Social Commerce 2009: Die Macht der Markenbotschafter

2009. Das Update-Web „2.1″

Wir erleben im Jahre 2009 einen tiefgreifenden Umbruch im Handel. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es der Werbe- und Medienlandschaft in diesem Jahr an den Kragen geht. Nach aktuellen Zahlen aus Studien von Compose, wird es immer schwieriger Marken über klassische Kommunikationskanäle an den Mann zu bringen. Gleichzeitig ist die Nutzung der sozialen Plattformen gegenüber den letzten Jahren explosionsartig gestiegen.

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Die Kunden bestimmen über die Auswahl der Marken, welche Form von Unterhaltungen und welchen Service sie haben wollen. Sie zwingen Unternehmen authentischer zu werden. Im Umkehrschluss könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Werbewelt zerbröselt. Streng genommen zerbröselt die derzeitige Werbescheinwelt langsam ins Nichts. Daher erlebt Social Commerce gerade ein neues Zeitalter. Weil soziale Netzwerke wie Facebook, Youtube, Twitter und Co. mit aller Macht in unser Bewusstsein gelangt sind.

Und hier liegt das Problem: Marken und auch Medienhäuser haben eigentlich keine Ahnung, wie sie die Macht der Netzwerke für sich nutzen können. Mal eine Facebookseite hier oder ein paar Twittermeldungen da, bringen die Kassen noch lange nicht zum Klingeln, denn das ‚social networken‘ will gelernt sein. Der Kunde ist den Unternehmen da weit voraus und merkt sofort, wenn da halbherzig an die Sache herangegangen wird. Und schwupps, geht die Markenbindung den Bach herunter! Denn so einfach wie es aussieht ist das Ganze dann doch nicht. (Vodafone lässt grüßen!)

Die Organisation von heute ist das Individuum

In diesem Sommer haben wir sogar ein politisches Beispiel gesehen, wenn eine Masse von Individuen sich von einem oktroyierenden politischen System nicht mehr sagen lassen will, was sie zu glauben haben soll.

Für mich persönlich, war es sehr spannend zu sehen, wie sich junge Menschen Twitter als ihre Waffe zu Nutze machten, um ihre freie Meinung zu äußern. Über Twitter kamen Hinweise wo man sich bei Eskalationen in Sicherheit bringen konnte, wie man sich vor den Milizen schützen und was man gegen Tränengas tun kann. Twitter als politische ‚Waffe‘ des Volkes. Die Welt hat hingesehen, teilgenommen und mitgefühlt. Ein Teil dieser Welt.

Dabei ist es doch so einfach! Die jungen Menschen wollen den Dialog. Sie sind unzufrieden mit dem System und haben was zu sagen. Die Mullahs hätten einfach mal zum Hörer (Computer kennen Sie wahrscheinlich aus Altersgründen gar nicht) greifen sollen und ‚Dell‘ fragen: „Hey, wie habt ihr das hingekriegt?” Die Antwort wäre: „Fangt mit Zuhören an!” Ob sie wirklich zuhören wollen ist eine andere Frage.

Applikationen, das Öl der Maschine ‚Social Web‘

Der Durchbruch der Netzwerk-Plattformen ist zweifellos den vielen schönen (oder auch ein paar weniger schönen) Applikationen zu verdanken. Erst durch das Öffnen der Netzwerke für Dritt-Anwender ist die breite Masse bereit, sich damit zu beschäftigen. Viele kleine Tools verschönern den digitalen Alltag. Es werden Mashups für virale Kampagnen entwickelt oder einfach nur Spiele mit Freunden gespielt.

Wo viele noch von einem Phänomen sprechen, sind andere schon längst einen Schritt weiter und entwickeln komplexe Anwendungen für die Industrie, damit die neue Herausforderung besser zu bewältigen ist.

