Social Commerce

Social Commerce ist der Vertrieb der eigenen Produkte durch Kommunikation mit dem Kunden. Das kann über soziale Netzwerke, wie Facebook oder Pinterest, geschehen oder über Bewertungs- oder Kommentar-Systeme. Die Interaktion steht im Vordergrund und eröffnet so neue Vertriebswege. Über konstruktive Kritik, die der Händler so erhält, kann der eigene Shop verbessert, das Geschäftsmodell angepasst oder der Kundensupport weiterentwickelt werden. Social Commerce ist daher nicht nur Mittel zum Zweck, sondern bringt Kundennähe und verbessert durch Feedback interne Abläufe.

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Fastfood-Ketten: Social-Media-Angsthasen

Verfasst am 11. August 2009 von .

Eine Branche ist in sozialen Netzwerken besonders unterpräsentiert: Fastfood-Ketten à la McDonald’s oder Burger King. Sicher, es gab einige sehr peinliche Versuche in sozialen Netzwerken, die sich jedoch indirekt gegen die Nutzer selbst richteten (You like your friends, but you love the Whopper). Von einem gewissen Standpunkt aus, verspottete Burger King damals sowohl die Moral der Nutzer, als auch das Netzwerk Facebook. Glücklicherweise war das eine Marketingaktion des Bratfett-Riesen, die noch mal bewiesen hat, dass Doppelmoral nicht moralischer ist, nur weil das Wort Moral darin vorkommt. Oder um der Marketing-Front von Burger King die Hand vom Mund zu reißen: Erst kommt das Fressen und dann die Moral.

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Erst kürzlich, so konnte man es auf medialotse.de nachlesen, landeten Fastfood-Ketten im Vergleich mit den 100 wertvollsten Marken der Welt nur im hinteren Mittelfeld, im Bezug auf das Engagement in sozialen Medien.
Michael Bernecker, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Marketing (DIM), hierzu:

Die Unternehmen schrecken offenbar vor den negativ geprägten Diskussionen, die aktuell in den USA und Europa über Fastfood geführt werden, zurück. Diese könnten sich schließlich ja auch auf die eigene Plattform ausweiten.

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Für Fastfood-Ketten ist das in der Tat sehr heikel. Und so fährt der Professor fort:

Wenn zu viel Negatives auf diesen Plattformen verbreitet wird, könnte dies die Expansionspläne eines Anbieters beträchtlich gefährden.

Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich stimmt. Die Konsumenten wissen, dass Fastfood nicht unbedingt das Nonplusultra in puncto Ernährung ist. Dennoch konsumieren sie es. Ist das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung gestört, aus welchen Gründen auch immer, zweifle ich daran, dass böse Worte einer Marke wie McDonald’s schaden könnten. Ich bin ja sogar der Meinung, dass bestimmte Marken schadensfrei bleiben, trotz schlechtem Image. Selbiges gilt auch für Tabakkonzerne: Es gibt Fans, aber auch verdammt viele Gegner. Unter Geldproblemen leidet diese Branche deswegen mitnichten. Nur wenige erwarten vom Fastfood oder vom Tabak, fair behandelt zu werden. So einfach. (Bei Vodafone ist das was anderes, aber die haben sich ihre Lektion ja schon abgeholt.)

Nun ja, jedenfalls ist vor kurzem der PR-Chef der US-amerikanischen Fastfood-Kette Taco Bell, Lyle Swart, ans Mikrofon getreten und verkündet die eigenen Web-2.0-Ambitionen:

Unsere Gäste konsumieren immer mehr Medien online. Das Internet ist ein wichtiger Weg, um sich mit Menschen zu vernetzen.

Ein raffinierter Bursche, dieser Lyle Swart. Und so geht Taco Bell bis Anfang nächsten Jahres das neue Projekt an, unterstützt von der auf digitale Kommunikation spezialisierten Agentur R/GA, und will die eigene Unternehmenswebsite tacobell.com in ein „benutzerfreundliches Entertainment-Portal umwandeln“. Good luck.

tacobell

Die Themen „Soziale Netzwerke“ und „Soziale Medien“ werden auch für andere Ketten ab nächstes Jahr eine große Rolle in der Marketing-Planung spielen. Gegenüber pressetext, äußerte sich KFC-Deutschland-Pressesprecher Michael Huy:

In Zukunft wird, gerade im Hinblick auf die geplante Expansion, Online-Marketing ein integrativer Bestandteil der Kommunikation werden und im Jahr 2010 bei uns maßgeblich an Bedeutung gewinnen.

