TopGear-Übernahme durch Amazon: Wenn Quote Moral schlägt

Verfasst am 25. August 2015 von .

TopGear auf Amazon

Screen: Amazon Lovefilm

Das Automagazin TopGear gilt als die erfolgreichste Produktion der BBC. Die Sendung wurde in diesem Jahr nach dreizehnjährigem Bestehen in ihrer jetzigen Form eingestellt. Insgesamt gibt es TopGear seit den 70ern, moderiert von Jeremy Clarkson. Genau jener wurde zum Grund für das Aus bei der BBC, denn seine politisch unkorrekten Äußerungen sowie eine gewisse Gewaltbereitschaft wurden den Produzenten irgendwann zu viel.

Schon kurz nach dem TopGear-Aus im März ließ Clarkson verlauten, dass dies nicht das Ende der Show bedeutet. Man werde ihn bald auf Netflix oder woanders sehen. Damit stand die Marschrichtung fest – nicht mehr nur Sender, auch neuartige Serienproduzenten waren offensichtlich interessiert. Dass klassische Rundfunkanstalten Konkurrenz aus dem Netz bekommen, ist spätestens seit YouTube keine neue Information mehr.

Kurz darauf gab Amazon bekannt, die launige Autoshow auf der eigenen Plattform fortzuführen.

Stellt sich nur die Frage nach der Moral.

Neue Medienschaffende ohne moralischen Kodex

Amazon, ist das nicht das Unternehmen mit der völligen Effizienzorientierung, in der Roboter die gern gesehene Alternative zu menschlichen Mitarbeitern sind? Wurden nicht erst letzte Woche Vorwürfe laut, Amazon gängele Mitarbeiter und lasse diese ausbrennen? Nun, das gleiche Unternehmen produziert bekanntlich auch Sendungen.

Für Sender, und insbesondere öffentlich-rechtliche wie die BBC, gibt es dedizierte Kontrollinstanzen. Wer kontrolliert eigentlich Amazon? Gibt es auch hier einen moralischen Kodex?

Der Fall TopGear zeigt deutlich, dass hier neu darüber nachgedacht werden muss, woher die Medieninhalte kommen und unter welchen Bedingungen sie entstehen.

Was kümmert es Amazon, ob Clarkson ein Tyrann ist?

Für Fans der Sendungen ist es natürlich eine Sensation, dass es TopGear weiterhin geben wird. Jedoch trägt die BBC Verantwortung für das, was sie ausstrahlt und zog hier die Konsequenz.

In der Presse ist mitunter zu lesen, die BBC habe sich verkalkuliert und bereue nun die Entscheidung. Dies ist zwar aus wirtschaftlicher Sicht richtig, doch es gibt noch eine andere Komponente in der Entscheidung. Die BBC untersteht wie alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bestimmten Grundsätzen. Da sie überwiegend durch Rundfunkgebühren finanziert wird, müssen sich die Inhalte durch Staatsferne und geringere kommerzielle Interessen auszeichnen. Medien übernehmen eine sogenannte Gatekeeper Funktion und sind dazu verpflichtet, dem Publikum ein Mindestmaß an Information und medialer Vielfalt zu bieten.

In diesem Fall weigerte sich die BBC, dem öfter durch verbale wie nonverbale Gewaltausbrüche aufgefallenem TopGear-Host noch länger eine Plattform zu geben und mit ihm zusammen zu arbeiten.

Doch was kümmert es Amazon? Warum sollte etwas, das offensichtlich erfolgreich ist, aus solchen Gründen eingestellt werden?

Rausschmiss bei der BBC, Riesen-Budget bei Amazon

Da der Markenname TopGear weiterhin der BBC gehört, wird es 2016 unter anderem Namen und mit neuem Konzept weitergehen. Mit einem Budget von 250 Mio. Euro dürfen Clarkson, Hammond und May wieder in die Vollen gehen.

