Eine rege Diskussionswelle, die von Jochen Krisch auf Exciting Commerce losgetreten wurde, ist im vergangenen Monat entstanden, als Paul Marsden den Begriff Social Commerce neu definierte und auch prompt den Eintrag zu seinen Gunsten auf Wikipedia abänderte.
Neben dem Kritikpunkt PR in eigener Sache unter dem Deckmantel von Wissenschaftlichkeit, gab es in der Diskussion noch eine andere Komponente.
Auf der einen Seite steht Madsens Definition, die sehr auf die medientechnischen und ökonomischen Bedingungen ausgelegt ist. Auf der anderen Seite steht der Mensch, der nicht nur Mittel zum Zweck ist, sonder aktiv daran beteiligt ist, ob ein Produkt angenommen wird oder nicht.
“Mit Mobile Couponing kann der stationäre Einzelhandel erstmalig aus den Entwicklungen der Internetwirtschaft Nutzen ziehen”
Mit dem Smartphone kann bereits jetzt schon die Schnäppchenjagd beginnen. Nutzer können bequem mit den dafür vorgesehenen Apps von ihrem Standort aus lokalisieren, wo sich die besten Angebote befinden. Einer dieser Anbieter ist das Kölner Unternehmen COUPIES. Tom Engel, Mitgründer und Verantwortlicher für Sales, Marketing und PR, hat uns zu dem neuen Konzept einige Fragen beantwortet.
Was glauben Sie ist der Vorteil von mobilen Coupons gegenüber herkömmlichen Papiercoupons?
Mobile Coupons bieten den Konsumenten sowie den Unternehmen, die mit ihnen werben, Vorteile. Der Nutzer kann sich immer aktuell über das in seiner jeweiligen Umgebung verfügbare Angebot an Rabatt-Aktionen informieren und die angebotenen Coupons gleich mit seinem Handy einlösen – abgelaufene oder vergessene Rabatt-Marken gehören so der Vergangenheit an. Die Unternehmen haben mit Mobile-Couponing erstmalig ein Tool in der Hand, mit dem sie günstiger, schneller und individueller neue Kunden ansprechen können. weiter »
Momentan wird auf dem deutschen Markt in Sachen Onlinewerbung noch um Marktanteile gestritten. (AD Audience hat sich gegen Googles Vormachtstellung zusammengeschlossen und wunderloop soll aus der Insolvenz gerettet werden) Auf dem US-Markt hingegen sieht es in Bezug auf neue Entwicklungen, wie nicht anders zu erwarten, etwas lebhafter aus. Die Partizipation von Internetnutzern an wirtschaftlichen Prozessen bezieht sich nun nicht mehr nur vorwiegend auf das Bewerten von Produkten. Künftig soll bei dem Besuch von Webseiten entschieden werden können, ob Werbung angezeigt wird, die auf das Nutzerverhalten zugeschnitten wurde.
Diesen Service bietet Better Advertising an. Auf den Werbebannern ihrer Kunden ist die Implementierung des Features „Power Eye“ geplant. Wenn Internetnutzer mit ihrer Maus das Symbol anklicken, wird ihnen angezeigt, woher die Daten stammen, die für die Schaltung der Werbung eingesetzt wurden. Zudem gibt es über das Symbol eine opt-out-Funktion, die es ermöglicht die an dem Nutzerverhalten orientierte Werbung zu unterbinden. So werden nur noch Anzeigen gezeigt, die sich nicht an Daten der Nutzer orientieren.
Diese Möglichkeit bieten zwar auch Google und Yahoo, jedoch ist sie nicht direkt auf den Werbebannern eingebunden. Nutzer müssen sich erst durch die Seiten der Anbieter durchklicken, um das Targeting abzustellen. Momentan wird “Power Eye” unter anderem von Microsoft und American Express eingesetzt.
Auf den ersten Blick klingt das Vorhaben von Better Advertising etwas illusorisch und gegen das Prinzip des Targetings gerichtet. – Denn warum sollten Nutzer nicht die opt-out-Funktion nutzen, um Werbung zu unterbinden. Dagegen ist anzuführen, dass eine höhere Transparenz eventuell mehr Vertrauen in das Unternehmen ermöglicht. So führt Better Advertising Gründer Scott Meyer an:
We know for a fact: When companies are transparent in their disclosure, consumers tend to opt out less – not more.