Bleibt abzuwarten, ob diese Ketten den Weg richtig einschlagen, nicht wie Vodafone. Oder Burger King. Das Community-Potenzial ist in diesem Fall jedenfalls gigantisch. Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob ich das gut finden soll. Guten Appetit.


Social Commerce 2009: Die Macht der Markenbotschafter

Verfasst am 3. August 2009 von .

2009. Das Update-Web „2.1″

Wir erleben im Jahre 2009 einen tiefgreifenden Umbruch im Handel. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es der Werbe- und Medienlandschaft in diesem Jahr an den Kragen geht. Nach aktuellen Zahlen aus Studien von Compose, wird es immer schwieriger Marken über klassische Kommunikationskanäle an den Mann zu bringen. Gleichzeitig ist die Nutzung der sozialen Plattformen gegenüber den letzten Jahren explosionsartig gestiegen.

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Kategorie: Social Commerce

Brands want to be Friends

Verfasst am 23. Juli 2009 von .

Mit einem inhaltlich wirklich guten und ansehnlichen Videobeitrag, berührte der Themenblog gestern das Themengebiet „Marken in sozialen Medien”. Das folgende Video zeigt noch einmal den hohen Grad des Kontextes zwischen den Bereichen Social Commerce, soziale Medien und soziales Web. Es deutet ebenso einen klugen Ansatz zur Problemlösung von Marken an, die ihre Ansprache im Netz verändern (müssen) um den Kunden überhaupt noch ansprechen zu können: Ansprechen durch Zuhören.

Der E-Commerce befindet sich zurzeit in einer Phase der sozialen Funktionsweise, in der soziale Netzwerke und Betriebssysteme entwickelt und stabilisiert werden, und in der Verbraucher beginnen, Widgets und Netz-Applikationen auf eigenen Profilen einzubinden. Marken beginnen – sofern von dieser Entwicklung nicht gelähmt – dem Verbraucher Nutzwert anzubieten (Kreieren von Applikationen), z.B. bei Nike (nikeID.com):

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Heute zeichnet sich das Ende des bloßen Annoncierens ab.

Ebenfalls stehen Marken und der E-Commerce am Anfang der sozialen Besiedlungsphase, in welcher der Löwenanteil der Webseiten sozial und kommunikativ ausgerichtet ist. Unterschiede zwischen klassischen Seiten des Web-2.0s und Netzwerken verschwimmen. Marken wenden sich an Beeinflusser, konzentrieren sich auf diese und binden verstärkt Empfehlungen ein. Eine Anleitung gibt es nicht. Im Falle der Vodafone-Kampagne, kann man zumindest von Seiten des Netzes sagen, dass sie gescheitert ist bzw. sehr negativ angenommen wurde.

Marken sehen sich zunehmend mit Angst konfrontiert, aus ihrer Perspektive verlieren sie die Kontrolle. Eine wirklich großartige Slideshow, hier gefunden, visualisiert und erklärt diese Entwicklung aus Markensicht sehr schön in 30 Bildern.

Ja, Marken brauchen Freunde. Sie versuchen sich diese zu suchen. Mal erfolgreich, mal nicht. Aber im Großen und Ganzen beginnen schon bald die Phasen des sozialen Kontextes und des Social Commerce, in der Marken ihren Besuchern anmeldefrei spezifische Inhalte anbieten werden um nicht vollständig von der Kundenvernetzung und Identitätsteilung vom Markt verdrängt zu werden. Die ersten Gehversuche seitens der Brands sind getan. Kann man sagen, was man will: Das soziale Web hat eine gewaltige und spannende Entwicklung für beide Seiten der Ladentheke angestoßen.


Social Commerce: Zuhören kostet Geld

Verfasst am 10. Juli 2009 von .

