E-Food: Wer kann Amazon Fresh das Wasser reichen?

Verfasst am 27. Juli 2017 von .

E-Food Vergleich

Quelle: picjumbo

Die Ausweitung von Amazons Lieferdienst Amazon Fresh geht rasant voran. Zunächst war der Dienst in Berlin und Potsdam verfügbar. Mittlerweile können auch Prime-Mitglieder aus ganz Hamburg ihren Wocheneinkauf nun bequem von zuhause aus erledigen.

Der Markteintritt Amazons in den deutschen E-Food-Markt war abzusehen. Wir haben bereits vor einiger Zeit das Potential des Online-Lebensmittelhandels beleuchtet.

Die meisten der deutschen Supermärkte und Discounter haben auf die eine oder andere Weise den Sprung in den E-Food-Markt gewagt, nicht zuletzt um Amazon Fresh entgegenzuwirken. Ein guter Zeitpunkt also, um zu evaluieren, was sich im E-Food-Markt getan hat und wer tatsächlich das Potenzial hat gegen den US-Konzern zu bestehen.

Deutsche Supermärkte im Vergleich

E-Food: Supermärkte im Vergleich zu Amazon Fresh

E-Food: Supermärkte im Vergleich zu Amazon Fresh

Im Vergleich kann Amazon mit dem größten Sortiment sowie den breitesten Lieferzeiten aufwarten. Laut dem Vergleichsportal günstiger.de sind hier die Produkte allerdings um einiges günstiger. Der Dienst ist jedoch nur für Amazon Prime Mitglieder verfügbar. Zu den monatlichen Kosten von 9,99 Euro kommen also noch die jährlichen Kosten für die Prime-Mitgliedschaft von 69 Euro. Des rechnet sich nur dann, wenn man jeglichen Einkauf online abwickelt.

Bringmeister folgt dem Beispiel aus den USA

Bringmeister, welches seit Januar diesen Jahres zum EDEKA-Verbund gehört, orientiert sich wohl am ehesten am Vorbild Amazon Fresh. Das Bringmeister-Sortiment umfasst neben zahlreichen Markenprodukten auch die vollständige Eigenmarken-Produktpalette von EDEKA. Mit rund 13.000 angebotenen Produkten kommt Bringmeister auch am nächsten an Amazon heran, auch wenn der Abstand zu den dort angebotenen 300.000 Produkten wohl schwer einzuholen ist.

REWE setzt auf Content-Commerce

REWE kann im Vergleich mit der größten Verfügbarkeit aufwarten. In ganzen 75 Städten ist der Dienst bereits nutzbar. Leider gibt es hier erst ab 120 Euro eine kostenfreie Lieferung. REWE hat jedoch erst kürzlich die „Lieferflat VIP“ gestartet, bei der man für einen gewissen Monatspreis kostenlos beliefert wird. Das lohnt sich natürlich nur wenn man mindestens zwei Mal im Monat bestellt. Im Gegensatz zur Konkurrenz hebt sich REWE auch durch sehr gutes Content-Marketing ab. Auf der Webseite werden im Bereich REWE Deine Küche tägliche neue Rezepte präsentiert, die Zutaten können direkt aus dem Rezept bestellt werden. Somit bietet der Supermarkt einen zusätzlichen Service für seine Kunden.

Kaufland hatte zum Start seines Online-Dienstes Kaufland bringt’s in Berlin auf Abholboxen gesetzt. Diese Alternative für Selbstabholer wurde von Kunden allerdings eher zögerlich angenommen, weshalb Kaufland bereits zurückruderte und die Abholzeiten verkürzte.

Discounter verfolgen eine andere Strategie

E-Food: Deutsche Discounter im Vergleich

E-Food: Deutsche Discounter im Vergleich

Die Discounter Edeka, Lidl und Netto schneiden im Vergleich recht ähnlich ab. Alle drei setzen in ihren Online-Shops auf haltbare Lebensmittel, Haushaltsgegenstände und Drogerieartikel. Frisches Obst und Gemüse gibt es im Sortiment nicht. Dafür kann man sich die Bestellung via DHL in ganz Deutschland ausliefern lassen. Das bedeutet natürlich auch, dass das Paket, wie bei einer normalen Bestellung, einige Werktage braucht.

Ein deutliches Zeichen dafür, dass Amazon Fresh auch die deutschen Discounter nervös macht, setzte Lidl jüngst mit seiner Drohung: Manager und Markenhersteller müssten mit Sanktionen seitens des Discounters rechnen, sollten sie mit Amazon kooperieren. Ob das der richtige Weg ist gegen die Konkurrenz zu bestehen?

Obwohl ALDI der beliebteste Discounter in Deutschland ist, ist dort der Lebensmittelversand noch nicht im Programm. Allerdings testet das Unternehmen mit ALDI liefert einen neuen Lieferservice. Dieser ist bisher zwar auf ausgewählte Aktionsartikel beschränkt, die in der Filiale bezahlt werden müssen, erlaubt dem Discounter jedoch einen ersten Testballon für spätere E-Commerce-Aktivitäten.

E-Food-Branche: Fazit

Teilweise gibt es große Unterschiede, was die Verfügbarkeit der Online-Lieferdienste angeht. Während Edeka, Netto und Lidl in ganz Deutschland Lebensmittel ausliefern, beschränkt sich das Angebot von Amazon, Kaufland und Bringmeister auf einzelne Großstädte. Auch der Lieferdienst von Rewe ist nicht überall in Deutschland verfügbar, wenn auch mit 75 Städten weitaus flächendeckender.

Deutlich werden die Unterschiede vor allem im Online-Sortiment. Während die Discounter in ihren Shops eher auf Haushaltsgegenstände, Drogerieartikel oder länger haltbare Lebensmittel setzen, sind bei Amazon Fresh, Rewe und Bringmeister frische Lebensmittel im Sortiment. Wirklich den alltäglichen Gang zum Supermarkt ersetzen daher nur letztere.

Es wird sich zeigen, wer im umkämpften E-Food-Markt gegen Amazon bestehen kann. Der Konzern ist es schließlich gewohnt, einen harten Preiskampf zu fahren und dafür jahrelange Verluste hinzunehmen, um ein Geschäft aufzubauen. Aus meiner Sicht hat REWE hier sehr gute Chancen. Durch die hohe Verfügbarkeit und Zusatzangebote in Form von Rezepten und Infos hebt sich das Unternehmen von der Konkurrenz ab und ist gut aufgestellt, um gegen die Wettbewerber zu bestehen.

E-Food zeigt es – auch hartnäckig stationäre Branchen werden digital

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3 Reaktionen zu “E-Food: Wer kann Amazon Fresh das Wasser reichen?”

  1. Basti

    Am 28. Juli 2017 um 08:16 Uhr

    Insbesondere die Daten der Vergleichstabelle zeigen, welchen Stellenwert Amazon mittlerweile hat. Ich denke, die Reise dieses E-Commerce Giganten ist noch längst nicht zu Ende und es wird noch einiges kommen. Mitterweile werden meine Pakete sogar von “Amazon Logistics” geliefert.

  2. Paul König

    Am 28. Juli 2017 um 13:11 Uhr

    Klasse Beitrag!

  3. Matze

    Am 28. Juli 2017 um 13:25 Uhr

    Da die anderen Einkaufsladen mitziehen und auch Lieferservice und Bringdienst anbieten, frage ich mich ob Amazon damit wirklich erfolgreich hier in Deutschland werden kann. Der normale Einkauf ist doch auch oft eine Option zu entspannen und zuhause rauszukommen.

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