Es bleibt nur die Frage, ob man künftig ohne die demokratischen Kontrollinstanzen, wie es sie für die klassischen Medien gibt, auskommen muss und die Zuschauerzahlen entscheiden, was gesendet wird. Wer übernimmt die moralische Verantwortung, wenn Handelsplattformen mediale Inhalte produzieren?

Was ist richtig? Der Zuschauer muss selbst entscheiden

Die Frage, ob es richtig war, Clarkson eine neue Show zu geben, wird jedenfalls nicht die letzte dieser Art sein. So wie es im Moment aussieht, wird diese Einschätzung an den Zuschauer selbst weiter gereicht.

Unternehmen wie Amazon und Netflix machen es sich mit der technisierten Logik von Algorithmen sowie Kosten-Nutzen-Rechnungen zu leicht, denn wer Medieninhalte produziert, sollte nicht nur für deren Erfolg Sorge tragen.

(2 Bewertung(en), Schnitt: 5,00 von 5)
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4 Reaktionen zu “TopGear-Übernahme durch Amazon: Wenn Quote Moral schlägt”

  1. Hubert

    Am 26. August 2015 um 06:13 Uhr

    es ist eine Autoshow….

  2. Stephan

    Am 26. August 2015 um 07:57 Uhr

    Cornelia, das wird jetzt nicht die neue Achse des Bösen (Clarkson & Amazon) – klar hat er ein sehr raues, ruppiges und politisch unkorrektes Auftreten, aber gerade dadurch hat Top Gear eine so grosse Fangemeinde gewonnen.

    Clarkson geht manchmal zu weit – stimmt, aber das passiert jedem von uns auch einmal – und damit wird er, auch wenn er weltweit ein Star ist, sehr menschlich

  3. Daniel

    Am 26. August 2015 um 08:28 Uhr

    BBC bzw. öffentlich-rechtliche Medien und Moral?
    Ganz dünnes Eis.. Der BBC-Moderator Jimmy Savile war nicht nur ein Kinderschänder sondern wurde wohl auch jahrelang gedeckt. Bill Cosby soll dutzende Frauen missbraucht haben.
    Und was ist mit der Zensur im WDR (Löschung des Gender-Talk bei „hart aber fair“ aus der ARD Mediathek) und beim ZDF (bei Aktenzeichen XY sollte über einen Fall nicht berichtet werden da es sich bei dem Täter um einen Schwarzen handelt)? Und wie war das noch gleich mit dem Skandal rund um Millionen-Veruntreuungen beim Kinderkanal Kika beim MDR? Die Winnenden Berichtertsattung beim SWR? Frontal21 und Monitor sind mittlerweile auf Boulevard-Niveau und keineswegs besser oder mit einem höheren Anspruch als die AKte21 oder andere Sendungen bei den Privaten.

  4. Cornelia Weiß

    Am 26. August 2015 um 09:57 Uhr

    Da kann ich euch nur Recht geben. Ich persönlich mag TopGear auch und habe kein größeres Problem mit Clarkson. Auch soll das keine Überhöhung der Öffentlich-Rechtlichen werden, jeder der einen Fernseher zuhause hat, weiß, dass Anspruch und Wirklichkeit da weit auseinander klaffen.

    Dennoch ist es ein erstes (harmloses, aber reichweitenstarkes) Beispiel, in dem ein Unternehmen wie Amazon, das keinen Kontrollen unterworfen ist, wie es Rundfunkanstalten nun einmal sind, in den Prozess eingreift. Als man Rechte und Pflichten für Medien und Medienschaffende formalisierte, hat man sich ja etwas dabei gedacht.

    Aus meiner Sicht sollte zumindest diskutiert werden, wie es sich nun verhält, wenn Unternehmen außerhalb der traditionellen Medien plötzlich ebenfalls Inhalte ausstrahlen, schlichtweg weil sie das Geld dafür haben und es ihr Produktportfolio komplettiert.

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