Social Commerce ist kein Megatrend. Die Mechanismen basieren auf natürlichem menschlichen Verhalten.

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Diese Aussage, heute bei Twitter gefunden, ist mir den gesamten Tag im Gedächtnis geblieben. Zwei Dinge dazu:

1. Nein, Social Commerce ist kein Megatrend. Betrachtet man das aus der Sicht der Umstrukturierung (auch im Denkprozess des Marketings), dann allerdings schon. Aber im Grunde steht Social Commerce am Ende einer Entwicklung, in der wir uns soeben befinden und die in wenigen Jahren Realität im neuen E-Commerce sein wird. Menschen sind von Natur aus sozial und der Handel ist eine Aktivität, die alltäglich für uns ist. Inwiefern das natürlich-menschliches Verhalten ist, bleibt erstmal ausgespart.

Das spärlich definierte Bild von Social Commerce ist keine Neuerfindung, nein. Handel und soziale Interaktion haben sich seit eh und je miteinander vermischt. Sämtliche Formen des Teilens, Austauschens und Mitmachens im Shopping- oder Handelsprozess sind Teil unseres Verhaltens. Präzise gesagt: unseres Konsumverhaltens. Verschiedene Online-Tools (das gilt insbesondere für die auf Onlineshops) haben eine Ausdehnung dieser Konsumimpulse- und Vorlieben auf den Bereich des E-Commerce ausgedehnt. Denn was das Einkaufen betrifft: In diesem Punkt schwingt die Komponente „sozial” stets mit. Schon immer.

Problematisch ist das allerdings für Unternehmen und Marken, die sich nur sehr schwer in dieser Ausdehnung zurecht finden. In einem sehr lesenswerten Artikel auf dem Themenblog („Die Entmythisierung von Social Media“), wird dieser Problematik auf den Zahn gefühlt.

Social Commerce: Zuhören kostet Geld
[gefunden bei Themenblog, via Tom Fishburne]

2. Marken, Unternehmen und auch Onlineshops versäumen nicht unbedingt Trends. Die meisten wissen ganz genau, wo sie fündig werden können. Aber sie verstehen es nicht, dass es ein gewaltiger Unterschied ist, sich sozial zu organisieren (C2C) oder eben kommerzielle Interessen zu modernisieren/vertreten (B2C). Möglicherweise dämmert es den meisten Marken, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis sie in Schwierigkeiten stecken und möglicherweise damit kämpfen müssen, nicht vom Markt verdrängt zu werden.

So was kann zu einer präventiven Paranoia führen, wie wir es gerade im Fall Vodafone erleben: der (mutige) Versuch einer Neufindung/Neudefinierung. Trotz des vielen Spotts bezüglich der Avancen Vodafones, kann die Suche nach Kommunikation im Verbund mit dem Willen seinen Kunden zuzuhören, nicht verkehrt sein.

Das simple Platzieren seiner Produkte oder seines Marken/Unternehmensprofil führt zu nichts richtigem, wenn man nicht investiert und stattdessen die Klicks zählt. Dell: Drei Millionen via Twitter umgesetzt ist nur die halbe Wahrheit. Vollständig gesehen ist das alles andere als spektakulär. United Airlines bieten spezielle Twitter-Angebote an. Starbucks fährt diese Schiene ebenfalls.

Es ist damit zu rechnen, dass sich Gruppen von Menschen in Zukunft nicht nur sozial organisieren und finden, sie werden dies ebenfalls beim Einkaufen machen. Shops und Unternehmen sollten dafür den Rahmen prägen, ein Umfeld schaffen und diese Form des Findens und Suchens unterstützen.

Zuhören kostet Geld. Das wollen viele noch nicht verstehen, die jetzt unsicher das „Social Media” für Unternehmen kontrollieren müssen und glauben, es sei damit gemacht, Onlinetools und soziale Netzwerke abzugrasen. Social Commerce hat gar keine andere Wahl, als vor dem Verständnis für Social Media aufzubauen. Es wird dadurch definiert.

Sonst steht man am Ende da, mit seinem Social Commerce, hat sich auf ein menschlich-natürliches Verhalten verlassen und guckt in die Röhre.


