IKEA: Entdecke die Möglichkeiten, aber bitte nicht zu sehr

Verfasst am 17. Juni 2014 von .

Dass bei IKEA nicht überall grün drin ist, wo grün draufsteht, war bereits im Februar Thema hier im Blog (Jenseits der Shareconomy: Wie nachhaltig ist IKEA noch?). Mit dem Anwaltsschreiben an die Betreiberin des IKEAhackers-Blog nimmt es jedoch neuen Schwung auf: Anscheinend ist der freundliche Möbelriese nicht nur nicht an Do-it-Yourself und der Shareconomy interessiert, sie sind ihm sogar ein Dorn im Auge.

Ohne Frage, natürlich liegen hier Markenrechtsverletzungen vor. Der Blog ist an das IKEA-Design angelehnt, die Domain enthält den Markennamen. Trotzdem ist es unbegreiflich, warum die Betreiberin ab sofort kein Geld mehr am Blog verdienen darf und noch dazu auf eine neue Domain ziehen muss. Schließlich liegt dem Blog vor allem eines zugrunde – die riesengroße Begeisterung für die IKEA-Welt.

IKEAhackers.net was set up in 2006 and truly not with the intent to exploit their mark. I was a just crazy fan. In retrospect, a naive one too.

Ironischerweise wird in der Hackers-Community das gelebt, was IKEA verspricht: “Entdecke die Möglichkeiten”. Doch so viel Entdeckertum ist dann doch nicht gewollt.

IKEA kommt nicht mit dem “Prosumern” klar

Erst vergangene Woche habe ich Möglichkeiten aufgezeigt, mit denen nachhaltig konsumierende Kunden aktiviert werden. IKEA verstößt gegen fast jede davon. Der moderne Kunde ist dem Unternehmen ein Rätsel.

  • Teilhabe an der Marke: Hier geht das Markenrecht klar vor acht Jahre Begeisterung für Produkte und Philosophie. Komplettes Fail von IKEA, treue Fans so vor den Kopf zu stoßen.

    Needless to say, I am crushed. – Jules, IKEAhackers

  • Re-Commerce und Shareconomy: Diesen Begriffe sollten einem nachhaltig aufgestellten Unternehmen eigentlich kein rotes Tuch sein, im Gegenteil. Teilen und Wiederverwenden ist ein wichtiges Thema für aktive, bewusste Konsumenten.
  • Der Kauf als Erlebnis: Sich mit den Produkten auseinandersetzen, mit der Marke zu identifizieren und Spaß zu haben ist scheinbar unbedingt auf die Einrichtungshäuser zu beschränken.
  • Mass Customization und Einzelanfertigungen: Gehört zwar zum Standardrepertoire im Katalog, aber darf (im Rahmen der Marke) offenbar nicht über Bemalen oder mit Stoff bekleben hinausgehen.

IKEA setzt die Identifikation der Kunden mit der Marke langfristig aufs Spiel und sägt hier am eigenen Gründungsmythos des hemdsärmeligen Schweden. Andere Unternehmen plagen sich mit Content-Marketing-Bemühungen ab und wären auf so eine Community stolz. Hier wird dem stattdessen ein Riegel vorgeschoben.

Gleichzeitig wächst das Bedürfnis der Kunden nach Teilhabe an Marken und Produkten. Das Vorgehen von IKEA ist ein extremes Beispiel für die Fehlannahme, dass Kunden immer nur konsumieren wollen, ohne zu fragen oder selbst aktiv zu werden.

Update (19.6.): IKEA lenkt nun doch ein.

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