Amazon im Innovationsrausch: Seit 730 Tagen unfallfrei

Verfasst am 13. Juli 2017 von .

Grafik:Jon Parise

Grafik:Jon Parise

Hätte man mich vor einem Jahr gefragt, welcher Hersteller in Zukunft in Sachen Sprachsteuerung nicht nur von Seiten der Hardware, sondern auch von der Software her, die Nase vorne haben wird, hätte ich sicherlich nicht Amazon gesagt. Google, Apple und Microsoft als alteingesessene Software- und Hardware-Gurus auf dem Weltmarkt schienen mit Siri, Cortana und dem “Assistant” bereits die Nase vorn zu haben.
 
Ganz eindeutig geirrt, schaut man sich die mittlerweile auf 70 Prozent gewachsenen Marktanteile des Amazon Echos im Bereich der sprachgesteuerten Haushaltshilfen an. Seit etwas mehr als einem Jahr sind die große Box beziehungsweise die kleine Schwester “Amazon Dot” erhältlich – zumindest in den USA. Und somit geht die Verwandlung von der E-Commerce-Raupe zum Digital-Schmetterling, der alles erreichen kann, vorerst weiter. Wie konnte Amazon so davon sprinten?

…und plötzlich war Alexa geboren

Google, Microsoft und Apple müssten anhand der hohen Marktanteile Amazons die Hände gegen den Kopf geschlagen haben – wie konnte das nur passieren? Als Online-Buchhändler angefangen, konkurriert es gegen die (bisherigen) Titanen der Software-/Hardware-Industrie. Die “Unfallfreie Tage”-Anzeige bei Amazon dürfte mittlerweile bei ungefähr 770 stehen. So lange ist es her, dass das Fire Phone floppte.

Amazon vermied nach dieser Panne den Fokus alleinig auf den Onlineshop zu legen. Im Gegenteil: Anstatt eine Branche anzugreifen, die bereits von den großen Playern dominiert wird, ging Amazon einen unbeschrittenen Weg: Das sprachgesteuerte Betriebssystem Alexa. Zwar existierten bereits vergleichbare Assistenten, wie beispielsweise Siri, doch waren diese bis dato nur auf den Geräten des jeweiligen Herstellers zugänglich.

Mit Alexa will man, ähnlich wie Windows vor Jahrzehnten, auf unzählige Geräte, wie Autos oder Kühlschränke. Ziel ist eine Monopolstellung: Wer Alexa schon mit Hilfe des Echos/Dots benutzt, der nutzt es auch im Auto oder für die Beleuchtung oder allgemein für die komplette Home Automation oder…

Übrigens: Zum diesjährigen Prime Day wurden Echo-Geräte im “Tausend pro Minute”-Takt verkauft. Das ist doch mal ‘ne herausfordernde Ansage von Amazon.

Amazon – das Paradies?

Wie man Kunden in die Amazon-Abhängigkeit bringt, damit hat das Unternehmen ja bereits durch das Prime-Programm Erfahrung. Erinnert an Sirenen aus der griechischen Mythologie: Mit betörenden Angeboten (Prime Day, Prime Music, Prime Video, etc.) werden Kunden angelockt, die dann selten in der Lage sind die Amazon-Insel wieder zu verlassen. Eine ähnliche Strategie ist wohl auch mit Alexa geplant, was die stetige Ausbreitung auf weitere Geräte beweist.

Und die anderen? Google hat bereits mit dem Google Home nachgezogen. Mit den Aktivierungsworten “Ok, Google” sollten Android-Enthusiasten bereits Erfahrung haben. Das Gerät kann sogar die Stimmen unterschiedlicher Personen erkennen und so beispielsweise für die jeweilige Person wichtige Termine ansagen:

Apple hingegen scheint etwas hinterherzulaufen. Der HomePod, der natürlich mit Siri läuft, soll noch 2017 in den U.S.A, Australien und Großbritannien auf den Markt kommen. Die Besonderheiten? Die gibt es, aber nicht weniger in der Sprachsteuerung, sondern viel mehr in der technischen Ausstattung des Lautsprechers. So soll dieser eine überragende Soundqualität besitzen. Apple legt den Fokus damit mehr auf die Hardware- als auf die Software-Seite. Und Apple-Jünger werden auch preislich nicht enttäuscht: Während der Amazon Echo für 180 Euro und Google Home für 150 Euro erhältlich sind, soll das Apple-Gerät für ungefähr 430 Euro verkauft werden – reine Spekulation, klingt aber realistisch.

Und Microsoft? Auch hier sind ähnliche Produkte in der Entwicklung: HP und Intel arbeiten auf Basis der Cortana-Plattform an Geräten, die eben die Microsoft-Sprachassistentin nutzen und vor allem im Smart Home hilfreich sein sollen.

Nach dem Fire Phone Debakel scheint Amazon sich schon längst rehabilitiert zu haben. Man ist nicht nur Mitläufer sondern Visionär in einem der wichtigsten Zukunftsmärkte. Man kann nun über Amazons endgültigen Sprung in die Wohnzimmer der Kunden begeistert sein. Oder man ist über Google, Apple und Microsoft verwundert, die diese Entwicklung scheinbar auf die zu lange Bank geschoben haben. Die Zukunft wird zeigen, welcher Sprachassistent ein Quasi-Monopol aufbauen kann oder ob sich der Markt ähnlich wie bei mobilen Betriebssystemen (iOS vs. Android) aufteilt.

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