Es ist soweit: Amazon macht uns zu Stubenhockern

Verfasst am 8. April 2015 von .

Der Amazon-Dash-Button mit Tide-Brand.

Der Amazon-Dash-Button mit Tide-Brand.

Amazon gibt sich in letzter Zeit wieder sehr umtriebig und sorgt für eine News nach der anderen – Daily Business werden manche sagen. Für Ablenkung vom Arbeitskampf sorgt Bezos Truppe demnach selbst. Fernab streikender Mitarbeiter sollte man sich die neuen Produkte, Investments und Dienste des Onlinehändlers aber einmal genauer anschauen. Denn die treiben vor allem stationären Händlern die Tränen in die Augen und sorgen dafür, dass wir nie wieder das traute Heim verlassen müssen.

Internet of Things muss sein

Wenn man von Hype-Themen spricht, die die Zukunft bedeuten, darf man das Internet of Things keinesfalls vergessen. Mit dem Amazon Dash hat der Konzern schon letztes Jahr erste Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt. Auch Amazon Echo war ein Schritt in ein voll vernetztes Zuhause, das man für Einkäufe nicht mehr verlassen muss. Doch die Hiobsbotschaft für stationäre Händler ist damit noch nicht zu Ende – zumindest wenn es nach Amazon und dessen Weiterentwicklung des Dash Replacement Services geht.

Persil alle? Dash-Button drücken und am nächsten Tag kommt ‘ne neue Packung. Einfacher geht es kaum. 30 Minuten hat man noch Zeit, seine kurzfristige Kaufentscheidung rückgängig zu machen. Den Button für Mars, Bounty, Milky Way und Co. sollte man aber trotzdem gut verstecken, vor allem wenn Nachwuchs im Haus ist oder die Selbstdisziplin trotz ausgiebiger Freeletics-Nutzung gen Null geht. Außerdem wird einem die Entscheidung, welche Marke man kauft, abgenommen: Wer zuerst kommt, klebt als erstes auf Kühlschrank, Waschmaschine und Co.

Noch befinden sich die Dash-Buttons im Test. Wann in Deutschland mit einem Start gerechnet werden kann, bleibt abzuwarten. Hier spielt sicherlich einmal mehr die German Angst eine entscheidende Rolle. Erste Dash-Buttons gehen in den U.S.A. übrigens an ausgewählte Prime-Kunden, wo wir schon beim nächsten Ding wären.

Prime. Prime ist überall!

Mit Amazon Prime zeigt der Onlinehändler, wie man Kunden dauerhaft an sich bindet. Kostenloser Versand, Instant Video, Kindle-Leihbücherei, spezielle Angebote und noch mehr Vorzüge, die man für das Abo erhält. Als ob das nicht reicht, baut Amazon den Inhalt des Prime-Abos aber kontinuierlich aus.

Amazon Prime

So sollen Prime-Kunden in Zukunft kostenlosen Zugriff auf sonst kostenpflichtige Android-Apps erhalten. Wird man so dem Google Play Store gefährlich? Im Januar 2015 befanden sich immerhin 293.000 Anwendungen im Amazon Appstore. Google wartet hingegen mit 1,2 Millionen Android-Apps auf. Dass Amazon das Projekt Appstore so vehement durchzieht, ist dennoch beachtlich.

Die Verbindung mit Prime ist deshalb auch nur folgerichtig, bringt sie doch gleich zwei Vorteile:

  • Der eigene Appstore generiert mehr Downloads und gewinnt an Relevanz.
  • Kostenlose Apps als letzter Anreiz für Kunden sich doch ein Prime-Abo einzurichten.

Apropos Apps: Den Streaming-Dienst Instant Video gibt’s jetzt auch als Android-App für Tablets. Man will Netflix und Co. das mobile Schlachtfeld ja nicht kampflos überlassen, werden Video-on-Demand-Dienste doch zunehmend auf mobilen Geräten genutzt.

Über Amazon Prime spricht übrigens auch Jochen Krisch ausgiebig in seinem Exchange-Podcast zum Thema “Ist Amazon bereit für die nächsten Sprünge?“.

