Archiv der Kategorie 'Cross Media'

Wenn Macher reden und vergessen zu machen

Verfasst am 20. August 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Es ist ja immer noch ein himmelweiter Unterschied, ob man über bestimmte Entwicklungen oder Trends berichtet, sie verkündet oder ob man zu ihnen etwas beiträgt. Aus der Verkündung sind verschiedene selbsternannte Experten auferstanden, bei denen niemand so recht weiß, wo sie her kommen und woher sie ihre Skills haben. Das hat dazu geführt, dass die Begrifflichkeit „Social Media“ bei vielen mittlerweile nur noch Gähnen oder Augenrollen auslöst. Der ständigen Verkündung von Hype und der Redundanz zum Dank.

Und irgendwie bleibt da ein fader Beigeschmack, wenn man solche Dinge liest. Inhaltlich ist der Artikel von Don Alphonso auf so manch anderes Feld übertragbar. Mein persönliches Zitat der Woche und Prototyp der Bizz-Wahrheit lautet:

Es gibt da meines Erachtens einen ziemlich deutlichen Zusammenhang zwischen Grossmäuligkeit, den Medienwandel zu verkünden, und der Unfähigkeit, jenseits der Verkündung etwas dazu beizutragen. Es sind genau genommen keine Experten für den Medienwandel, sondern Experten für Medienwandelausrufung.“

Das Wort „Medien“ kann in diesem Zitat gerne durch andere Buzzwords ausgetauscht werden. Für mehr Mut plädieren schon viele Seiten und ich bin mir sicher, dass unter vielen Dächern auch bereits getüftelt wird. Aber bis es soweit ist, sind verbale Tritte in den Hintern, wie vom Don Alphonso, mehr als erwünscht. Zwar nicht gerne gesehen oder gerne gehört, aber so ist das nun mal mit der Wahrheit:

Nicht nur ankündigen. Sondern auch umsetzen. Reich werden. Imperien errichten, auf den Trümmern derer, die es nicht konnten. Oder glaubten, es reiche schon, wenn man sich gute Geschichtenerzähler einkauft. Oder dem Irrglauben anhingen, es käme allein auf die Qualität an, dann kämen die richtigen Leser schon alleine, solange nicht nur über das Netz geschwafelt wird.

Na los, Ihr Könner. Zeigt mal, wie das geht.“

I wear your Shirt: Von einer tollen Idee zum Social Marketing in der Praxis

Verfasst am 17. August 2009 von Sebastian (Handelskraft).

iwearyourshirtEs ist doch so einfach. Manchmal führen die naheliegenden und schlichten Ideen zu Ruhm. Wie die Idee von Jason Sadler, die ich letztens bei Leander Wattig aufgelesen habe. Es hätte jedermanns Idee sein können. War es aber nicht. Dafür hat Herr Sadler jetzt einen vollen Terminkalender und eine volle Brieftasche.

Seine Idee: I wear your shirt.

Sein Plan: Jeden Tag trägt er für ein Unternehmen ein neues Shirt mit Werbung bedruckt. Das gesamte Jahr lang, sprich 365-mal. Am ersten Tag bezahlt das Unternehmen für die wandelnde Werbetafel aus Fleisch und Blut einen einzigen Dollar. Am zweiten Tag zwei Dollar. Und so weiter und sofort. Am 365. Tag kostet diese Form der Werbung für ein Unternehmen eben 365 Dollar. Das sind im Jahr knapp 70000 Dollar.

Und damit das Unternehmen auch wirklich was davon hat, filmt und fotografiert Jason Sadler sich mit den Shirts selber und verbreitet diese in allen gängigen großen Kanälen des Social Webs. Das ist quasi ein praxisorientierter Social-Media-Consultant, der eine witzige Idee zu einem interessanten und anscheinend auch sehr lukrativen und attraktiven Geschäftsmodell umgesetzt hat. 2009 ist Jason Sadler jedenfalls komplett ausgebucht, ebenfalls bis Mai 2010. Schade, dass der Herr sich nicht klonen lässt (um mal schreiend mit einem übergroßen roten Zaunpfahl zu winken).