Zu Bedenken hinsichtlich des Themas Vertrauen ist aber dennoch, dass Nutzer das Targeting erst abstellen können, wenn es bereits zum Einsatz kam.
Zurzeit sieht es noch ruhig aus inmitten der Schlacht der Group-Buying-Anbieter. Ein weiterer Kampf könnte jedoch bald folgen. Mittlerweile gibt es über 15 Anbieter auf dem deutschen Markt und es werden immer mehr. Der Streit wird sich wahrscheinlich nun nicht mehr nur um die Anzahl und das Jagen der immer mehr werdenden Dealscouts nach Angeboten drehen, sondern um das cleverste Konzept. Momentan nehmen sich die neuen Anbieter nicht viel. Für Konsumenten fruchtet der Streit jedoch weiterhin. Immer mehr Angebote werden erhältlich sein und mit Dealmob hat sich bereits der erste Sammeldienst dafür etabliert. Auf der Seite der Anbieter kann der Streit jedoch noch anstrengender werden.
Die Anbieter unterscheiden sich kaum noch in ihrem Konzept.
Was zählt, ist also eine neue Idee. Und die scheint gerade im “Land der Ideen” zu fehlen. Es sei denn, man versucht es mit einem außergewöhnlichem Design, außergewöhnlichen Angeboten oder einer außergewöhnlichen Sprache.
Lukasz Gadowski gibt zu bedenken, dass in Deutschland keine solche Coupon-Kultur herrscht wie in den USA, dem Heimatmarkt von Groupon. Hinzu kommt, dass ein unglaublicher Akquise-Aufwand notwendig ist und Akquise ist bekanntlich teuer. Vor allem wenn es darum geht, dass extrem ausgeprägtes lokales Knowhow gefragt ist, will man die 25 größten Städte in Deutschland bedienen.
Die behauptete Ideenlosigkeit ist in der momentanen Lage zu hoch gegriffen. Vielleicht ist dies nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm und einer der Group-Buying-Anbieter hat bereits ein durchschlagendes Konzept in der Hinterhand, mit dem er im Kampf seine Konkurrenz ausstechen wird?
Auf seiner Entwicklerkonferenz Google I/O stellte der Internetkonzern diesen Monat erstmals die neuste Innovation des Hauses „Google TV“ vor. Kurz zu den wichtigsten Fakten: Die Neuentwicklung fusioniert das Internet mit dem herkömmlichen Fernseher. Als Betriebssystem fungiert Android, das durch die Smartphones an Bekanntheit erlangte. Google TV soll das herkömmliche Fernsehangebot nicht ersetzen, sondern kann komplementär genutzt werden. Über den Webbrowser Chrome können Inhalte aus dem Internet gesucht und über den Fernseher gestreamt werden. In den USA soll die Anwendung über eine Set-Top-Box mit dem Fernsehgerät verbunden werden, eine Stand-Alone-Lösung, ohne die Verwendung einer Box, wird folgen. Vorerst werden beide Geräte auf dem US-Markt erhältlich sein. Die wichtigsten Funktionen hat Google in einem Video zusammengefasst:
“If the web is so smart, and our TVs are so fun to watch, why do we have to choose? Why can´t they work together? Well now they can. Indroducing Google TV. “
Die zentrale Frage, dessen Antwort Google TV sein soll, muss, wie alle Innovationen, kritisch unter die Lupe genommen werden. Einige befürchten einen großen Konkurrenzkampf zwischen dem Suchmaschinenmogul und dem Gerüchten zufolge geplanten Apple TV.Eine andere kritische Meinung ist, dass sich der Erfolg nur dann einstellt, wenn es möglich ist auch Android Smartphone Applikationen zu integrieren. Um dem noch eins draufzusetzen, stellt sich weiterhin die Frage, wie lässt dich Google TV auf dem Markt integrieren? Die Vorteile werden eingehend in dem Produktvideo beschrieben: Webinhalte können auch auf einem größeren Bildschirm dargestellt werden und der Zuschauer