Die virtuelle Einkaufsmeile von MyLane (2)

Verfasst am 8. Juli 2009 von .

Auf MyLane.de, eine virtuelle Einkaufsmeile, hat sich seit unserem letzten Besuch (und unserer Kritik) eine Menge getan. Es scheint, als hätten die Betreiber auf einige Kritikpunkte reagiert. Vor knapp vier Monaten sah MyLane noch so aus (wobei der Name MYLAME besser gepasst hätte):

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Mittlerweile, sieht die Shoppingmeile so aus:

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Ich erinnere mich, dass damals in den Kommentaren (im Zusammenhang mit Design) das Wort “Pixeltown” gefallen ist. Und so kommt MyLane nun auch daher: Wesentlich frischer und ansehnlicher. Dem Hauptkritikpunkt der mangelnden grafischen Ausgestaltung, ist man dank des Feedbacks (Ideen, Vorschläge und Wünsche von Bloggern, Kunden und Interessierten) beherzt nachgegangen.

Ebenfalls wurde ein gravierender Fehler ausradiert: Das Feld der Passwort-Eingabe wird nun verschlüsselt angezeigt.

Hinzu kommt, dass nun auch verschiedene Produktbereiche optisch klar voneinander getrennt wurden (z.B. „Lifstyle, Party und Genuss”, „IT und Elektronik”, etc.).

Was durchaus vorstellbar wäre, seine Kunden (also die Shopbetreiber) dazu zu animieren, kurze und knackige Produktvideos von ihren Produkten zu drehen, die man dann einbauen kann. Oder Aktionen der jeweiligen Shops. Denn obwohl wesentlich mehr Shops auf MyLane zu finden sind, als noch vor vier Monaten, so ist es doch noch sehr „übersichtlich”. Und ich glaube, dass die Shops auch nicht wirklich Geld einfahren über MyLane.

Das ambitionierte Projekt, das ohne Fremdkapital arbeitet, kann nach diesem Schritt anfangen, Erlebnisshopping visuell umzusetzen: Videos, Tools, verschiedene Features für Kunden, sodass man neben der Fassade auch praktisch in den Visualshopping-Bereich vordringen kann. Das könnte ich mir spannend vorstellen, zumal die angebotenen Produkte, die ich mir angesehen habe, wirklich nicht schlecht sind und geradezu danach schreien, visuell unterhaltsam umgestaltet und erweitert zu werden.

Ich könnte mir da einige Sachen wirklich gut vorstellen.

Den Schritt, den man mit der Neuaufsetzung von MyLane gegangen ist, war einer in die richtige Richtung. Ehrlich gesagt, hatte ich vermutet, dass MyLane bald untergeht. Ich kann mir vorstellen, wie schwer die Arbeit war (vor allem aus finanzieller Sicht). Dafür meinen Respekt.


Wie hat man Social Commerce zu verstehen (2)?

Verfasst am 1. Juli 2009 von .

Es ist schon allerhand passiert auf E-Commerce-Webseiten, jedoch begegnen wir nur allzu oft digitalen Verkaufsregalen, die man aus dem Einzelnhandel kennt oder eben statische Produktkataloge. Warum? Eine Erklärung und damit eine einhergehende Gegenwartsanalyse lieferte vor kurzem Matthias Schrader, CEO von SinnerSchrader, auf dem Social Commerce Forum 2009.

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Die Ausführungen Schraders zum ersten Trend („Renaissance im E-Commerce”), sind besonders interessant: Nachdem erste Konzepte („[…] aufgrund fehlender Masse bei den Kunden im Netz […]”) zu Zeiten der New Economy scheiterten (heute jedoch wieder ausgepackt werden) und bis 2006 so gut wie vom Markt verschwunden waren, befinden wir uns nun wieder in einer Investitions- und Experimentierphase, in der man zögerlich Mut zeigt. Das gilt für bestehende, verschwundene und einige neue Anbieter in diesem Segment.

Die Anfänge sehen standardmäßig so aus, dass man für den Kunden unten Platz einrichtet um Kommentare, Bewertungen oder Rezensionen schreiben zu können.