iwearyourshirt2

Diese Form der Werbung ist wirklich äußerst angenehm, die Idee verblüfft gerade wegen der simplen Struktur. Ich kann mir so eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und aktiven Usern im Netz durchaus vorstellen, zumal diese Idee an sich ja keine Neugeburt ist. Natürlich fällt dieses Geschäftsmodell unter Spielereien. Diese scheint aber zumindest zu funktionieren, sehr gut sogar. Die Unternehmen haben einen Akteur im Social Web, der die Werbepenetration auf angenehmen Level hält, und der Akteur wird scheinbar nur am Anfang seiner Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmen über den Tisch gezogen. Ein Unternehmen kann sich so verspielter und wesentlich moderner und attraktiver darstellen, ohne heucheln zu müssen. Das ist in der Tat sehr attraktiv für mehrere Seiten.

Sadler Idee kann man genauso gut als den ausgereckten Mittelfinger sehen, welcher der stotternden Werbebranche gewidmet ist. Das macht ihn ein Stück weit sympathischer als es mit der Idee ohnehin schon ist.

Die Schattenseite ist jedoch, dass so eine clevere Idee nie lange warten muss, bis die ersten Trittbrettfahrer aufgesprungen sind. Und die sind wie Fliegen, wenn einmal ein Meinungsmacher sagt: „Joa, das ist trendy und fancy“.

Und dass dann das Zeitalter wandelnder Werbetafeln anbrechen könnte, jagt mir einen Schauer über den Rücken. Sicher, Werbung lässt sich im Bezug auf Textilien sehr ansprechend visualisieren, aber das tut der potentiellen Reizüberflutung keinen Abbruch.

An besten ich genieße die Idee noch solange, bis ich in einem Jahr Augenbluten auf der Straße bekomme. Und wer weiß, vielleicht ist die Idee ja auch lediglich für die Web-Bevölkerung und nicht für die Straße. Das ist für Unternehmen eine attraktive Zielgruppe, aber auch eine kritische.

Vodafone: Die Scheinheiligkeit der “Generation Überfordert”

Verfasst am 13. Juli 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Was es bedeutet, präventiv Paranoia zu betreiben, kann man derzeit an Vodafone beobachten: Der Versuch einer Neufindung/Neudefinition.
Es wirkt wie eine Midlife-Crisis, diese 200 Millionen teure Web-2.0-Kampagne. Und irgendwie ist diese Midlife-Crisis für jeden spürbar. Ich bin äußerst irritiert und teilweise auch sehr unsicher, wie ich mit diesem gewaltigen Aufbäumen der „Generation Überfordert” umzugehen habe. Es liegt zurzeit sehr nahe, mich dem Spott, der sich in den letzten Tagen über diese Kampagne ausgekippt hat, anzuschließen.

Gehöre ich zur „Generation Upload”?

Mein Unmut fängt bereits bei dieser Bezeichnung an. Darin spiegelt sich der Versuch wieder, etwas Großes und Gewaltiges auf den Punkt zu bringen, kompakt, so wie es der Marketing-Stratege gerne sieht. Ich bin Content-Lieferant. Die Frage ist jetzt, ob diese Kampagne darauf abzielt, mir als Lieferant die Hand zu geben.

Wenn das so sein soll, dann hat es nicht funktioniert. Dass diese Kampagne an die „Generation Upload” gerichtet sein soll, kann ich wirklich kaum glauben. Wieso läuft sie im Fernsehen? Und wieso taucht Sascha Lobo darin auf? Ist dem Umternehmen Vodafone oder der Werbeagentur Scholz & Friends (ausführende Agentur) nicht bekannt, dass Fancy-Lobo sehr unterschiedlich im Netz unter Bloggern diskutiert wird? Ihn an die Spitze der Blogger zu setzen („Bekanntester Blogger Deutschlands”) bedeutet den anderen Menschen, die diese Kampagne konsumieren (müssen) – denn darum dreht es sich letztendlich doch – die Blogger mit einem Typen zu präsentieren, der viel verspricht, aber einigen dieser Versprechen wenig Taten folgen lässt.

Das ist verstörend.