Heute im Angebot: Dienstleistungen

Mit Amazon Home Services bietet der Onlinehändler nun auch Dienstleistungen an. Das Angebot, das vorläufig nur in den U.S.A. zur Verfügung steht, ist groß: Vom Klempner über Hausreparaturen bis hin zu Elektronikern, die einem das Autoradio einbauen. Dienstleister, die sich über Home Services anbieten, hoffen derweil auf mehr Aufträge, da alleine schon der Markenname “Amazon” für Vertrauen bei den Kunden sorgt.

Schon in einem Großteil U.S.A. sind Dienstleistungen via Amazon Home Services bestellbar.

Schon in einem Großteil der U.S.A. sind Dienstleistungen via Amazon Home Services bestellbar.

50-70 Millionen US-Dollar für Computerspiele

Kein Terrain bleibt unberührt – so die offensichtliche Wachstumsphilosophie von Jeff Bezos. Trotzdem wundern sich viele, dass der Onlinehändler im letzten Jahr für immerhin 1 Milliarde US-Dollar den Streaming-Dienst Twitch gekauft hat. Überwiegend werden hier Events aus der wachsenden eSports-Branche übertragen. Aber wieso nur übertragen, wenn man Spiele auch selber produzieren könnte? Bei Serien scheint das ja auch zu klappen.

Gerüchten zufolge soll Amazon demnach 50-70 Millionen US-Dollar in das angeschlagene Unternehmen Crytek investiert haben. Aber natürlich nicht uneigennützig. Im Gegenzug verspricht man sich die Nutzung der CryEngine, mit der Spiele wie Crysis oder auch Star Citizen, das durch Crowdfunding schon über 70 Millionen US-Dollar sammeln konnte, umgesetzt wurden. Vorstellbar ist eine komplette Multimedia-Lösung: Fire TV mit Spielen von Amazon… und ist die Chipstüte leer, drückt man den Pringles-Dash-Button.

Das Haus muss man nicht mehr verlassen

Amazon hatte schon immer ein Faible für Einfachheit. Auch die neuen Dienste zeigen das vorbildhaft. Des Weiteren geht der Trend in Richtung “Stubenhocker”. Nicht einmal mehr für ‘ne Packung Waschmittel muss man das Haus in Zukunft verlassen, Dienstleistungen jeglicher Art sind mit wenigen Klicks bestellt und während man auf die Lieferung wartet, kann man sich die Zeit mit Amazon-Games auf dem Fire TV vertreiben, schaut die neueste Staffel einer von Amazon produzierten Serie oder unterhält sich mit Alexa.

Jede Woche ein neuer Bereich – so macht es Spaß zuzusehen, wie Amazon seine Wachstumsstrategie knallhart durchzieht. Was am Ende übrig bleibt, wird sich noch zeigen. Doch eins ist sicher: Stationäre Händler müssen sich noch wärmer anziehen als sonst, auch wenn der Winter vorbei ist.

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3 Reaktionen zu “Es ist soweit: Amazon macht uns zu Stubenhockern”

  1. Sina Buhl

    Am 8. April 2015 um 16:45 Uhr

    Hey nico,

    ich muss auch ehrlich zugeben, dass die neuen Produkten von Amazon uns zu Stubenhockern macht 🙂 Eine bessere Überschrift hätte es einfach nicht geben können.

    lg
    Sina

  2. Nico Saborowski

    Am 10. April 2015 um 12:05 Uhr

    Aber zum Glück hat es (noch) jeder selbst in der Hand auf einen Button zu drücken oder zu Lidl um die Ecke zu gehen 🙂

  3. Regina

    Am 14. April 2015 um 11:09 Uhr

    Ja, Lidl ist totaaal toll.
    Und Aldi und Penny und Co:
    Erst darf ich mich durch den Verkehr quälen,
    dann einen Parkplatz suchen,
    einen siffigen Einkaufswagen leihen,
    meilenweit durch den stinkenden Laden rennen,
    mit grausiger Werbung vollgebrüllt werden,
    mich an der Kasse abrackern – Zeug drauf,
    gleichzeitig einpacken und zahlen – zum Parkplatz,
    Wagen ausladen, Leihwägelchen zurückschippern……..

    Mache ich ja sooooo gerne.

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