Diese standardmäßige Aufteilung sagt „Hier sind unsere Produkte, such dir was aus und drück den Kaufen-Button. Gerne darfst du dich unten drunter über alles Mögliche mit anderen unterhalten.”

Unter diesen Umständen hat sich noch nicht viel geändert, wenn ich den sterbenden Katalog als Vergleich heranzitiere, außer eben verschiedenen Interaktionsmöglichkeiten. Die Erwartung an interaktiven Erfahrungen beim Einkaufen ist noch sehr rudimentär und steht beim absoluten Großteil der deutschen Onlineshops noch weit hinter dem gängigen Kundenservice/Kundensupport, der einen Dialog nach dem Einkaufen für den Kunden anbietet: „Haben Sie ein Problem mit ihrer Bestellung, dann bitte hier entlang.” Oder aber man holt sich Rat in einem shopeigenen Forum
Letzteres funktionierte in der Vergangenheit und auch jetzt noch, allerdings ändert sich jenes mit steigenden Bedürfnis und Erwartungen (Quelle: Studie “E-Commerce in Deutschland – privates Konsumverhalten im Online-Shopping”):

  • 72 Prozent der Befragten (obig verlinkte Studie mit mehr als 1000 Teilnehmern) empfinden das Kauferlebnis im Bereich Online-Shopping als unspektakulär und langweilig.
  • 56 Prozent der Befragten wünschen sich ein Einkaufserlebnis, dessen Fokus mehr auf Entertainment liegt.
  • 45 Prozent der Nutzer vermissen eine interaktive Möglichkeit in das Einkaufsgeschehen einzugreifen.
  • 68 Prozent sind sofort bereit, andere Portale mit höherem Spaßfaktor beim Online-Shopping aufzusuchen und dem bisher besuchten den Rücken zu kehren.

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[Grafik und Impuls: jeremymeyers.com]

Dass sich der E-Commerce an neuen Kanälen wie Twitter noch (und auch in naher Zukunft) die Zähne ausbeißt und Online-Marketeers Kopfzerbrechen bereitet, ist da nur das kleinere Übel. Allerdings sind diese Versuche vorteilhaft, denn gerade auf Plattformen wie Twitter lernt man, dass ein neues kommunikatives Modell Fuß fasst:

Statt B2C erleben wir ein gefühltes „BwithC”, das Kommunikation gleichwertig strukturiert. (Angefacht durch Facebook, Twitter und so weiter.)

Der E-Commerce/Social Commerce steht damit vor der gewaltigen Gelegenheit Geschmack, Mitwirkung und Persönlichkeit der Kunden in sich zu integrieren. Das bedeutet eben auch, dass der Kunde an das Ende des Design-Prozesses und der User-Experience gehört.

Jeremy Meyers bringt dazu ein wirklich fantastisches Beispiel:

Wir kennen ja diese postkartenähnlichen Produktregistrierungs-Karten, die z.B. einem neuen Drucker oder Fernseher beiliegen. Haben diese Karten irgendeinen Wert für uns, wenn wir diese ausfüllen? „Selten” wäre die Untertreibung des noch überaus jungen Jahrhunderts. Vielleicht könnte man jene Registrierungskarten derart ändern, sodass man dem Kunden eine eindeutige ID anbieten kann, die man dazu benutzt Traffic auf eine spezielle Seite zu führen: Ein Low-Investment-Affiliate-Programm. Wenn ich andere Nutzer (und potentielle Kunden) so beispielsweise auf eine individuelle Seite, à la „shopname.de/kunde/handelskraft”, schicken und auch individuell anpassen kann, was andere dort sehen können (Modell-Nummer, Rezensionen, Bewertungen, Links, etc.), dann hat mich der Onlineshop als Kunde involviert und einen neuen Traffic-Kanal zu seiner Seite gestaltet.


Wie hat man Social Commerce zu verstehen?

Verfasst am 26. Juni 2009 von .

Für das künftige (Online-)Marketing wird Social Commerce als nächster Schritt im E-Commerce besonders knifflig werden. Das Problem ist, dass wenn die Architektur und der Inhalt des Begriffs Social Commerce für viele Unternehmer aus dem Onlinehandel noch unausgegoren und unverständlich sind, wie sollen dann die Kunden auf diese Entwicklung reagieren? Tatsache ist, dass Kunden beim Onlineshoppen bereits voll in der praktischen Materie des Social Commerce stecken. Es sind die Shops und die verständlicherweise überforderten Marketeers, die meiner Meinung nach hinterher hängen.