Des Weiteren: Vodafone ist vor der Familienministerin van der Leyen und ihrem Vorschlag zum Aufbau einer „Struktur” gegen Kinderpornographie im Netz auf die Knie gefallen. Unter Bloggern keimt so langsam wieder das Interesse auf, sich aktiv gegen Dinge zu stellen, die zwei Seiten haben. Insbesondere das sensible Thema der Netzsperre hat sich viele Feinde gemacht. In der Generation Upload. So ist es nicht verwunderlich, dass vor allem Blogger (der sprechende Teil eurer Generation Upload, liebes Vodafone) dieser Kampagne extrem negativ begegnen. Diese Kampagne richtet sich doch an diese, oder?

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Ich finde, dass diese Kampagne schlecht zu verstehen ist. Ich weiß nicht, an wen sie sich wirklich richten soll. Und ich glaube, dass trotz guter Ideen, die Motivation falsch war, die Umsetzung auf einer falschen Basis steht und ob es sich hierbei nicht um Scheinheiligkeit handelt. Oder schlichtweg: das Unvermögen seine Zielgruppe zu verstehen bzw. ihr gar nicht wirklich zuzuhören. Das hat man bereits auf der Pressekonferenz mitbekommen.

Im Prinzip hat man sich allen neuen Kommunkationskanälen angenommen (Twitter, Facebook, studiVZ, Myspace, etc.). Eine Überpräsenz, ohne wirklich zu verstehen, dass die meisten solche Kanäle für Werbung kaum geeignet sind, weil sie von den Nutzern dafür kaum genutzt werden (wollen). Soll ich mich mit Vodafone auf Facebook anfreunden? Markenidentifizierung? Oder ist man da, um zuzuhören? Das ganze mutet seltsam an und ich kann Mark Pohlmann nur zustimmen, wenn er schreibt:

„Während im Prinzip die digitalen Kanäle richtig integriert und eingesetzt wurden und der reibungslose Ablauf  Standards setzt, wurden Fehler gemacht, die sich in einem Kernvorwurf zusammenfassen lassen: Vodafone skandiert den offenen Dialog, simuliert ihn dann aber als werbliche Fassade.”

Diese Kampagne wird funktionieren, ganz sicher. Allerdings wird sie in die Annalen, der am meisten Verspotteten eingehen, woran Vodafone selbst nicht ganz unschuldig ist. „Es ist deine Zeit” ist ein Paket voller Verständnisfehler, die – wie Themenblog richtig feststellt – an einem verheerenden Knotenpunkt ihren Höhepunkt findet:

Eine Kampagne zur Nachricht aufzubauschen, ohne dem Volke das zu geben, nach dem es verlangt: Produkte, die dem Gesagten Taten folgen lassen. Lieber beließ man das Medium selbst als Botschaft. Das “Ankommen im Web 2.0″ wird nicht als Aufbruch verstanden, sondern schon als Ergebnis zelebriert.

War diese Kampagne nutzlos, waren die 200 Millionen umsonst investiert im Bezug auf die eigentlich gewünschte Zielgruppe? Nein. Dieser Schritt Vodafones zeigt, wie schwer es große Unternehmen haben werden, wenn sie sich als „Versteher” präsentieren. Anstatt kluge Köpfe aus der „Generation Upload” im Unternehmen zu beschäftigen, simuliert man eine Fassade, die vorgibt so etwas zu tun. Ich sehe dahinter nichts, was fresh ist. Ich sehe eine taube und anscheinend auch stumme Marketingabteilung. Hat man auf die Kritik reagiert? Kaum. Der übliche Toleranzanschein wird kommuniziert, man freue sich über das viele Feedback.

Ja, liebes Vodafone, es ist tatsächlich unsere Zeit. Blanke Ironie, dass ihr euren Slogan jetzt so schmerzlich zu spüren bekommt, von denen, denen ihr euch vor der Presse als Partner angeboten habt.

Kann der E-Commerce von Twitter profitieren?

Verfasst am 29. Juni 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Die Online-Marketing- und E-Commerce-Analysten von Hitwise haben den Twitter-Traffic untersucht und sind zu einigen erwähnungswürdigen Ergebnissen gekommen (die Untersuchung beschränkt sich auf den Raum Großbritannien). Welche Bereiche profitieren besonders von Twitter als Traffic-Quelle? Nun, besonders viel Traffic fällt auf Unterhaltungsseiten (Entertainment), soziale Netzwerke und Nachrichtenseiten (News & Media) ab, mehr noch als über Google. In Großbritannien liegt Twitter mittlerweile auf Platz 30 der größten Trafficlieferanten, so berichtet heute auch das t3n-Magazin:

Veranschaulicht ausgedrückt kam einer von 350 Besuchern einer ‚typischen’ Webseite von Twitter. Zu diesen ‚typischen’ Webseiten gehören vor allem andere Social Networks, Blogs, sowie Nachrichten- und Unterhaltungsseiten.