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Polyvore ist eine Mode-Portalplattform, basierend auf Empfehlungsmarketing. Innovativ ist, dass der User auf seinem Account per Drag & Drop seine Kollektionen zusammenstellen und auf Facebook veröffentlichen kann. Freunde dem User können ihre Meinungen mitteilen, ob sie die Kollektionen sexy finden oder eben doch nur daneben. Der User ist somit sein eigener Chefredakteur. Wenn man schon bereits einen Facebook-Account hat, dann entfällt der Anmeldeprozess bei Polyvore. Einfach nur seinen Usernamen und Passwort eingeben und ‚zack‘ man ist verbunden.

Die Tech-Kreativschmiede eblizz bringt im Spätsommer eine White-Label-Plattform auf den Markt, so dass sämtliche API unterstützende Netzwerke bereits auf der Webseite einbindet.

Basierend auf Silverlight-Technologie kann der User durch Drag & Drop nicht nur seinen eigenen Content generieren, sondern auch einzelne Informationen schnell und unkompliziert an seine Freunde in mehreren Netzwerken weiterempfehlen. Es kann entweder ein Sneaker, Videoclip von seiner Lieblingsband oder auch ein interessanter Artikel aus einer Fachzeitschrift sein. Alles in seiner Originalform, nicht kleine Links, sondern wahrlich auch ganze Internetseiten mit ihren Werbeplätzen. Somit verlängert sich das Leben des Contents und macht es daher auch für Werbeanzeigepartner attraktiver.

Hier zeigt sich, dass eblizz wirklich sehr weit voraus gedacht hat und nicht nur eine spezielle Branche anspricht, sondern branchenübergreifend eine Lösung anbietet. Die so genannten Markenbotschafter verteilen ihre Message leichter und einfacher in ihren Netzwerken ohne die üblichen Prozeduren der Anmeldungen vor sich zu haben. Ich bezeichne es als ‚One-click-recommendation‘!

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Otto, Quelle und Co. sollten sich schleunigst Social-Media-Experten ins Team holen, die diese Materie auch wirklich verstehen und Bedürfnisse erkennen. Auch die ständig jammernde Musikindustrie sollte sich mit den oben genannten Möglichkeiten beschäftigen. Endlich ist die Chance da wieder ihrer vorhandenen Community einen Grund zu liefern, Geld auszugeben.

Amazon, Vorreiter der Social Commerce Bewegung, hat sich mit dem Kauf von zappos.com für die Zukunft gut aufgestellt. Wie sagte Jeff Bezos in seiner Ankündigung, warum der Deal für Amazon richtig ist: Jeder Tag Online ist der Tag 1 im Handel! Ich bin gespannt und freu mich auf die Entwicklungen, auch wenn ich hier und da mit überhöhten Lobpreisungen von kongenialen Produkten leben muss. Einige davon sind es eben doch. Kongenial!

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Gastautor: Armin Towfigh Nia //ted paulson

Armin kann nicht oft genug erwähnen, dass er 1985 die ersten NIKE Air Jordan in Deutschland getragen hat. Seine Mutter besorgte ihm das Paar direkt aus den heiligen Hallen in Portland/Oregon. Obwohl zwei Nummer zu groß trug er sie selbstverständig nur aus einem Grund: „Schaut, wie cool ich bin!!”

Rückblickend war dieses Erlebnis seine erste Markenerfahrung. Ein emotionaler Moment! Eine Rohfassung von ‚Socializing‘.

Noch immer ist er süchtig nach Marken und mittlerweile nicht mehr alleine mit der Sucht. Mit Gleichgesinnten über Marken, Produkte oder Ideen zu sprechen, macht ihm einfach nur Spaß. Seine inhabergeführte Agentur ted paulson beschäftigt sich mit Themen wie soziale Medien, virales Marketing und Branded Entertainment. Unter den Kunden sind Nike, Sportswear International, Völkl, Golf Punk Masters, Take 2, Prof. Hannes Wettstein/ZKM, Stylepark AG, Deutsche Telekom AG, VDA, Nestle AG.

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