ist nicht mehr abhängig von Sendezeiten. Letzeres kann nur relativ behauptet werden. Serien können in der Regel nur für einen begrenzten Zeitraum über das Onlineangebot der Fernsehanstalten angesehen werden. Andere Optionen Serien oder Filme zu sehen, sind entweder kostenpflichtig, illegal oder befinden sich in einer rechtlichen Grauzone. Zudem: Warum sollte jemand Onlineinhalte auf dem Fernseher nutzen, wenn dafür erst eine Box installiert werden muss? Reicht das Argument „größerer Bildschirm“ aus? Natürlich ist dies eine sehr subjektive Sichtweise und eigentlich auch kein Einwand gegen Google TV. Offensichtlich ist jedoch: Der Konzern möchte sich auf einem Markt, der zukunftsträchtig ist, sehr früh schon Marktanteile sichern. Könnte Google TV vielleicht eine Alternative zu PayTV oder digitalem Fernsehen werden? Vielleicht wird fast jeder in naher Zukunft nur noch ein Gerät für Internet und TV besitzen. Diese Option ist bei Google schon realisierbar und auch Systeme anderer Anbieter sind schon auf dem Markt. Wie der Markt für Fernsehangebote sich entwickeln wird, ist noch nicht hundertprozentig absehbar. Dennoch könnte sich Google, selbst wenn das Konzept zuerst nicht aufgehen mag, langfristig gesehen ein Erfolg sichern.
Nochmal kurz zur Erinnerung: Durch ein Multichannelmarketing wird versucht Endkunden über verschiedene Wege zu erreichen – in der Regel sind dies Vertriebs, Leistungs oder Kommunikationskanäle. Diese Strategie kann vorteilhaft sein, um zum Beispiel neue Kundengruppen zu erschließen oder bestehenden Kunden mehr Komfort bei ihrer Bestellung zu bieten. Eines der Hauptproblemfelder des Multichannelmarketings ist die Kannibalisierung, bei der ein Unternehmen mit sich selbst konkurriert, weil ein Kanal mehr genutzt wird, als ein anderer. Aus Vorsicht wählten Unternehmen eine „ausgewogene Mehrkanalstrategie“, bei der jeder Weg dem anderen nicht entgegensteht. Der Onlinehandel wurde dabei weitestgehend vernachlässigt. Die ernüchternde Erkenntnis folgte: Laut dem Schweizer E-Commerce Report 2010 der Fachhochschule Nordwestschweiz wurde gerade diese Strategie als Wachstumsbremse entlarvt.
„Einige der betroffenen Firmen stehen mitten in äusserst anspruchsvollen Neupositionierungen. Sie nehmen jetzt eine gewisse Selbstkannibalisierung in Kauf und versuchen, die verschiedenen Verkaufskanäle so aufeinander abzustimmen, dass durch ein vorteilhaftes Zusammenspiel das Leistungsniveau insgesamt erhöht werden kann.”
Eine Strategie in Richtung des Kanals, der sich in einem Wachstumsmarkt befindet, ist hier entscheidend für den Erfolg. Diesen Sinneswandel beschreibt auch Jochen Krisch in einem seiner neusten Blogeinträge mit der Hoffnung darauf, dass dieser anhält. Die Frage ist natürlich immer noch, ob ein Multichanneling sinnvoll ist und wenn ja, wie die Kanäle miteinander kombiniert werden. Einige positive Beispiele aus Deutschland gibt es bereits, so wie Tchibo oder die Supermarktkette Plus, die das E-Commerce-Potential ausnutzen. Das Onlineangebot deckt sich hier nicht hundertprozentig mit dem stationären Handel. Die Käufer können aus einer breiten Produktpalette wählen, die nicht in vollem Umfang in den Filialen erhältlich ist. Das Angebot stellt hier eine Erweiterung des stationären Sortiments dar, weshalb der Kanibalisierungseffekt wohl eher gering ausfällt. Zu hoffen bleibt aber dennoch, dass dieser generelle Wandel nicht nur hauptsächlich den befragten Schweizer Unternehmen vorbehalten bleibt.