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Onlineshops hingegen profitieren trotz immenser Wachstumszahlen des Microblogging-Dienstes kaum von Twitter. Während 55,9 Prozent des bei Twitter ausgehenden Traffics auf die drei führenden Kategorien (Entertainment, Social Networks, News & Media) abfällt, kommt der E-Commerce nur auf 9,5 Prozent. So sieht es zumindest in Großbritannien aus. Es ist anzunehmen, dass diese Analyse (und diese Zahlen) zumindest eine grobe Ähnlichkeit mit der deutschen Twitter-Traffic-Verteilung haben müsste.

Das t3n-Magazin ist der Ansicht, dass der E-Commerce den Twitter-Trend verschlafen bzw. unterschätzt hat. Ich weiß nicht, ob ich dieser Einschätzung zustimmen kann. Besonders Dell als Beispiel anzubringen, dass man auch den Vertrieb via Twitter ankurbeln kann, halte ich für fragwürdig. Wie bereits berichtet, hat Dell zwar drei Millionen via Twitter „umgesetzt”, jedoch summiert sich dieser Umsatz aus zwei Jahren (das letzte halbe Jahr besonders) und insgesamt 34 verschiedenen Dell-Twitter-Accounts.

Um via Twitter Umsätze zu generieren, benötigt eine Marke Fans oder Interessenten. Diese auf Twitter zu generieren, ist eine schwierige Aufgabe. Dass Dell schon ein kleines bisschen Umsatz generiert hat, zeigt auch wie schwer dieses Unterfangen ist. Dell ist eine bekannte Marke, wie sollen sich kleinere oder mittlere Onlineshops hingegen positionieren?

Wie versammelt ein Unternehmen Kunden um sich herum? Sind Twitterer überhaupt eine geeignete Zielgruppe? Es ist doch anzunehmen, dass die meisten auch online einkaufen. Ich sehe das nicht so, dass der E-Commerce diese Entwicklung verschläft oder unterschätzt. Twitter ist als Plattform einfach noch nicht flexibel genug. Es ist noch viel zu früh, auf große Umsätze via Twitter zu hoffen.

Des Weiteren haben sich Onlineshops auch bereits in Social Networks eingeklingt, beispielsweise Brands4Friends bei studiVZ. E-Commerce ist besser in Social Networks aufgestellt, als die britische Analyse vermuten lässt.
In einem Punkt, stimme ich t3n zu:

In der nahen Zukunft werden wir sicher vermehrt Versuche aus dem E-Commerce sehen, die darauf abzielen, via Twitter Umsätze oder in einem ersten Schritt Besucherzahlen zu generieren.”

Wie? Das bleibt beim derzeitigen technischen Stand noch unmöglich bzw. kaum messbar. Ja, man kann möglicherweise Kunden mit exklusiven Angeboten locken, die beipielsweise nicht auf dem Onlineshop einsehbar sind. Aber auch hier kann sich das Gleichgewicht schnell negativ verlagern. Und seinen Vertrieb auf Twitter umzustellen, halte ich derzeit für sehr unvernünftig.

Das nächste große Ding im Web

Verfasst am 4. Juni 2009 von Sebastian (Handelskraft).

„Große Dinger”, an denen sich die Masse orientieren möchte; die die Masse verfolgen möchte: Es war immer so. Die „großen Dinger” werden alt, neue Bedürfnisse entstehen und wollen bedient werden. Wir wollen und brauchen „das nächste große Ding”, das unsere virtuelle Organisation, Denk- und Bewegungsstrukturen neu designt, ihnen einen Aktions- und Interaktionsraum bietet.

Gestern gab es einen wirklich interessanten Denkanstoß von Leander Watting. In einem Beitrag hat sich der Autor der Sehnsucht nach dem „Next Big Thing” angenommen. Wattig erörtert sehr schlüssig, dass nach unzähligen öffentlichen Verhandlungen über die Großen wie Google, Facebook und Twitter neue Kandidaten zwar schon parat stehen und diskutiert werden, wie Wolfram Alpha, Bing und Google Wave, das große nächste Ding aber woanders zu suchen ist: Die Informationsbewertung.

