Adblock-Rate gesunken – Zeit, die Korken knallen zu lassen?

Verfasst am 4. Mai 2016 von .

Der “Bitte keine Werbung einwerfen”-Sticker der digitalen Zeit nennt sich Adblocker – egal ob Display-, YouTube- oder sogar Audio-Werbung innerhalb der Spotify-App: Das Plugin für Chrome, Firefox und Co. filtert (fast) alles, was sich Werbung schimpft. Verständlich, gab es doch Zeiten in denen auf manchen Webseiten mehr visueller Overflow und Bewegung herrschte als auf einem Holi-Festival.

Die Werbebranche überlegt schon lange, wie man mit dem unliebsamen Programm umgehen soll. Und so jubelte man, als Mitte April erste Zahlen zur Blockrate für das erste Quartal 2016 einen leicht sinkenden Anteil geblockter Online-Werbung zeigten. Gibt es also Gründe für einen optimistischen Blick in die Zukunft?

OVK-Studie zeigt: Blockrate sinkt

Der Online-Vermarkterkreis (OVK) des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) befragt in regelmäßigen Abständen die eigenen Mitgliedshäuser hinsichtlich nicht ausgelieferter Online-Werbung. Im vierten Quartal 2015 lag die Rate noch bei 21,52 Prozent, sprich bei mehr als einem Fünftel der Page Impressions wurde Werbung geblockt. Nun ist die Blockrate im ersten Quartal 2016 auf 20,09 Prozent gesunken.

Mehr als eine kurze Notiz ist dieser Rückgang allerdings nicht wert, lässt man Faktoren, die ebenso Einfluss auf diese Blockrate besitzen, nicht außer Acht, wie beispielsweise den stetig wachsenden Anteil der Mobile-User. Da der Adblocker größtenteils nur auf dem Desktop-PC Anwendung findet, wird Online-Werbung auf Smartphones und Tablets prinzipiell immer ausgespielt.

Wie mit Adblockern umgehen?

Was also mit Usern tun, die das unliebsame Plugin installiert haben? Die radikale Variante ist der Ausschluss von Adblock-Nutzern von der eigenen Website. BILD.de macht es vor. Leisten können sich sowas allerdings nur Portale, deren Reichweite groß ist und deren Inhalte für den Nutzer so relevant und interessant sind, dass die Deaktivierung des Adblockers nicht schmerzt, bei BILD.de trifft beides zu.

Einen ganz anderen Weg geht die Werbeagentur Jung von Matt. Besucht man die Agentur-Website mit aktiviertem Adblocker, erscheint die Aufforderung, es doch besser zu machen und sich bei Jung von Matt zu bewerben. Recruiting mal anders. Aber gleichzeitig ein Anliegen vieler oder gar aller Konsumenten digitalen Contents: Hört auf mit blinkender, sich bewegender Werbung à la Las Vegas Strip.

Eyeo und Flattr

Mit dem Ausblenden von Online-Werbung ist das Unternehmen hinter AdBlock Plus, Eyeo, aber noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt: Zusammen mit dem Social-Payment-Dienstleister Flattr will man zukünftig die Content-Creator unterstützen. Flattr versucht dies schon seit 2010, zuletzt eher weniger erfolgreich. Dass auf der re:publica vorgestellte Bezahlmodell Flattr Plus soll die Interaktion der Nutzer auf Pages messen. Ein vom User vorher definierter Betrag kommt dann den Autoren/Seiten zu Gute, die besonders viel Aufmerksamkeit einzelner Leser erhalten haben.

Die Kooperation mit Eyeo hilft Flattr dabei, eine höhere Nutzerreichweite zu erreichen – immerhin gibt es 500 Millionen Adblock-Nutzer. Auch Eyeo profitiert von der Zusammenarbeit, soll so doch das in der Medienwelt schlechte Image des Kölner Unternehmens aufpoliert werden. Ob die Spenden die Ausfälle durch ausgeblendete Werbung negieren ist allerdings fraglich.

Die gesunkene Blockrate lässt eher (sehr) verhaltenen Optimismus als Größtes der Gefühle zu. Immerhin versucht sich Eyeo an der Verbesserung des eigenen Images, was vor allem den großen Medienhäusern relativ egal sein sollte.

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Kategorie: Online Marketing


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