Digital denken lernen: Warum der MVP-Ansatz nicht nur für Startups spannend ist

Verfasst am 11. August 2015 von .


Das MVP (Minimum Viable Product) gilt im Startup Universum nicht erst seit gestern als risikoarmer Weg zum Aufbau neuer Geschäftsmodelle. Das Denkmodell propagiert “Think small”, statt “Think big”. Bevor eine Geschäftsidee konsequent realisiert und darin investiert wird, wird überprüft, ob es überhaupt einen Bedarf danach gibt. Es geht im ersten Schritt darum, eine Hypothese zu prüfen und Ideen zu testen.

Das bekannteste Beispiel ist vermutlich Zappos, wo man zuerst einmal testete, ob sich Schuhe online überhaupt verkaufen lassen, bevor man loslegte und sich professionalisierte. Daher liefen die ersten Zappos-Bestellungen nicht über ein eigenes Lager, sondern die Schuhe wurden einfach im Schuhgeschäft gegenüber gekauft und versandt.

MVP kurz erklärt

Nach dem MVP-Prinzip hält man sich nicht lange mit Perfektion auf, das Prinzip “Trial and Error” gilt. Sobald eine Funktion entwickelt ist, ist das Produkt marktreif. Ein Feature reicht aus, man wartet nicht damit, bis man das perfekte Produkt, den perfekten Shop oder die App mit multiplen Funktionen vorweisen kann.

Projekte werden damit nicht nur schneller, sondern auch günstiger. Schließlich reduzieren sich F&E Aufwände und das Kundenfeedback kommt früher. Das Gesamtrisiko minimiert sich, da bereits in der frühen Phase deutlich wird, ob hier ein Bedarf besteht.

Rentiert sich das Experiment, kann weiter investiert werden. Mehr Features kommen hinzu, es können weiter Mitarbeiter beschäftigt und Investoren gesucht werden.

Der Nachteil: Fans dringend gesucht

Der Nachteil: Hier entstehen keine mundgerechten, durchgestylten Produkte. Es müssen nicht nur Investoren überzeugt, sondern auch die Kunden müssen ins Boot geholt werden. Sie müssen an den Erfolg des Projektes glauben. Aus diesem Grund ist es so wichtig, Storytelling zu beherrschen.

Typische Kunden, die ein fertiges Produkt wollen, spricht das nicht zwingend an. Sie müssen eher Fans werden, die bereit sind, das Projekt zu begleiten und zahlreiche Anpassungen und Updates mitzumachen. Statt passiven Konsumenten benötigt man also aktive Unterstützer. Diese sind nicht immer einfach zu finden und machen nur einen geringen Prozentsatz der Kundentypen aus.

Produktlebenszyklus

Der Produktlebenszyklus aus Kundensicht. Grafik: Marketing Wiki

Auch Großunternehmen können MVP

Nicht nur aufstrebende Startups, die die Knappheit von Zeit und Ressourcen zu Tests zwingt, können dieses Prinzip leben. Die digitale Transformation von (Groß)Unternehmen ist keine billige Angelegenheit. Auch gibt es keine Sicherheiten, was funktioniert und was nicht. Testing wird also zum Grundprinzip. Fehlschläge schmerzen weniger, wenn von Anfang an weniger Geld in die Hand genommen wird und erst einmal auf niedrigerem Level vorgefühlt wird.

Auch kann der MVP-Ansatz festgefügte Denkblockaden lösen: Das Grundproblem von Unternehmen ist häufig, dass in festen Kategorien gedacht wird. Ein großes Unternehmen braucht beispielsweise automatisch auch ein High-End Shopsystem. Es ist jedoch durchaus möglich, einen Onlineshop erst einmal mit einer günstigeren Open Source Plattform zu starten, statt gleich mit einer Enterprise Software in die Vollen zu gehen – unabhängig von der Unternehmensgröße.

Auf diese Weise können zum Beispiel B2B Unternehmen “den Onlinekanal” erst einmal durch einen Markenshop, einen Shop in einem Testland oder einen Ersatzteilshop (gern auch im Stealth Mode) testen. Nur so findet man heraus, wie die Kunden reagieren.

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