FineCotton.eu im Test: Maßhemden online konfigurieren

Shoptest FinecottonDas Thema Mass Customization ist im Fashion-Bereich ein alter Hut. Geschichtlich betrachtet ist der Zeitraum, in der man Mode von der Stange kaufen kann, recht kurz. Kein Wunder also, dass die Maßanfertigung im E-Commerce ein Revival erlebt. Mode zu personalisieren, in Passform und Design, hat sich auch das Aachener Startup Fine Cotton zum Geschäftsmodell erwählt. Die Premium-Marke für maßgeschneiderte Hemden gibt es seit 2010.
Wir haben den Service getestet.

Maßnehmen will gelernt sein – Informationen und Service als A und O

Um Maßanfertigungen über das Internet möglich zu machen, sind vor allem zwei Dinge wichtig: Information und Service. Diese beiden Faktoren begegnen uns bei Fine Cotton während des Bestellprozesses und darüber hinaus immer wieder. Schließlich besteht ein Hemd aus zahlreichen Teilen, die dem Auge eines Laien nicht mal auffallen, potenziell jedoch allesamt personalisiert werden können. Wie vielfältig das sein kann, zeigt die “Maßhemdengallerie”.

Wir entscheiden uns, den Konfigurator selbst anzuwerfen und begeben uns ins “Atelier”. Bevor es richtig losgehen kann, muss allerdings noch vermessen werden. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, die alle ausführlich erklärt werden: Körpermaße eingeben, eine Standardgröße verwenden, ein passendes Hemd vermessen, oder – für ganz Bequeme – einschicken und vermessen lassen. Perspektivisch wäre das Thema Passform ein Anknüpfungspunkt für die virtuelle Anprobe.
Wir entscheiden uns, ein bereits vorhandenes Hemd (es handelt sich um das aus unserem letzten Shoptest) als Vorlage zu nehmen und tragen die Maße ein.

Der Konfigurator: Verspielt, aber nicht ohne “Joy of Use”

Jetzt kann es aber losgehen. Im Atelier stoßen wir auf eine sehr große Stoffauswahl, die wiederum in unterschiedlichen Qualitätsstufen zu haben ist. Es wird deutlich, wie groß die Kombinationsmöglichkeiten sind. Die Einzelteile eines Hemdes werden in Grafiken visualisiert und über Hoverpunkte zusätzlich erläutert. Wir entscheiden uns dafür, mit Kontraststoffen und -nähten zu arbeiten und gönnen uns noch zwei kleine Stickereien.

Etwas schade, dass die gewählten Stoffe im Konfigurator nicht sichtbar sind, das Hemd ist weiß, die gerade bearbeitete Stelle rot. Wir sind uns also bis zum Abschluss der Konfiguration nicht ganz sicher, wie unsere Farbwahl und Individualisierungsversuche tatsächlich wirken. Erst wieder in der allgemeinen Vorschau können wir das fertige Hemd sehen.
Der Konfigurator selbst erscheint ein wenig verspielt. Die Symbole, wie etwa die kleine Garnrolle, sind nicht gleich ersichtlich. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit wirkt die Idee, die Materialien stilecht zu visualisieren, elegant gelöst. Das Vorschaubild daneben sorgt für Orientierung.

Cross-Selling wird vorbildlich umgesetzt

Insgesamt hat uns die Konfiguration Spaß gemacht, der Shop ist performant und aufgeräumt, ohne nüchtern zu wirken. Nach ein wenig Herumprobieren sind wir zufrieden und bestellen. Vorbildlich: Im Warenkorb wird die Chance für Cross-Selling nicht verschenkt, das passende Einstecktuch in Kontrastfarbe sowie ein Krawattenhalter werden vorgeschlagen. Irritierend ist nur die Gebühr für den Rechnungskauf – 3 Euro erscheinen im Premium-Segment wenig plausibel (und etwas antiquiert). Beim Bestellabschluss wird wieder mitgedacht – wir werden auf die Geschenkebox für den Vater/Bruder/Freund oder Geschäftspartner aufmerksam gemacht. Nette Idee.

Das Ergebnis…fast

Nun heißt es warten – die Bearbeitungszeit beträgt 20 Arbeitstage. Und tatsächlich, vier Wochen später erhalten wir Post von Fine Cotton. Die elegante Versandtasche nehmen wir positiv zur Kenntnis und auch das hochwertige Hemd. Dann ein kleiner Dämpfer – es ist etwas weit und die aufgesetzte Brusttasche gefällt beim Tragen doch nicht. Wir müssen also von der “Perfekte-Passform-Garantie” Gebrauch machen und schicken das Paket zurück. Als Erstbesteller, der individuelle Maße angegeben hat, steht uns die kostenlose Überarbeitung zu.

Shoptest FinecottonShoptest Finecotton

Zwei Wochen später ist das Hemd wieder da und sitzt wie gewünscht. Die Tasche wurde entfernt. Einstecktuch und Krawattenhalter gefallen auch und werden sicher bei der nächsten E-Commerce Gala zum Einsatz kommen 😉

Fazit

Insgesamt haben Fine Cotton bei uns einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Was Produktqualität, Versand und Service angeht, blieben keine Wünsche offen. Das hat spätestens der unfreiwillige Servicetest bewiesen. Für das Premiumsegment ist dieses Level an Aufwand und Entgegenkommen natürlich wünschenswert.

Durch die gut aufbereiteten Informationen und den Konfigurator haben wir sogar etwas über Hemden gelernt. Das Thema Emotionalisierung könnte von letzterem noch besser bedient werden, bei der Visualisierung gibt es noch Luft nach oben. Verschenktes Potenzial, denn das selbst designte Hemd zu tragen macht Laune und ist definitiv ein emotionales Thema.

Besonders für Kunden, die noch kein Maßhemd in Auftrag gegeben haben, wäre es sicher hilfreich, das Thema Maßnehmen noch weiter auszubauen. Wie in unserem Beispiel geht es vermutlich nicht wenigen Neukunden so, dass man sich schnell verschätzt. Hier sei auch die Option, Mass Customization mit virtueller Anprobe zu verbinden, erwähnt.

Ansonsten bedanken wir uns bei Fine Cotton für die freundliche Zusammenarbeit und wünschen weiterhin gutes Gelingen!

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