Wachstumsbremse Multichannelmarketing?

Verfasst am 26. Mai 2010 von .

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Nochmal kurz zur Erinnerung: Durch ein Multichannelmarketing wird versucht Endkunden über verschiedene Wege zu erreichen –  in der Regel sind dies Vertriebs, Leistungs oder Kommunikationskanäle. Diese Strategie kann vorteilhaft sein, um zum Beispiel neue Kundengruppen zu erschließen oder bestehenden Kunden mehr Komfort bei ihrer Bestellung zu bieten.

Eines der Hauptproblemfelder des Multichannelmarketings ist die Kannibalisierung, bei der ein Unternehmen mit sich selbst konkurriert, weil ein Kanal mehr genutzt wird, als ein anderer. Aus Vorsicht wählten Unternehmen eine „ausgewogene Mehrkanalstrategie“, bei der jeder Weg dem anderen nicht entgegensteht.

Der Onlinehandel wurde dabei weitestgehend vernachlässigt. Die ernüchternde Erkenntnis folgte: Laut dem Schweizer E-Commerce Report 2010 der Fachhochschule Nordwestschweiz wurde gerade diese Strategie als Wachstumsbremse entlarvt.

Eine Absage an das Multichannelmarketing bedeutet dies jedoch nicht:

Einige der betroffenen Firmen stehen mitten in äusserst anspruchsvollen Neupositionierungen. Sie nehmen jetzt eine gewisse Selbstkannibalisierung in Kauf und versuchen, die verschiedenen Verkaufskanäle so aufeinander abzustimmen, dass durch ein vorteilhaftes Zusammenspiel das Leistungsniveau insgesamt erhöht werden kann.

Eine Strategie in Richtung des Kanals, der sich in einem Wachstumsmarkt befindet, ist hier entscheidend für den Erfolg. Diesen Sinneswandel beschreibt auch Jochen Krisch in einem seiner neusten Blogeinträge mit der Hoffnung darauf, dass dieser anhält.  Die Frage ist natürlich immer noch, ob ein Multichanneling sinnvoll ist und wenn ja, wie die Kanäle miteinander kombiniert werden.

Einige positive Beispiele aus Deutschland gibt es bereits, so wie Tchibo oder die Supermarktkette Plus, die das E-Commerce-Potential ausnutzen. Das Onlineangebot deckt sich hier nicht hundertprozentig mit dem stationären Handel. Die Käufer können aus einer breiten Produktpalette wählen, die nicht in vollem Umfang in den Filialen erhältlich ist. Das Angebot stellt hier eine Erweiterung des stationären Sortiments dar, weshalb der Kanibalisierungseffekt wohl eher gering ausfällt.

Zu hoffen bleibt aber dennoch, dass dieser generelle Wandel nicht nur hauptsächlich den befragten Schweizer Unternehmen vorbehalten bleibt.

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Kategorie: Versandhandel


4 Reaktionen zu “Wachstumsbremse Multichannelmarketing?”

  1. Thomas Lang

    Am 26. Mai 2010 um 09:41 Uhr

    Das Multi-Channel-Marketing hat sicher in dieser Form ausgedient. Das geschickte Kombinieren einzelner Channels wird zum Erfolg führen, v.a. auch das Multi-Channel-Fulfilment. In Frankreich auch bekannt unter dem Begriff “Drive-In E-Commerce”, “Click and Collect” und andere Bezeichnungen.

  2. Jan

    Am 26. Mai 2010 um 15:06 Uhr

    Daran erkennt man nur, dass die Offline-Marketeer der Entwicklung um Jahre hinterher hinken. Im Online-Marketing spielt die Allokation von Budgets anhand des Zusammenspiels von cross-channel-Kampagnen seit geraumer Zeit eine große Rolle.

  3. Carsten aus Göttingen

    Am 27. Mai 2010 um 15:10 Uhr

    @ Jan da hast du Recht!

    Oft hat man das Gefühl hier wurde einfach geschlafen.

  4. Blogschau: Die eCommerce-Artikel der Woche (KW 21)

    Am 28. Mai 2010 um 09:03 Uhr

    […] Wachstumsbremse Multichannelmarketing? […]

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