Wieso? Wattig spinnt einen interessanten Gedanken zusammen:

Die Kosten der Informationsaussendung sind für den Sender dank des Internets und der digitalen Technik auf quasi Null gesunken. Daher erleben wir diese enorme Informationsflut. Die höchsten Kosten liegen daher heute beim Informationsempfänger, der vor der momentan kaum lösbaren Aufgabe steht, das für ihn Relevante aus der Informationsflut fischen zu müssen.

Seine Annahme, dass gerade ein Markt entsteht bzw. entstehen wird, in dem sich Unternehmen der Relevanzbewertung von Informationen annehmen, klingt wirklich logisch. Nur nach welchen Kriterien?

twitterBei Twitter ist es die Zeit, die Echtzeit, die neben der erstaunlichen Aktualität nicht nur klassische Medien ins Schwitzen bringt und Druck macht. Druck, der in der Vergangenheit in diesem Zusammenhang immer in fragwürdigen Ergebnissen endete. Druck, der Konsequenzen hat. Ist die Echtzeit ein geeignetes Kriterium? Natürlich – das beschreibt Wattig ebenso gut – gibt es auch hier (bei Twitter) Versuche, das Kriterium der Echtzeit, funktional begleitend zu unterstützen:

Die Instrumente, die dem Informationsempfänger hierzu bisher zur Verfügung stehen, sind in vielen Fällen nicht sehr wirkungsvoll. [...] Das wesentliche Relevanzkriterium bei Twitter ist die Zeit. [...] Es gibt natürlich allerlei Versuche, Tweets mit Metadaten anzureichern. Es besteht aber zweifellos noch Verbesserungspotenzial. Ich für meinen Teil habe jedenfalls schon manches Mal ebenso verzweifelt wie vergeblich bestimmte interessante Tweets gesucht, die ich mangels entsprechender Metadaten aber nicht mehr auffinden konnte.”

Es sind Versuche.

google-wave-01Es werden in Zukunft auf jeden Fall mehrere große Dinger entstehen und koexistieren, weil sie nur zusammen ergänzend groß sein können. Mittlerweile entsteht auf Twitter in bestimmten Segmenten, insbesondere im Unternehmensbereich, eine neue Kommunikationskultur, die mit Austausch von Informationen und Empfehlungen begründet ist, völlig uneigennütziger Natur, eben weil noch niemand an das Geldverdienen über Twitter denken kann. Es kristallisiert sich jedoch eine Entwicklung heraus, die dazu führen könnte.

Verknüpft man das mit Google Wave, und setzt beide Instrumente firmen-in- und extern ein, könnte das mit absoluter Wahrscheinlichkeit das nächste große Ding sein. Zumindest in der Unternehmenskommunikation.

ECOM Berlin – Nachlese

Verfasst am 6. Mai 2009 von Christian Grötsch.
Logo der ECOM Berlin E-Commerce Strategie Konferenz

Logo der ECOM Berlin E-Commerce Strategie Konferenz

So, nachdem ich nun wieder aus Berlin da bin, möchte ich die Gelegenheit für einen kleinen Review nutzen. Ich war ja schon traurig, das die ECOM ausgerechnet parallel zur Next 09 stattfand, aber im Rückblick war’s genau die richtige Entscheidung. Es waren eine Menge Dinge dabei, die mich sehr inpiriert haben, z.B.:

Jesco Breuer von Mexx

  • vertikale Navigation auf der Startseite
  • emotionale Ansprache durch extragroßen Header
  • mitscrollender Warenkorb
  • > 15% weniger Kaufabbrecher!? durch Magento like Single Page Checkout
Mexx horizontale Navigation / mitscrollender Warenkorb / emotion

Mexx horizontale Navigation / mitscrollender Warenkorb / emotion

Sabine Tietz von Lascana

  • emotionale Ansprache über Videos
  • erfolgreiches Virales Marketing über Youtube
  • Wie man in kurzer Zeit Katalog & Online & Store als Multichannel Konzept aufsetzt und was man davon lernen kann
  • und natürlich das tolle Mixkini Tool
Lascana Mixkinitool

