Kennenlernen mit Alexa: Der lange Weg zu Akzeptanz und Verständnis |Teil 2

Verfasst am 9. März 2017 von .

Quelle: Amazon

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Begeisterung, Unterhaltung und Unsinn beschreiben unsere ersten Eindrücke im Umgang mit Alexa, Amazons sprachgesteuertem KI-Assistenten in Amazon Echo und Echo Dot, am besten.
 
Nachdem wir uns vergangene Woche mit den operativen Elementen beschäftigt haben, stehen nun Alexas Kommunikations- und Selbstlernfähigkeiten auf dem Prüfstand. Wie smart ist Alexa? Lernt sie aus Fehlern? Ist die Kommunikation mit ihr natürlich und nahtlos?

Obwohl vier von zehn Deutschen smarte Lautsprecher nutzen würden, vor allem um Geräte und Anwendungen zu Hause zu steuern und zu kontrollieren, scheint im Hinblick auf virtuelle Assistenten der Grat zwischen Faszination, Gleichgültigkeit und Nützlichkeit noch immer sehr schmal zu sein. Inwieweit stärken Alexas Fähigkeiten die Annahme sprachgesteuerter künstlicher Intelligenz als wichtigstes Interface?

Wie smart ist Alexa?

Während unseres Tests fragten wir uns oft, wie smart Alexa wirklich ist. Wir konnten der Versuchung nicht widerstehen, ihr knifflige Fragen zu stellen: “Alexa, wie alt bist du?” – “Ich bin seit dem 6. November 2014 verfügbar.” Oder: “Alexa, bist du dumm?” – “Ich lerne fortlaufend und bin beim nächsten Mal sicher besser.”

Ungeachtet dieser Lernbereitschaft stellten wir fest, dass Alexa wieder und wieder die gleichen Fehler macht. Ihre Selbstlernfähigkeit konnte sie damit nicht unter Beweis stellen; stattdessen lernten wir anhand der früheren Erfahrungen, unsere Fragen anders zu formulieren – ziemlich enttäuschend.

Obwohl Alexa uns so einen Eindruck ihrer Stärken und ihren Charakters gab, stieß sie auch an ihre Grenzen. An diesen Einschränkungen sollte bei zukünftigen Upgrades gearbeitet werden, denn die Kluft zwischen Alexa und den Nutzern gilt es noch zu schließen.

Alexas Fähigkeiten können allerdings um neue Skills erweitert werden, von denen einige jedoch eine Account-Verknüpfung erfordern (nervig). Der Skills-Bereich ist eine Art App-Store, der in verschiedene Kategorien unterteilt ist (wie etwa Neuheiten, Essen und Trinken, Lifestyle, Lokales, Musik und Audio, Bildung, Shopping, Games, Humor, Transport oder Smart-Home). Zu jeder dieser Fähigkeiten sind Kundenrezensionen und Leitfragen zu finden, um die Skills optimal nutzen zu können. Entwickler, die neue Skills schreiben, sind gern gesehen. Dadurch ist die Zahl der Fähigkeiten in den letzten Monaten stark gewachsen.

Wie effektiv ist die Kommunikation?

Trotz eines Leitfadens mit Übungsfragen für Alexa und eines Hilfebereichs im App-Menü stellten wir fest, dass wir durch Ausprobieren und Experimentieren mit Wortlaut, Tonfall, Aussprache und Sprechtempo am Ende unsere eigene Art der Verständigung finden mussten.

Wer sich zu umgangssprachlich ausdrückt, sich schlecht artikuliert oder monoton spricht, hört von Alexa höchstwahrscheinlich nichts als “Entschuldigung, auf diese Frage habe ich keine Antwort”. In vielen Fällen muss die Sprache angepasst werden, wodurch die Konversation unnatürlich und umständlich wird.

Obwohl das Spracherkennungssystem wirklich vielversprechend ist, gibt es noch viel Luft nach oben. Zum Beispiel bringt Alexa Verben mit mehreren Bedeutungen durcheinander, wie etwa “spielen” (in Bezug auf Sport oder Musik). So fragt man sie beispielsweise nach den Ergebnissen eines Fußballspiels, worauf sie entgegnet, dass sie dazu nichts in der Musikbibliothek finden könne.

Fazit: Je mehr Übung, umso besser die Verständigung und umso effektiver die Kommunikation (für uns, nicht für sie).

Zudem gibt es einen (weiteren) negativen Aspekt zu erwähnen: Bei kurzen und konkreten Antworten ist Alexa ist zwar durchaus nützlich, sind die Informationen aber zu detailliert und reichhaltig, wird die Konversation sinn- und endlos, sofern man kein Smartphone zur Hand hat, um den geschichtlichen Hintergründen zu folgen.

Fazit: Für eine effektive Sprachkommunikation ist die zusätzliche Hilfestellung über ein Display mehr als notwendig.

Wie geht es weiter?

Das erste Amazon-Echo-Modell muss als Auftakt zu einer Revolution verstanden werden, die erst noch kommen wird. Obwohl sprachgesteuerte Interfaces in Situationen, in denen man seine Aufmerksamkeit auf andere wichtige Dinge wie Autofahren richtet, sicherlich sehr nützlich sein können, werden die sprachgesteuerten virtuellen Assistenten der Zukunft wohl um umfassendere Integrationen, Telefonfunktionen und sogar Touchscreens erweitert, die den Entscheidungs- und Kommunikationsprozess erleichtern und die User so von ihrem Nutzen überzeugen können.

Bis all das aber Wirklichkeit wird, bin ich der Meinung, dass Alexa für die Nutzer zu früh auf den Markt gekommen ist. Eine der ersten Herausforderungen, derer sich Hersteller annehmen müssen, um die Akzeptanz der Verbraucher zu erhöhen, besteht darin, holprige robotisierte Interaktionen in überzeugende Erlebnisse zu verwandeln.

Dementsprechend können bereits komplexere Verbindungen mit smarter Hardware entwickelt werden. Auch Bildschirme werden zukünftig ihren Platz in den virtuellen Assistenten finden, da sie der schnellste und effektivste Weg der Informationsübertragung von Maschine zu Mensch zu sein scheinen. Den ersten Schritt in diese Richtung ist Baidu mit Little Fish gegangen. Wird Amazon bald nachziehen?

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