Das Ende der Fashion-Blogger? Frauen vertrauen Gleichgesinnten mehr als Prominenten

Verfasst am 29. September 2015 von .

Ein bekanntes Gesicht hält ein Markenprodukt in die Kamera, worauf sich dieses quasi von selbst verkauft? Diese Zeiten sind schon lange vorbei. In den letzten zehn Jahren gewannen normale Frauen, die sich auf YouTube und auf Blogs einen Namen machten, an immer größeren Einfluss. Dies entging den Marken nicht. Sie bezahlten die Vloggerinnen dafür und stellten die Produkte. Eine neue Form der Werbung war geboren.

Doch nun wackelt auch das Vertrauen in Blogger. Laut einer Studie von SheKnows Media sind Frauen inzwischen auch dieser bekannten Gesichter überdrüssig. Authentische Meinungen in Form von Kundenrezensionen oder in Social Media, von Personen wie sie selbst, werden wieder beliebter. 86 Prozent der befragten Frauen setzen ihr Vertrauen lieber in die Meinungen und Empfehlungen normaler Menschen.

“In the past, women would predominantly turn to bloggers they trusted. But today they are turning to what we refer to as ‘everyday experts’ on YouTube, Pinterest, and Instagram.”

Samantha Skey, CMO von SheKnows Media

YouTube und Facebook statt Blogs

Die befragten Frauen vertrauen also den Meinungen von Experten, die keine verborgenen Interessen haben, die ehrlich, kritisch und authentisch über Produkte urteilen. Die auch mal sagen, dass ein Produkt bei ihnen durchgefallen ist. Mit solchen Menschen von nebenan fühlen sich der Studie zufolge 52 Prozent der Frauen verbunden, während dies bei Marken (12 Prozent) und Prominenten (11 Prozent) deutlich seltener der Fall ist.

Dazu passt auch, dass sich die Shopping-Plattform Miacosa, die mit YouTube Stars auf sich aufmerksam machte, als kein tragfähiges Geschäftsmodell erwies. Der Shop wurde nach einigen Monaten des Versuchens eingestellt.

Die wachsende Skepsis macht sich im Informationsverhalten bemerkbar. Social Media und Plattformen wie Pinterest liegen vorne, wenn es darum geht, sich über Produkte zu informieren. Blogs bilden inzwischen das Schlusslicht der Quellen, von denen sich Kundinnen inspirieren und informieren:

  • 58% YouTube
  • 52% Facebook
  • 50% Pinterest
  • 46% Instagram
  • 36% Blogs

Zum Kleinunternehmen reicht es nicht mehr

Das goldene Zeitalter des Bloggens scheint vorbei zu sein: Blogger haben ihre Aktivitäten heute auf zahlreiche Kanäle aufgefächert, das Bloggen alleine reicht nicht mehr zum Leben. Laut SheKnows erhalten nur 20 Prozent der Blogger jedes Mal eine Provision, wenn sie über ein Produkt sprechen.

War es früher möglich, zum kleinen Medienunternehmen mit eigener Marke zu werden, verfolgen Blogger heute eine komplexere Strategie über zahlreiche Kanäle, um sich eine Marke aufzubauen. Um sich nicht unglaubwürdig zu machen, lassen sich 69 Prozent der Blogger nicht für das Besprechen eines Produktes bezahlen, wenn sie nicht davon überzeugt sind.

Fragwürdige “everyday experts”

Doch mit zunehmender Reichweite sind auch diese “everyday experts” kein unbeschriebenes Blatt mehr. Auch sie werden von Marken angesprochen und sind häufig professioneller organisiert, als es den Anschein erweckt.

Hier stellt sich natürlich die Frage, ob die differenzierte Social Media Strategie nicht dazu dient, die eigene Reichweite zu verschleiern, um weiterhin für klein und authentisch gehalten zu werden.

Nicht wegzureden ist jedenfalls der Befund, dass das goldene Zeitalter der Beauty-Bloggerinnen vorbei ist. Die Vorreiter wie Michele Phan sind längst eigene Marken oder Moderatoren, wie Sami Slimani aus Deutschland. Wer jetzt startet, muss kleinere Brötchen backen. Die Kunden haben genug gesehen und sind sich bewusst, dass auch vermeintliche Amateure mit dem Geld der Hersteller im Hintergrund schnell zu Profis werden.

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