Lascana Mixkinitool

Harry Max von Rubicon Consulting

  • Die meisten Leute konsumieren nur, deshalb ist
  • Community(management) wie Theater
Harry Max von Rubicon Consulting - Community is Theater

Harry Max von Rubicon Consulting - Community is Theater

Yme Bosma von hyves.nl

  • hyves.nl hat es mit sinnvollen Mehrwerten geschafft, eine profitable Community-Company zu werden
  • z.B. PrintOnDemand Geburtstagskarten, Geburtstagsgeschenkeshop, one to one targeted Promotionaktionen für Bücher und Filme, die über die im Profil angegebenen Interessen der User ausgeliefert werden.
  • Macht und Bedeutung der Communityseiten über Marken, Stores und z.B. Verkäuferkompetenz
H&M Community auf Hyves.nl

H&M Community auf Hyves.nl

Die Leaders Lecture am Abend bei der Deutschen Bank

  • faszinierend, mal sooo viele der bedeutendsten Versandhändler an einem Abend kennen zu lernen
  • der doch recht inspirierende Vortrag von Gerd Leonhard als grafisch opulente Zusammenfassung der Auswirkungen von Web 2.0 und Medienkonvergenz
Gerd Leonhard - Future of Selling

Gerd Leonhard - Future of Selling

Mittwoch – Jason Billingsley vom lesenswerten E-Commerce Blog getelastic.com

  • die wenigsten Onlinehändler kommunizieren ihren USP klar und offensiv
  • die Optimierung der Kundenansprache birgt enormes Potential, SocialCommerce ist insofern als Kür zu sehen. schließt sich zwar überhaupt nicht aus, aber wenn er meint…

Mittwoch – Ich selbst zum Thema SocialCommerce

  • da schreib ich die Tage noch nen extra Beitrag zu

Ich freue mich auf alle Fälle auf nächstes Jahr. Danke lieber Martin Groß-Albenhausen für dieses großartige Event!

Robert Basic: Buzzriders

Verfasst am 22. April 2009 von Sebastian (Handelskraft).

Mit Robert Basic wird gemeinhin immer viel Welle gemacht, so hat die gesamte Blogosphäre schon zum Verkauf seines alten Blogs „Basicthinking” diskutiert, ob Basic eigentlich ein echter Mensch oder eine Marke ist. Durch das Interesse der Medien wurde alles noch ein kleines bisschen beschleunigt, ob Fernsehen oder große Onlineangebote, alle haben sich für ihn interessiert.

Robert Basic, ob es ihm nun gefällt oder nicht, wurde als Vorzeigeblogger in die Medienwelt gezerrt. Das schafft Freunde und Feinde. Und Aufmerksamkeit.  Allgemein gesagt: Wir können von Glück sprechen, dass es Robert Basic war, der als “der” deutsche Blogger gekürt wurde, denn er ist jemand, der sich sich ambitioniert und leidenschaftlich in  der Welt der Blogs eingesetzt  und seine Sachen durchgezogen hat. Und er hat stets betont, dass er auch nur ein Mensch sei, dem Fehler genauso unterlaufen wie Erfahrungen, die selbst ein erfahrener Blogger so manches Mal aus der Bahn werfen. Basic hat sich nie unterkriegen lassen und war  immer mutig neue Wege zu gehen, auch wenn er vom Wegesrand mit Steinen beworfen wurde.

Diese Aufmerksamkeit könnte sein neues Projekt „Buzzriders” immens puschen. Selbstverständlich stehen Medien und Blogosphäre wieder einmal daneben, gespannt und neidisch, und warten auf den „neuen Medienunternehmer”, der mit Buzzriders „Spiegel Online angreifen will” (meedia.de).

