Raus aus den Kinderschuhen: Wie Unternehmen Messenger Apps für ihre digitale Kommunikation nutzen können

Verfasst am 11. November 2015 von .

Messenger Apps wie Whatsapp oder WeChat zählen weltweit zu den beliebtesten Handyapplikationen. Mit monatlichen Nutzerzahlen von bis zu 700 Millionen Anwendern bieten sie auch für Unternehmen ein enormes Potential. Doch was genau ist möglich?

700 Millionen Nutzer weltweit

In Deutschland haben Whatsapp und der Facebook-Messenger noch die Nase vorn. Und das ist vermutlich auch der Grund, weswegen Mobile-App-Marketing hier noch ganz am Anfang steht. Denn beide Messenger bieten kaum Potential für kommerzielle Nutzung.

Nutzeranteil bei Mobile Messengern weltweit

Nutzeranteil bei Mobile Messengern weltweit

Whatsapp

Mit 35 Millionen Nutzern ist Whatsapp der beliebteste Nachrichtendienst in Deutschland und auch eine der meist genutzten Apps. Seit kurzem gibt es eine Desktop-Anwendung und auch der grüne Share-Button taucht immer häufiger auf einschlägigen Webseiten auf. Mit dem Share-Button können Nutzer Nachrichten oder Produkte unkompliziert und schnell mit Kontakten teilen. Eine Funktion, die sich Firmen wie Douglas bereits erfolgreich zu Nutze machen.
Zudem fungiert der Messenger mit Hilfe von Broadcast-Listen als eine Art Newsletter. Der News-Kanal n-tv bietet diesen Service bereits an und sendet interessierten Nutzern Infos zum aktuellen Zeitgeschehen. Aber auch Online-Shops haben diese Form des Push-Marketings für sich erkannt und versenden Rabattgutscheine und neue Angebote an ihre Abonnenten.


Eine weitere Möglichkeit, Whatsapp effektiv als Unternehmen zu nutzen, ist der persönliche Kundenservice und die Beratung. Ein Positiv-Beispiel ist hier eine Initiative der Leipziger Universität, die ihr Marketing-Konzept um eine individuelle Whatsapp-Beratung erweitert hat. Ziel war es, junge Menschen für Studiengänge in ostdeutschen Städten zu gewinnen. Der Service wurde gut angenommen und hat gut messbare Ergebnisse erzielt.

Da der Messenger bisher nicht in andere Systeme eingebunden werden kann, ist die Nutzung als Service-Kanal allerdings sehr aufwändig und teuer.
Ein weiterer großer Nachteil besteht in den Nutzungsbedingungen von Whatsapp: Diese untersagen eine kommerzielle und gewerbliche Nutzung der App. Daher befinden sich Unternehmen, die derzeit Marketing über den Kurznachrichtendienst betreiben in einer Art Grauzone. Die Konsequenz kann bedeuten, dass der Account des Unternehmens gelöscht wird.

Facebook-Messenger

Was als ungeliebtes Übel für Textnachrichten begann, hat sich mittlerweile zum Allround-Talent der Online-Kommunikation gemausert. Wie beim deutschen Marktführer Whatsapp können Audio- und Videobotschaften versendet und zahlreiche Social-Media-Funktionen genutzt werden. Zudem hat Facebook die Anwendung für Entwickler zugänglich gemacht. Diese ermöglicht das Einbinden von eigenen Programmen, wie Spielen oder ganzen E-Commerce-Systemen.

Durch datenschutzrechtliche Hürden lässt sich der Messenger leider noch nicht optimal nutzen. Facebook arbeitet daher intensiv an der Öffnung für unternehmerische Zwecke und könnte sich bald als ganzheitliches Kommunikationssystem für Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen etablieren.

Snapchat

Der Fotodienst ist besonders bei der jüngeren Generation sehr beliebt, bietet aber auch für Unternehmen Potential. Kommerzielle Anbieter können Unternehmensprofile erstellen und Bilder an ihre Follower senden. Die Washington Post nutzt dieses Angebot bereits sehr erfolgreich und veröffentlicht täglich die neuesten Nachrichten.

Aber auch die Fastfood-Kette Taco Bell hat Snapchat für sich entdeckt und zeitlich limitierte Gutscheine an seine Abonnenten verschickt. Bisher wird Snapchat von Unternehmen nur verhalten genutzt, da die Möglichkeiten noch begrenzt sind. Mit der Einbindung des Bezahlsystems Snap-Cash könnte sich das jedoch schlagartig ändern.

Die asiatischen Messenger-Apps machen es vor: WeChat & Line

Der chinesische Anbieter WeChat hat den Markt für Unternehmen bereits erkannt und bedient diesen mit gleich mehreren Features. Mit dem Abonnement-Account lassen sich Broadcast-Listen erstellen, in denen Firmen den Nutzern zahlreiche verschiedene Daten zur Verfügung stellen können. Die Bandbreite reicht von Mini-Webseites wie beispielsweise einen kompletten Flugportal oder einer Kundenkarte, die deutlich mehr Funktionen hat, wie ihr materielles Pendant aus dem Portemonnaie. Eine weitere interessante Option ist der Service-Account. Mit diesem lässt sich indivicueller Kundenservice via Mobile Messenger betreiben.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, 4 werbliche Nachrichten pro Monat an angemeldete Nutzer zu versenden. Kleiner Wehrmutstropfen: Die Unternehmensprofile sind in Chinesisch und international unterteilt. Um die scharfen Restriktionen in Bezug auf das Internet im Reich der Mitte nicht zu verletzen, haben chinesische Nutzer keine Möglichkeit, auf internationale Accounts zuzugreifen.

Die japanische Firma Line bietet zum einen offizielle Konten an, die sowohl beworben, als auch abonniert werden können. Prominente Beispiele sind Coca Cola in Spanien und McDonalds in Japan. Beide Unternehmen haben mittlerweile Abonnentenzahlen im sechsstelligen Bereich – Tendenz weiter steigend. Der zweite interessante Bereich sind sogenannte Line-Sticker, kleine Bild-Text-Nachrichten, die sich optimal als Branding nutzen lassen. Beide Bereiche werden kontinuierlich ausgebaut und mit immer neuen Anwendungen erweitert.

Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht

Wir dürfen definitiv gespannt sein, mit welchen Features die Betreiber der Messenger-Apps deutsche Unternehmen in naher Zukunft beglücken werden. Wahrscheinlich ist allerdings, dass sie zu einer der wichtigsten Beratungs- und Verkaufsplattformen avancieren. Grundvoraussetzung für diese Entwicklung ist jedoch, dass sich die Nutzungsbedingungen für Unternehmen auf dem deutschen Markt öffnen und auch die datenschutzrechtliche Lage geklärt wird.

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Eine Reaktion zu “Raus aus den Kinderschuhen: Wie Unternehmen Messenger Apps für ihre digitale Kommunikation nutzen können”

  1. Thomas Schuster

    Am 3. Dezember 2015 um 07:05 Uhr

    Danke fürs zusammentragen dieser Infos. Die unklare Rechtslage ist eine der größten Hürden für eine kommerzielle Nutzung im Marketing. Vermutlich betrachten auch viele User die Messenger als private Zonen, in denen “Werbung” eher wenig Akzeptanz findet. Spannend ist das Thema jedoch schon.

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