Dass Onlineshops irgendwie darauf reagieren, zeigt sich in der Einführung zahlreicher Features, die dem Einkaufen eine soziale Komponente verpassen. Das ist schön und gut, dennoch ist es wichtig, dass das nicht das Ende war und dass man sich nicht in Sicherheit wiegen sollte, nur weil es jetzt neue boomende Geschäftsmodelle gibt wie Liveshopping-Portale oder Shopping-Clubs. Das reicht nicht.

Und insbesondere das Marketing hat hier zu kämpfen. Ja, Twitter zu nutzen, Xing-Kontakte zu pflegen oder sämtliche technischen Neuheiten im Blickfeld zu haben, damit man keine Facette des Trend-Zeitalters verpennt, ist sehr wichtig. Social Commerce bedeutet in jedem Fall nicht nur geile und billigere Produkte anzubieten und dabei einen Unterhaltungsfaktor für den Kunden bereit zu stellen, es bedeutet, dass das Zuhören noch wichtiger als Twitter und alle anderen Tools ist, zu denen jetzt neue Marketing-Strategien produziert werden. Es wird gesagt, dass man über diese Tools am besten zuhören kann, viele nicken das einfach ab und die wenigsten wissen damit mehr über Social Commerce. Im Gegenteil, Twitter wird recht selten mit Social Commerce in Verbindung gebracht und das zu Recht. Denn die wenigen, die in Deutschland aktiv twittern, wie viele davon sind Onlineshopper und wie viele nutzen Twitter dazu, um von Shops oder Agenturen erhört zu werden?

Eine sehr wichtige Frage, wie ich finde. Hier hat die Angst, irgendwelche Trends zu verschlafen, ihre Sollbruchstelle.

Social Commerce muss zukünftig ausschließlich aus der Kundenperspektive verstanden werden, und das heißt auch, sich unangenehmen Fragen zu stellen. Jochen Krisch von excitingcommerce.de liefert in seiner letzten Internet World Business-Kolumne (13/09) unter dem Titel „Das Ende der Tradition” einige interessante Hinweise. Die Trendstudie „Webshopping 2009“, von Quelle im Mai herausgegeben, hat neben vielen Bestätigungen bezüglich der eingesetzten Features (Bewertungen, Empfehlungen, etc.) auch ergeben, dass Kunden zwar großen Wert auf Sicherheit und Seriosität von Onlineshops legen, jedoch haben Werte wie die Bekanntheit eines Shops, die Identifikation mit einer Marke keinen Einfluss mehr darauf, ob sich ein Kunde lange an einen bestimmten Shopanbieter binden möchte, so wie es früher noch der Fall war als man Kataloge gewälzt hat (liebe Grüße an Otto, Quelle und Neckermann). Dennoch gilt die machbare Devise, man sollte und könnte Kunden zu Fans, und im allerbesten Fall andersrum, Fans zu Kunden machen.

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Einzelne genannte Features, wie Empfehlungen und Bewertungen, die jetzt vor den Social Commerce-Wagen gespannt werden, stammen aus dem Zeitalter des Web-2.0s, ein Begriff – das ist auch ein Trend – der sich mittlerweile einer großen Unbeliebtheit erfreut. Social Commerce: die Summe aus Web-2.0 und E-Commerce?

Heute und in Zukunft wird Social Commerce so ablaufen: Ein Kunde gestaltet nach seinen Vorstellungen ein Produkt, benutzt dazu Tools und Werkzeuge auf Onlineshops, erstellt User Generated Content, empfiehlt und bewerten, konsumiert ebenso solche Empfehlungen und Bewertungen und sagt dann „Das ist das Produkt, das ich haben will. Welcher Shop kann mir das herstellen lassen und verkauft es mir dann billig?”. Ja, der gegenwärtige (nicht der zukünftige, wie oftmals falsch gedeutet) Online-Kunde will kontrollieren, sich und andere vernetzen und Inhalte bestimmen und auch selber erstellen. Das Ziel der Online-Shops und Unternehmer muss sein, ihn dieses machen zu lassen, um sich dann mit diesen Ergebnissen zu vernetzen.

