Paradox: Wer Artikel teilt, hat eine geringere Readtime

Verfasst am 29. Oktober 2014 von .
Soziale Netzwerke

Grafik: Tanja Scherm

Wer einen Artikel teilt, hat diesen Artikel auch gelesen. Richtig? Falsch! Einer Studie von Chartbeat zu Folge sind gerade die Personen, die einen Artikel über soziale Netzwerke teilen, die Leser mit der kürzesten Readtime. Paradox daran ist, dass Personen, die die Artikel nicht geteilt haben, offensichtlich die aufmerksameren Leser sind. Was bedeuten diese Ergebnisse für Native-Advertising-Enthusiasten?

 

Die Reichweite ist nicht entscheidend

Die Studie von Tony Haile von Chartbeat kommt auf das Ergebnis, dass die Reichweite eines Artikels nichts damit zu tun hat, ob ein Artikel gelesen wurde oder nicht. In der Studie wurden 10.000 geteilte Artikel ausgewertet. Untersucht wurde dabei die Dauer, die Nutzer auf der Seite des Artikels verbrachten. Folgende Grafik, die im Artikel mit dem Namen What you think you know about the web is wrong erschien, zeigt das Ergebnis.

Je geringer die Readtime eines Artikels, desto öfter wird dieser geteilt. Im Gegenzug dazu werden Artikel, die lange gelesen werden, nur selten geteilt. Klingt zwar paradox und die Ergebnisse lassen natürlich allerlei Vermutung aufkommen. Zum Beispiel über die allgemeine Qualität eines Artikels: Je länger man liest, desto geringer wird das Bedürfnis den Inhalt mit Freunden zu teilen. Die Reichweite in sozialen Netzwerken mag zwar die Klickrate nach oben treiben, aber der Inhalt des Textes rückt in den Hintergrund. Das kann vor allem der Werbeform Native Advertising zum Verhängnis werden.

Was bringt dann noch Native Advertising?

Dass Social-Media-Marketing wichtig ist, will ich gar nicht bestreiten. Basierend auf den Zahlen von Tony Haile muss man allerdings kritisch mit der Kombination Native Advertising und Reichweite in sozialen Kanälen umgehen. Je öfter ein Artikel geteilt wird, desto geringer ist der Effekt der im Content verwobenen Native Ad. Denn wenn die Lesezeit gering beziehungsweise nicht vorhanden ist, hat die Seite vielleicht viele Klicks, doch die im Text vorhandene Werbung wird von den Lesern gar nicht erst wahrgenommen.

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Kategorie: Online Marketing


6 Reaktionen zu “Paradox: Wer Artikel teilt, hat eine geringere Readtime”

  1. Iris Kombeny

    Am 29. Oktober 2014 um 15:56 Uhr

    Danke für diesen Post, sehr interessant! 🙂

  2. Manuela Potthast

    Am 29. Oktober 2014 um 22:42 Uhr

    Ich las …schnell und teile …dennoch.

  3. Marco De Micheli

    Am 2. November 2014 um 14:38 Uhr

    Interessanter Beitrag. Könnte daran liegen, dass das Interesse dieser Leser mehr auf Contentpromotions-Interessen denn am Thema und Inhalt liegt und einfach mal schnell darauf los geklickt wird, um Reichweite und Beachtung zu erzielen.

    Sehr richtig auch, dass die Reichweite als quantitativer Faktor überschätzt wird. Nicht Masse, sondern Beachtung durch Qualität und Ansprache der richtigen Zielgruppen sind wichtig,beispielsweise ob man bei die Kernzielgruppen anspricht.

  4. Sven

    Am 3. November 2014 um 17:39 Uhr

    Der letzte Abschnitt gibt mir ein wenig zu denken.

    “Denn wenn die Lesezeit gering beziehungsweise nicht vorhanden ist, hat die Seite vielleicht viele Klicks, doch die im Text vorhandene Werbung wird von den Lesern gar nicht erst wahrgenommen.”

    Schreibe ich einen Text, um damit nur Werbung zu vermarkten, oder geht es mir im Text um den Inhalt? Wenn tatsächlich die Werbung das primäre Ziel und der Inhalt nur das sekundäre Argument ist, dann braucht mensch sich nicht zu wundern, wenn Artikel, die bis zum Schluss gelesen wurden, nicht geteilt werden, denn dann kann der Inhalt nicht gut sein.

    Ich würde zum Beispiel keinen Artikel nur wegen der Überschrift teilen. Geteilt wird bei mir nur, was ich persönlich interessant fand und was mir wichtig ist, es anderen Leuten mitzuteilen. Wenn ich einen Artikel teile, dann sollte ich auch den Inhalt kennen.

  5. Nico Saborowski

    Am 4. November 2014 um 13:39 Uhr

    Es gibt auch Artikel bei denen die Werbung im erstem Moment nicht klar zu erkennen ist. Stichwort: Native Advertising

    Mein aktuelles Lieblingsbeispiel ist übrigens dieser Artikel:
    http://www.buzzfeed.com/opelde/adamrocks-german-1

    Der Inhalt hat nicht viel mit dem Werbenden zu tun.

  6. Stephan Porombka - Von Deep Attention zu Hyper Attention. Warum man nicht alle Texte gelesen haben muss, die man teilt und retweetet.

    Am 11. November 2014 um 10:31 Uhr

    […] alles ist Rüstzeug genug, um einen kurzen Artikel zu verstehen, der gerade durch das Netz gereicht wird. Er präsentiert das Ergebnis einer […]

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