Buzzriders? Robert Basic stellt sich eine News-Neuerung vor, eine Mischung aus Twitter, DPA-Ticker, lokale News, Kleinanzeigen, Blogs und Social Networks:

Auf Basis der heute zur Verfügung stehenden Technologien will Basic zum modernen Verleger werden, der auf vollkommene Offenheit setzt, ähnlich einem Open-Source-Projekt.

buzzriders-wireframe-1 (Skizze einer lokalen Seite bei Buzzriders)

Die Idee hinter Buzzriders ist bei weitem nicht so neu, wie zurzeit darüber berichtet wird. Im deutschen Raum sowieso nicht. Das wesentlich Web-2.0-affinere Amerika versucht sich zurzeit an dem Projekt “Printed Blog” und auch das “SmashingMagazine” sollte ein Begriff sein. In Deutschland sind mir unter anderem artverwandte Projekte wie “MyHeimat” und “Eins.de“bekannt. Von einer Revolution des lokalen Internets kann einfach keine Rede sein. Und mir scheint es, als würde man ihm diese Sätze einfach in den Mund legen.

Dennoch hat Basic durchaus gute und lukrative Vorstellungen, so sollen alle Gemeinden auf Buzzriders ihre eigenen Lokalseiten bekommen. Bürger können hier ihre eigenen Kurzmeldungen einstellen und sich austauschen. Zudem gibt es dann noch Lokalredakteure, Kleinanzeigen und eine intuitive Suche. Auf Bundesebene sollen die Massen bedient werden, nach folgendem Prinzip: „Kurze Artikel und viele Leute, nicht wenige Leute und lange Artikel”, so Basic.

Klingt erstmal nicht übel in der Theorie (auch wenn ich es persönlich schade finde, dass man mehr und mehr auf Knappheit und Kürze setzt), aber gerade dieses Segment hat sich in der Praxis, zumindest in Deutschland, noch nicht durchsetzen können. Was wesentlich einfacher und auch wünschenswerter ist, sind Basics Vorstellungen über die offene Gestaltung des Projekts und die Kommunikation nach außen. Vorbild ist Mozilla. So sollen Businessplan, Mitarbeiterpläne und Finanzpläne für jedermann einsehbar sein. Und genau in diesem Punkt macht Basic alles richtig. Er schafft Vertrauen und weiterhin hat er keine Angst vor einem Scheitern. Diese Transparenz könnte wesentlicher Erfolgsfaktor werden. Außerdem will man nicht alles auf einmal, fünf Jahre soll das Projekt vorerst laufen.

Das alles sind möglicherweise Kriterien für ein Projekt, dass ernsthaft etwas geben und nicht nur einnehmen möchte. Und es klingt experimentierfreudig.

Thema inhaltliche Qualität: Das wird mit Sicherheit ein großer Berg Arbeit werden, wie auch Don Alphonso richtig feststellt:

Für das Lokalgeschäft braucht man Erfahrung. Und damit meine ich nicht ein Journalismusstudium, sondern echte Organisationserfahrung. Man kann natürlich viel auslagern, die rechtliche Verantwortung etwa, die in diesem Bereich extrem unschöne Folgen haben kann, oder auch die Vermarktung. Aber der Wurf ist so gross, dass man sich dahinter schon sowas wie eine kompetente Manschaft wünschen würde. Redakteure, die wissen, was sie tun. Schreiber, die Qualität liefern. Leute, die das auch wirklich gegen alle Widerstände in einen schrumpfenden Werbemarkt hinein verkaufen können.

Das bringt eigentlich schon alles auf den Punkt. Die wichtigen Akteure werden neben Basic, der irgendwann als Gallionsfigur vor dem Projekt stehen wird, werden die Lokalredaktionen, die, kurz gesagt, kompetent sein müssen, ansonsten lohnt sich die ganze Mühe nicht. Auch die wirklich tollen Ideen, die ich bei freshzweinull.de gelesen habe (verschiedene Tools), werden daran nichts ändern können. Dennoch passt der Slogan “Helft dem Mann, damit da etwas Gutes draus wird”.

Ich für meinen Teil, bin gespannt was Robert Basic aus Buzzriders macht und schließe mich den fast adelnden Worten Alphonsos an:

Man sagt ja immer, dass man an den Herausforderungen wächst. Blöderweise sind viele Blogger an den Herausforderungen klein geblieben. Und diese Herausforderung ist alles andere als klein. Es ist fraglos ein neuer Ansatz. Aber bei mir würden hier eindeutig die Bedenken überwiegen. Was natürlich nicht heisst, dass nicht trotzdem was draus werden kann. (und ja, wenn der Macher nicht Robert Basic heissen würde, wären meine Bedenken sicher noch grösser).