Grabenkämpfe, Börsengänge und Übernahmewellen: Wie gehen Händler und Hersteller mit den Folgen der Digitalisierung um?

Verfasst am 10. Februar 2015 von .

E-Commerce ist nicht genug, stellten wir vergangene Woche fest. Wie kommt es dazu? Einerseits liegt es in der Natur der Sache: Häufig beginnen E-Commerce Projekte mit Bedarf nach einem Onlineshop und münden dann in eine Reihe von Folge- oder Vorprojekten, da sich im Unternehmen ungeahnte Baustellen auftun oder das pure Vorhandensein eines Onlineshops die zu lösenden Probleme im Unternehmen nicht aus der Welt schafft.

Der Grund dafür ist, dass E-Commerce längst ein komplexes Geschäft geworden ist, das abteilungs- und disziplinübergreifend betreut werden muss. Und die Anforderungen steigen.

Die Anforderungen steigen – dennoch Kür und Pflicht unterscheiden

Hinzu kommt: Ein Shop will auch erfolgreich vermarktet werden, denn was nützt ein Shop ohne Besucher. Online Marketing, das über rudimentäres SEO und ein wenig SEA-Traffic einzukaufen hinausgeht, gehört zunehmend zum Handwerk dazu. Google legt die Latte selbstverständlich stetig höher.

Wo man hinsieht, wächst die Zahl der zu integrierenden Kanäle und Plattformen. Neben einem mobilen Shop sind beispielsweise Marktplätze, Webanalyse, Kundenservice oder Produktdaten zu managen.

Nebenbei gibt es eine ganze Reihe alter und neuer Probleme zu lösen: Wie gewinnt man das Vertrauen der Kunden und findet eine Ansprache, um diese zu binden? Braucht es wirklich Same-Day-Delivery und einen Pop-Up-Store am Flughafen? Digitale Touchpoints und davon abgeleitete neue Vertriebsformen machen die Möglichkeiten, einen POS zu positionieren, praktisch unbegrenzt. Hier ist noch viel Raum für Kreativität.
Doch was kann/muss/will man davon realisieren?

Outfittery POS am Flughafen

POS, wo der Kunde ist: Das Curated-Shopping Startup Outfittery holte seine Zielgruppe im Sommer 2014 in Pop-Up-Stores an Flughafen-Terminals ab. Foto: Outfittery

Die Herausforderungen explodieren. Wie reagieren Unternehmen darauf?

Für Unternehmen, die sich noch immer nicht damit befasst haben, wie das Netz funktioniert, wird die Luft langsam sehr dünn. Im B2B wie B2C werden digitale Services zunehmend einfach erwartet. Dabei ist das dafür erforderliche Know-how aufzubauen extrem langwierig bzw. sehr teuer, wenn man plant, es von extern einzukaufen.

Unternehmen wie Otto oder Rewe machen aktuell vor, wie es funktionieren kann. Mit kleinen agilen Teams und Startups innerhalb des Unternehmens, losgelöst von den ansonsten vorherrschenden Unternehmensstrukturen, wird an zukunftsfähigen Konzepten für den Handel von morgen gearbeitet. Ein Ansatz, der Schule machen könnte, schließlich nehmen die Herausforderungen nicht ab.

Bewegung im Markt: Grabenkämpfe, Börsengänge und Übernahmewellen

Die Effekte des Wandels gehen auch an den Big Playern nicht spurlos vorüber. Für Überraschung sorgten beispielsweise die plötzlichen Ambitionen von Amazon, auch im stationären Handel präsent zu sein. PayPal und eBay gehen künftig getrennte Wege, was ein noch größeres Fragezeichen hinter die Zukunft von eBay setzt.

Alibaba, bis vor kurzem noch eine unbekannte Größe, wagte den Schritt aufs US-Börsenparkett und könnte als nächstes den europäischen Markt ins Visier nehmen. Hierzulande toben Kämpfe zwischen Shareconomy-Startups wie Airbnb und Uber und städtischen Behörden. Mit der Übernahme von Gruner + Jahr durch Bertelsmann ist ein weiterer traditioneller Verlag Geschichte.

Überall scheint Kauflaune ausgebrochen zu sein, was bei Tech-Unternehmen quer durch die Branchen zu beobachten ist. Hersteller von digitalen Marketingplattformen verbreitern ihr Portfolio ebenso wie die sozialen Netzwerke, Shopsystem-Hersteller oder die einschlägigen Handelsriesen.

Übernahmen2014

Eine Auswahl von Übernahmen, die 2014 von sich Reden machten

Diese werfen grundlegende Fragen auf: Wer überlebt, wenn die Konsolidierungswelle rollt und zusätzlich Konzentrationsprozesse wirken? Wie viel können disruptive Startups ausrichten, in ihrem Ziel festgefügte Strukturen aufzubrechen? Wie gehen lokale Hersteller damit um, wenn Alibaba es schafft, innerhalb weniger Tage direkt von China, der Werkbank der Welt, zu liefern? Was passiert, wenn Unternehmen wie Google ihre Fühler noch weiter in Richtung E-Commerce ausstrecken und fleißig die Infrastruktur aus spezialisierten Startups zusammenkaufen? Es gibt kaum eine Industrie, die von diesen Fragen nicht betroffen wäre.

Handelskraft 2015

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