Myfab.com untergräbt den Zwischenhandel
Verfasst am 16. Juni 2009 von Sebastian (Handelskraft).
Das französische Designmöbel-Portal und Startup myfab.com (gegründet 2008) steigt in naher Zukunft mit fünf Millionen Euro Kapital in der Tasche in den deutschen Markt ein, das von Risikokapitalgesellschaften Alven Capital und BV Capital stammt. Geplant ist der Eintritt Ende August bis Anfang September diesen Jahres.
Das Prinzip von myfab.com ist sehr interessant, da hier die Nachfrage klar dominiert. Es sind die Kunden, die per Onlineabstimmung entscheiden können, welche Produkte angeboten werden. Myfab orientiert sich an diesen Abstimmungsergebnissen, nimmt die Produkte in den Vertrieb auf und bestellt diese bei den entsprechenden Herstellern. Auch hier gewinnt wieder mein Unwort des Jahres: die Echtzeit. Denn der Kunde kann sämtliche Produktionsphasen auf der Website live mitverfolgen und bekommt dann seine Ware an die Haustür geliefert.
Allerdings, und das ist interessant, wird der Zwischenhändler einfach umgangen. Der Vorteil für myfab? Siehe IWB:
„Durch die Produktion auf Bestellung vermeidet myfab Fehl- oder Überproduktionen, Lagerkosten und teure Ladenmieten. Seit dem Launch im April 2008 wurden in Frankreich über 80.000 Artikel verkauft.“

In einem sehr lesenswerten Beitrag vom Netzökonomen, wird diese Idee genauer unter die Lupe genommen.
Jesper Wahrendorf, (neuer) Geschäftsführer im deutschen Ableger von myfab und ehemaliger Business-Developer-Leiter bei Otto, äußerte sich dazu folgendermaßen:
“Ein Designersofa, das im Laden 4000 Euro kostet, wird für 200 Euro produziert. Der Rest geht für Zwischenhandel, Transport, Lagerung und natürlich die Margen drauf. Myfab.com schaltet diese Zwischenstufen aus.“
„Design on demand” und die Beseitigung von „verkrusteten Strukturen” stehen auf der Tagesordnung von Wahrendorf.
Das 4000-Euro-Sofa kostet dann „dank” myfab nur noch 700 Euro; generell sollen die Ersparnisse bei knapp 70 Prozent gegenüber dem Ladenpreis liegen. Möbel sind im Übrigen erst der Anfang, da hier noch die größte Differenz zwischen Herstellkosten und Verkaufspreis. Denkbar sind auch Textilien, Schmuck oder Elektronikhandel. Alles Bereiche indem, laut Wahrendorf, Preisvorteile durch myfab verschafft werden können.
Die Vision von myfab ist einleuchtend: Die Umgehung von Warenhäusern, Zwischenlagern und Großhändlern, zu diesem Fazit kommt auch der Netzökonom. In gewisser Hinsicht, ist myfab jedoch selbst eine Art individualisierter Zwischenhändler, der dem Kunden Geld spart und damit selbst verdient. Die „verkrusteten Strukturen” wie Wahrendorf sie tituliert, werden grob gesagt nur anders und neu ausgelegt. Aus der Ich-Perspektive (Stichwort: Marge). Myfab – Meine Fabrik?
Die Hersteller sitzen übrigens überwiegend in China. Das will ich jetzt mal unkommentiert stehen lassen.
Und was mich außerdem interessieren würde, wer die Designer sind, die die Produktvorschläge auf der myfab-Website erstellen, und wer diese womit bezahlt?













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