Der digitale Point-of-Sale lässt Fragen offen

Verfasst am 31. März 2015 von .

The Inspiration Store

»The Inspiration Store« von eBay: Sieht so die Zukunft des Handels aus? (Foto: eBay Presse)

Wie wird das Geschäft der Zukunft aussehen? Diese Frage beschäftigt den klassischen Einzelhandel ebenso wie immer mehr Pure-Player. Amazon ist nur das prominenteste Beispiel für ein Unternehmen mit digitaler DNA, das den Schritt in den stationären Handel wagte.

Die Gründe dafür sind nicht von der Hand zu weisen: Langfristig fehlen Pure-Playern der direkte Kundenkontakt sowie Touchpoints, an denen Kunden mit der Marke in Berührung kommen. Es braucht wesentlich mehr Marketingbudget, um in Erinnerung zu bleiben. In der Kohlenstoffwelt fällt es Menschen eben immer noch leichter, Vertrauen zu fassen, als in der digitalen Sphäre. Nicht umsonst pflastern derzeit selbst die digital-affinen Rocket Internet Berlin mit Plakaten zu:

Des Weiteren bedeutet vermehrter Leerstand in den Innenstädten auch günstigere Mieten – eine ideale Testumgebung, da kürzere Mietzeiten ausgehandelt werden und Pop-Up-Store-Konzepte leichter realisiert werden können.

Ob ein Ladengeschäft damit zum Marketingkanal verkommt, der nicht unbedingt profitabel betrieben werden kann? Diese Frage kann angesichts der zahlreichen schlank aufgestellten Pure-Player kaum noch ehrlich mit “nein” beantwortet werden.

Dennoch steckt im Spannungsfeld aus online und offline noch viel Innovationspotenzial, das sich lohnen kann, auszuschöpfen.

Stationär wird digital: An Partnern mangelt es nicht

Laut Zahlen der Royal Mail planen 16 Prozent der kleinen und mittelständischen britischen Onlinehändler, in den kommenden zwölf Monaten einen eigenen Store zu eröffnen bzw. Ausstellungsfläche in einem bereits existierenden Ladengeschäft zu nutzen.

Beobachtbar ist ebenfalls, dass die Transformation des stationären Handels allmählich Fahrt aufnimmt. So machen selbst kleine Einzelhändler erste gute Erfahrungen damit, ihren Kunden mobile Bezahlarten, beispielsweise via Tablet, anzubieten.

Sowohl die Zahl der möglichen Multichannel-Services als auch die der möglichen Partner ist riesig und es stehen Händlern viele Möglichkeiten offen. Unternehmen wie eBay und Groupon verstehen sich zunehmend als Partner des Einzelhandels und möchten Services wie »Click & Collect« oder die Lieferung nach Hause auf die Agenda der Händler bringen.

Mit »Shopwings« wollen die Samwers den Lebensmittelhandel im Netz abbilden. Selbst Apple möchte mit der Einführung von »Apple Pay« PayPal und Co. nicht das Feld überlassen (hier die 150-Tages-Bilanz).

Manchmal erscheint es, als würden ausgerechnet die Händler selbst die wenigsten Potenziale sehen.

Online-Denke wandert in die Offline-Welt – nur an der Umsetzung hapert es

Dem Kunden ist der Kanal, in dem er einkauft, egal und dies variiert je nach der aktuellen Situation. Diese Tatsache wurde in der Diskussion um Multichannel zur Genüge erörtert und lässt im Grunde nur einen Schluss zu: Der stationäre Handel muss die beim Onlineshopping gelernten Vorteile – wie umfassende Information, Lieferung nach Hause oder Bestellungen rund um die Uhr – integrieren oder aufgeben.

»Wir machen aus Walmart auch einen Showroom für Onlineshopper.«

Walmart-CEO Mike Duke

Nur auf diese Weise ist das Geschäft wirklich auf die Digitalisierung eingestellt. Wenn der Point of Sale selbst digital wird, werden die Grenzen zwischen den Kanälen aufgehoben. Beispielsweise sollten im Laden ausverkaufte Produkte ganz selbstverständlich im Onlineshop nachzubestellen sein.

In den USA ist dies bei Walmart und Kmart bereits möglich. Dort können sich Kunden ihre Einkäufe entweder selbst mitnehmen oder kostenfrei nach Hause liefern lassen, wie im Video mit Augenzwinkern erklärt.

IBM stimmt in den Cross-Channel-Chor mit ein

IBM five in five Retail

Grafik: IBM

»In five years, local stores will merge digital with the instant gratification of physical retail to offer a more immersive and personalized shopping experience. «

Sima Nadler, IBM researcher

Von einer lokalen Zukunft des Handels ist man auch bei IBM überzeugt. In der alljährlichen Trendanalyse »The IBM 5 in 5« prognostizieren die Zukunftsforscher des Unternehmens ein Comeback des Ladengeschäftes, allerdings als Onlineshop zum Anfassen.

Es bleiben ungeklärte Fragen

Nur ein Problem wird sich auch auf diesem Wege nicht lösen können: Wie will man sich der Preistransparenz und dem damit verbundenen Preiskampf des Internets entziehen?

Ebenso fragwürdig ist, inwieweit es ausreicht, ein Geschäft mit Tablets und Screens aufzurüsten. Werden sich Kunden davon binden lassen? Inwieweit wird hier wirklich Neues geboten? Warum sollen Kunden in einem Geschäft auf dem iPad herumdabbeln, wenn sie das zuhause viel bequemer haben können?

Fragen, auf die es klare Antworten braucht. Schließlich wird hier neben den technologischen Herausforderungen ebenso massiver Aufwand beim Ladenbau betrieben. Da schmerzt der Kanalwechsel besonders.

Handelskraft 2015

Handelskraft 2015Dieser Auszug zur Zukunft des (digitalen) Handels stammt aus unserem Trendbuch »Handelskraft 2015 – Digital ist besser«, das auf unserer Webseite kostenfrei heruntergeladen werden kann.

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