowohl für Online- als auch Offline-Käufe.

  4. Cornelia Greiner

    Am 3. Januar 2013 um 16:27 Uhr

    Wie man im ersten Teil meines Artikels lesen kann, möchte ich Female Commerce nicht verteufeln. Ich finde es auch gut und wichtig, wenn Shops mit Atmosphäre, ansprechenden Bildern und Details aufwarten.

    Ich halte diesen Aspekt jedoch für überschätzt. Nicht nur anhand von Umfragen, auch durch persönliche Erfahrungen aus meinem Umfeld, weiß ich, dass Frauen eben nicht nur emotional shoppen wollen. Wenn dem so wäre, wäre Amazon wohl kaum auch bei weiblichen Shoppern so beliebt (im Gegenteil, Spezial-Shops sprechen eher Männer an, während Frauen im Schnitt breite Sortimente vorziehen). Oftmals geht es einfach darum, Zeit zu sparen, schnell zum Produkt zu kommen, ein konkretes Problem lösen, ohne erst in ein stationäres Geschäft zu fahren.

    Nicht jeder Kauf entsteht spontan oder dient der Erfüllung von Wünschen und Träumen. Gerade berufstätige Frauen und/oder Mütter, denen oft die Zeit für ausgiebige Shoppingtouren (off- und online) fehlt, sehen in der Effizienz den entscheidenden Vorteil des Onlineshoppings. Nicht jede Frau hat unbegrenzt Zeit und Interesse für inspirierende Shoppingwelten. Weiter verbreitet ist hingegen die Freude über „harte Faktoren“ wie schnelle Lieferung, Service bei Retouren und die Zahlungsbedingungen.

    Kurz gesagt – Ich glaube nicht, dass man für Frauen einen völlig neuen Shop bauen muss. Ein Shop sollte generell professionell geführt sein, eine gute Usability aufweisen, Service bieten, einfach für sich genommen ansprechend sein, danach kommen „Entdecken“, „Stöbern“ und Emotionen als Tüpfelchen auf dem i.

  5. Sandra Kröger

    Am 13. März 2013 um 16:11 Uhr

    Hallo Cornelia, vielen Dank für das Zitieren unserer Studie! Ich denke, Du hast einen wichtigen Punkt genau erkannt. Denn viele Shop-Anbieter, die etablierte und durchaus erfolgreiche Shops betreiben, haben Ihr Angebot natürlich über Jahre sehr auf eine effiziente Konversion getrimmt und tun sich schwer damit, dies – mit gefühlt vagen Erfolgsaussichten – aufzuweichen. Zumal es bereits Beispiele gibt, wo Usability und Klarheit (und SEO) vollkommen für ein „inspirierendes und stylisches“ Frontend aufgegeben wurden. Ich denke der Schlüssel ist, dass Frauen sich natürlich inspirieren lassen und auch mal stöbern wollen, aber auch dies sollte und kann „effizient“ passieren. Da hilft auch einfach mal so ein kleines Feature wie die nachladende Kachelansicht. Denn fast alle Frauen sagen doch, dass sie zuerst auf den Link „Alle Produkte zeigen“ gehen :). Viele Grüße aus Berlin!