Und in einer guten, aufgeklärten und ehrlichen Welt, sollten Marketeers daraus resultierende Erkenntnisse teilen. Auf Twitter. B2B. Ob es dazu einer Strategie bedarf (also ein Marketing-Modell für Twitter), wie sie derzeit von Jedermann entwickelt wird, ist fraglich. Viel wichtiger ist, dass man sicherstellt, dass die Strategie Kunden zuzuhören und machen zu lassen, positive Auswirkungen hat. So lernt man möglicherweise Social Commerce zu verstehen. Social Commerce verstehen heißt Kunden zu verstehen.


Fünf Tipps zur Erhöhung der Kundenbindung durch Social Commerce

Verfasst am 23. Juni 2009 von .

Im Marketing-Ressort der Gründerszene ist vor wenigen Tagen ein Beitrag von Christian Grötsch, Geschäftsführer der Social-Commerce-Agentur dotSource, veröffentlicht worden, der fünf Tipps zur Erhöhung durch Social Commerce liefert: Auf Fragen wie man beispielsweise Besucher aktiviert, Kunden ganz selbstverständlich zu Experten macht und diese damit zur Mitarbeit anregt, wird in diesem Artikel ebenso eingegangen, wie auf Fragestellungen, die sich mit dem Kennenlernen von Kunden oder die optische Aufwertung des Onlineshops auseinandersetzen.

Und wieso diese Maßnahmen fließend ineinander greifen müssen. Nur mal als kleine Empfehlung.


Myfab.com untergräbt den Zwischenhandel

Verfasst am 16. Juni 2009 von .

myfabDas französische Designmöbel-Portal und Startup myfab.com (gegründet 2008) steigt in naher Zukunft mit fünf Millionen Euro Kapital in der Tasche in den deutschen Markt ein, das von Risikokapitalgesellschaften Alven Capital und BV Capital stammt. Geplant ist der Eintritt Ende August bis Anfang September diesen Jahres.

Das Prinzip von myfab.com ist sehr interessant, da hier die Nachfrage klar dominiert. Es sind die Kunden, die per Onlineabstimmung entscheiden können, welche Produkte angeboten werden. Myfab orientiert sich an diesen Abstimmungsergebnissen, nimmt die Produkte in den Vertrieb auf und bestellt diese bei den entsprechenden Herstellern. Auch hier gewinnt wieder mein Unwort des Jahres: die Echtzeit. Denn der Kunde kann sämtliche Produktionsphasen auf der Website live mitverfolgen und bekommt dann seine Ware an die Haustür geliefert.

Allerdings, und das ist interessant, wird der Zwischenhändler einfach umgangen. Der Vorteil für myfab? Siehe IWB:

Durch die Produktion auf Bestellung vermeidet myfab Fehl- oder Überproduktionen, Lagerkosten und teure Ladenmieten. Seit dem Launch im April 2008 wurden in Frankreich über 80.000 Artikel verkauft.

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In einem sehr lesenswerten Beitrag vom Netzökonomen, wird diese Idee genauer unter die Lupe genommen.

Jesper Wahrendorf, (neuer) Geschäftsführer im deutschen Ableger von myfab und ehemaliger Business-Developer-Leiter bei Otto, äußerte sich dazu folgendermaßen:

Ein Designersofa, das im Laden 4000 Euro kostet, wird für 200 Euro produziert. Der Rest geht für Zwischenhandel, Transport, Lagerung und natürlich die Margen drauf. Myfab.com schaltet diese Zwischenstufen aus.

„Design on demand” und die Beseitigung von „verkrusteten Strukturen” stehen auf der Tagesordnung von Wahrendorf.

Das 4000-Euro-Sofa kostet dann „dank” myfab nur noch 700 Euro; generell sollen die Ersparnisse bei knapp 70 Prozent gegenüber dem Ladenpreis liegen. Möbel sind im Übrigen erst der Anfang, da hier noch die größte Differenz zwischen Herstellkosten und Verkaufspreis. Denkbar sind auch Textilien, Schmuck oder Elektronikhandel. Alles Bereiche indem, laut Wahrendorf, Preisvorteile durch myfab verschafft werden können.

