E-Food: Kaufland wendet sich entschieden dem Online-Geschäft zu [5 Lesetipps]

Verfasst am 17. Oktober 2016 von .

Quelle: ehaurylik - Fotolia

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Der Grad der Digitalisierung einer Gesellschaft lässt sich an der Zahl der alltäglichen Aktivitäten messen, die digital werden. Das ist einer der Gründe, warum wir bei Handelskraft den E-Food-Markt gründlich studieren und regelmäßig die spannenden Online-Food-Offensiven verfolgen, die traditionelle deutsche Supermärkte (Rewe, Lidl, Edeka, Aldi und Kaufland) in den letzten Jahren Monaten mit einem Auge auf dem bevorstehenden Launch von Amazon Fresh in Deutschland starten.
 
Der letzte, der in diesem erbitterten Rennen einen Schritt nach vorn wagte, war Kaufland: Das Unternehmen testet einen neuen Lieferservice in Berlin. Damit haben Berliner Kunden nun vier Supermärkte zur Auswahl, um frische Lebensmittel online zu bestellen und direkt nach Hause geliefert zu bekommen.

Kauflands innovativer Schachzug: Ein zentrales Fulfillment-Center

Um in Berlin von Montag bis Samstag (zwischen 7 und 22 Uhr) Lebensmittel zu liefern, hat sich die Supermarktkette entgegen der ursprünglichen Erwartungen entschieden, einen innovativen Schritt zu gehen und auf ein amazonähnliches Fulfillment-Center zu setzen – Im Gegensatz zu ihren Wettbewerbern, die stattdessen die georderten Waren in bestehenden Märkten kommissionieren lassen.

Quelle: EHI

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Um diesen Service noch zu festigen, ist Kaufland außerdem nicht nur dem Club der Händler mit eigenem Fuhrpark beigetreten – ein zunehmend beliebtes System im Online-Lebensmittelhandel – sondern soll seine Fahrzeugflotte auch direkt abfahrbereit vor seinem Lieferlager bereitstellen.
 
 
Dieser clevere, aber riskante Schritt ist ein Beispiel für die aktuelle Haltung zur Digitalisierung und zeigt deutlich, wie ernst es Kaufland mit seiner Online-Offensive ist.
 

Den Wettbewerb aufrütteln

Kaufland optimiert seine bereits bestehenden Angebote in zahlreichen Kategorien. Wettbewerb, erzitter!

  • Das Sortiment, aus dem Kunden wählen können, umfasst derzeit 10.000 Produkte. Eine weitaus höhere Zahl, als etwa Real seinen Kunden bietet – hier gibt es nur 5.000 Produkte.
  • Obwohl der Mindestbestellwert wie bei der Kokurrenz (z.B. Rewe) bei 40 Euro liegt, bietet Kaufland ab einem Warenkorbwert von 100 Euro kostenlose Lieferung an. Das dürfte besonders Rewe treffen, immerhin hat das Unternehmen die kostenlose Lieferung erst kürzlich abgeschafft.
  • Kaufland rührt außerdem kräftig die Werbetrommel, um neue Kunden zu gewinnen. Der Supermarkt setzt die Versandkosten herab, indem die ersten drei Online-Bestellungen ohne Versandkosten angeboten werden (obwohl ab der dritten Getränke-Kiste der sogenannte Getränkeaufschlag erhoben wird). Außerdem gibt es auf die erste Bestellung noch einmal 10 Euro Rabatt.

Zudem plant Kaufland Abholstationen, die allerdings derzeit noch nicht in Betrieb sind.

Der E-Food-Markt ist noch immer untrennbar mit dem PC verbunden

Es zeigt sich viel Bewegung im E-Food-Markt. Traditionelle Player sehen zumindest Potenzial im Onlinekanal und wagen den Sprung in die digitale Welt.

Wie die jüngste EHI-Studie, bei der 35 Vollsortimenter (Fachhändler, Supermärkte und Abohändler) befragt wurden, allerdings zeigt, werden dabei nicht alle Potenziale voll ausgeschöpft.

So ist ein deutlicher Trend, dass Online-Supermärkte den Fokus noch immer auf den stationären Rechner legen. Nur 10 der 35 befragten Händler haben eine mobile Website und nur 5 von ihnen bieten eine für Smartphone oder Tablet optimierte App an.

Amazon Fresh wird stationär

Es lässt sich beobachten, dass traditionelle Händler verzweifelt online gehen, während Pure-Player sich dem stationären Geschäft zuwenden, um ihre Online-Services zu stärken.

Amazon, das bis Ende nächsten Jahres in den USA mit 100 Pop-up-Stores vertreten sein will, plant sein Lebensmittelgeschäft mit neuen stationären Märkten zu erweitern und, ähnlich wie Kaufland, Abholstationen für Kunden einzurichten, die einen schnelleren Checkout bevorzugen oder ihre Einkäufe einfach auf dem Heimweg abholen wollen.

Es zeigt sich also, dass diejenigen, die ständig innovieren und nach dem Trial-and-Error-Prinzip vorgehen, den Weg des Fortschritts bestimmen. Wir werden das Kaufland-Experiment im Auge behalten und auch weiterhin verfolgen, wie sich Amazons Offline-Pläne entwickeln. Bleibt dran!

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