Alle Jahre wieder: Der E-Commerce-Hype ist zu Ende

Verfasst am 24. Februar 2015 von .

Es ist mal wieder soweit: „Der Onlinehandel-Trend ist vorbei“, so das Résumé von Gruenderszene.de basierend auf einer Studie von VC Capnamic Ventures. Der Risikokapitalgeber hat die Finanzierungsanfragen aus dem Jahr 2014 ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Anfragen von E-Commerce-Startups deutlich gesunken ist. Woran das liegt? Eindeutig: Jede Nische ist bereits besetzt und für neue Unternehmen gibt es keinen Platz mehr. Die Grabrede halten diesmal also die Kapitalgeber.

Onlinehandel-Trend ist vorbei

Um 11 Prozent sind die Finanzierungsanfragen bei Capnamic Ventures im E-Commerce-Bereich 2014 gefallen. Hingegen nahmen die Anfragen in den Bereichen E-Health und (Big-) Data stark zu. Gruenderszene nimmt das gleich auf und verkündet einstimmend mit Capnamic Ventures das Ende des „E-Commerce Hypes“. Das Fazit gleicht einem „dämlichen Zwischenruf“ im NRW-Landtag mit entsprechender, nachhaltiger Wirkung auf junge Gründer: Lasst es bleiben, es gibt kein Platz für euch. Doch gerade Startups wie Projekt Collins (ABOUT YOU) oder die Investments von Rocket Internet in den Online-Lebensmittelhandel zeigen, dass immer noch Platz in der E-Commerce-Welt ist – und zwar für innovative Ideen. Wichtig ist, dass Trends wie Virtual Realtiy, Internet of Things oder andere Wearables den Onlinehandel, der sich noch am Anfang befindet, nicht ablösen, sondern ergänzen.

Dort läuft’s, hier nicht

Stattdessen startete man das E-Commerce-Jahr 2015 in Deutschland mit der Meldung, dass dm einen stinknormalen Onlineshop eröffnet. Durchaus eine kurze News wert, mehr aber auch nicht.


86,7 Milliarden US-Dollar – so viel investierten laut Ernst & Young VCs 2014 in junge Unternehmen. Von den 6507 Investments wurden dabei 1460 in Europa und ganze 3682 in den USA getätigt. Auch die Beraterfirma Catcap kommt auf ähnliche Ergebnisse: Es erfolgen zwar Investments, doch Europa muss hier noch aufholen. Gerade in Deutschland sind die Kapitalgeber weniger risikobereit und die Unternehmen scheuen den Einsatz innovativer Technologien. Doch was war zuerst da: Die Angst in neuartige Ideen zu investieren oder die Furcht, dass VCs nicht genug Risiko für eine solche Investition aufnehmen wollen – Huhn oder Ei?

Much of success is just a numbers game. Try more things and you are more likely to find a winner. Innovation is like sales – you never know which idea will be the winner until you try things. Jim Estill

Nicht weniger als die Nummer 1

Zugegeben, in den USA wird das Rad momentan auch nicht neu erfunden, doch trotzdem gehen E-Commerce-Startups aus den Staaten anders an die Sache heran. Da hätten wir Jet.com, das schon vor dem Launch 220 Millionen US-Dollar sammeln konnte. Auf Jet.com werden die Preise der Produkte anhand mehrerer Faktoren, wie beispielsweise dem Wohnort, bestimmt. Dynamic Pricing at its best. Selbsterklärtes Ziel für Jet.com: Amazon vom Thron stoßen. Mitnichten eine neue Idee, die die Preisfindung im E-Commerce-Bereich dennoch von Grund auf verändern könnte. Ein anderes Beispiel ist Piccing, eine Social-Shopping-Plattform, die auch schon in Deutschland Fuß gefasst hat. Die Liste ließe sich leicht fortsetzen. Alles Ideen, die in dieser Art und Weise schon vorkamen aber dennoch noch einmal ausprobiert werden. Jetzt ist vielleicht der richtige Zeitpunkt für Idee X, morgen nicht mehr.

Was lernen wir daraus?

Startup-Kulturen sind von Land zu Land unterschiedlich, was auch Gruenderszene realisiert hat, und auch Bereiche wie Big Data, FinTech und E-Health legen zu – natürlich. Aber vielleicht sollten sich VCs, wie Capnamic Ventures, nochmals fragen, ob ein Rückgang von Finanzierungsanfragen tatsächlich das Ende des Onlinehandel-Trends bedeutet oder ob die eigene Risikobereitschaft in der Vergangenheit zu Wünschen übrig ließ.

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