Die Vision von myfab ist einleuchtend: Die Umgehung von Warenhäusern, Zwischenlagern und Großhändlern, zu diesem Fazit kommt auch der Netzökonom. In gewisser Hinsicht, ist myfab jedoch selbst eine Art individualisierter Zwischenhändler, der dem Kunden Geld spart und damit selbst verdient. Die „verkrusteten Strukturen” wie Wahrendorf sie tituliert, werden grob gesagt nur anders und neu ausgelegt. Aus der Ich-Perspektive (Stichwort: Marge). Myfab – Meine Fabrik?

Die Hersteller sitzen übrigens überwiegend in China. Das will ich jetzt mal unkommentiert stehen lassen.

Und was mich außerdem interessieren würde, wer die Designer sind, die die Produktvorschläge auf der myfab-Website erstellen, und wer diese womit bezahlt?


Dell: 3 Millionen Dollar Umsatz via Twitter?

Verfasst am 15. Juni 2009 von .

Dell hat 3 Millionen Dollar via Twitter umgesetzt, berichtete THE BUSINESS INSIDER vergangenen Freitag. Diese Schlagzeile wurde leider auch von einigen sonst stets zuverlässigen Branchenquellen übernommen und teils auch euphorisch unterstrichen. Es geht also doch: Verdienen mit Twitter.

dell-logo-002-300x300Einige Fakten von THE BUSINESS INSIDER wurden jedoch nicht mit übernommen:

Die 3 Millionen Dollar rechnen sich aus den vergangenen zwei Jahren Jahren zusammen, eine Million Dollar davon im letzten halben Jahr. Mir ist nicht ganz klar, wie sowohl THE BUSINESS INSIDER, als auch das t3n-Magazin auf eine Summe von 2 Dollar pro Follower im Jahr kommen? Nach dieser „Statistik” müssten 600.000 Follower bei 3 Millionen Dollar Umsatz ja bei 5 Dollar pro Follower liegen, oder?

Davon mal abgesehen, hat Dell keine 600.000 Follower und, das wurde ebenfalls nicht erwähnt, mehr als nur einen Twitter-Vertriebskanal. Insgesamt pflegt Dell mehr oder wenig 34 verschieden ausgerichtete Twitter-Accounts. Drei Millionen Dollar Umsatz in zwei Jahren mit 34 Twitter-Accounts klingt nicht mehr ganz so nach Jubelschreie, finde ich.

Aber selbst die Geschäftsabwicklung hat mit Twitter nicht mehr viel zu tun. Im Grunde ist Twitter in diesem Fall nichts anderes als ein individuelles und kundenfreundliches Affiliate-Programm, für das Twitter durchaus Geld verlangen könnte:

If Twitter could throw in some analytical tools, it might be worth it. A direct pipeline to your customers and potential customers is always nice. So figure Dell soon hits 1 million followers, and figure the rest of the Fortune 500 follow suit. You could get to some nice revenue pretty quickly.

Fakt ist, dass 3 Millionen Dollar innerhalb von zwei Jahren nicht sonderlich viel ist, aber zumindest ist es ein Anfang.

Mittlerweile verkaufen auch Weinhändler ihre Produkte via Twitter, da sich hier bereits eine sehr gut vernetzte (und stark konkurrierende) Community herausgebildet hat. Wie ich von einem Weinhändler erfahren habe, hat dieser bei einem Aktionsverkauf mehr als 90 Kisten Wein verkaufen können, was sicherlich nicht viel ist, jedoch auch ihn verblüfft hat. Die Nachfrage konnte er nicht decken.

Mit Twitter selbst ist aufgrund des aktuellen technischen Stands momentan nichts zu verdienen, es eignet sich jedoch als Werbetrommel, zum Kontaktaufbau und Support von Kunden. Hier muss man differenzieren, sonst können durch Euphorie ausgelöste Vertriebsaktionen aus dem Nichts einfach so verpuffen, während die Marketing-Abteilung in die Röhre schaut.


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