Digital Twin: virtuelle Industrieanlagen als Superlativ für die Optimierung von Marketing, Vertrieb und Services

junge Frau mit Handyreihe als Spiegel
Quelle: pixabay

Die digitale Transformation bereichert uns im Akkord mit neuen Buzzwords und Herausforderungen. Internet of Things, klar. Digital Twin, wie bitte? Doch was steckt hinter den Zukunftsbegriffen? Sind sie tatsächlich so revolutionär, wie sie daherkommen?

Unter Digital Twin, dem digitalen Zwilling, wird weit mehr, als die bloße virtuelle Abbildung eines physischen Produkts verstanden. Mithilfe des Digital Twin lassen sich nicht nur die physischen Elemente, sondern auch die Dynamik und Prozesse dahinter virtuell spiegeln. Die Vorteile, die dieser virtuelle Repräsentant mit sich bringt, werfen ein vielversprechendes Licht auf den New Work-Horizont.

Aus Vision wird Realität

Haben wir zu Beginn des Jahrs noch gemutmaßt, welche Hypes uns 2018 beschäftigen werden, sind wir pünktlich zur Sonnenwende an dem Punkt, subjektive Trends in den ersten Umsetzungen wiederzufinden. Mit dem Digital Twin ist die nächste Station der Internet of Things Reise erreicht. Denn die virtuelle Akte eines solchen IoT-Geräts lässt Prognosen zu, die alle Phasen einer Wertschöpfungskette verbessern können.

Abbild ist nicht gleich Zwilling

Ob Service oder Instandhaltung – digitale Abbilder intelligenter Geräte existieren bereits. Bislang waren die virtuellen Repräsentationen jedoch nur einseitig sichtbar. Erst der Austausch zwischen Hersteller und Anwender macht aus separaten digitalen Abbildern »richtige« digitale Zwillinge. Dafür müssen die Daten des physischen Produktes beispielsweise über eine Cloud verfügbar sein. Die Analyse und Auswertung der Geräte-Informationen erfolgt so nicht nur einfacher und schneller, sondern wirkt sich auch positiv auf das große Ganze aus. Ob Hersteller oder Service-Anbieter, Betreiber oder Endkunde – alle Nutzer profitieren also vom digitalen Zwilling, da Abläufe und Prozesse disponibel und skalierbar sind.

Die digitale Nabelschnur

Physische und digitale DNA sind über ein Cloud-Portal erreichbar. Hersteller legen dort beispielsweise Dokumentationen und Anlage-Messwerte, Zertifikate und Handbücher ab. Wie das am Beispiel des SAP Asset Intelligence Network aussehen kann, erläutert Adrian Langlouis, Solution Architekt im Sektor für diskrete Industrien des deutschen Softwareherstellers:

» „Über den Scan des Barcodes einer Maschine gelangt der Betreiber einer Anlage an die digitale Maschinen-Akte, hat er Probleme mit einem Gerät, legt er darin ein Ticket an, schaut sich Ersatzteile in einem 3D-Modell an und kann die Teile direkt bestellen.“ «

Mithilfe des Portals ist es so möglich, beispielsweise Lieferprozesse zu optimieren, sollte die Bereitstellung eines Ersatzteils zu lange dauern. Denn dank der digitalen Nabelschnur stehen dem Betreiber Druckpartner zur Verfügung, die ihm innerhalb kürzester Zeit ein temporäres Ersatzteil, etwa in 3D-Druckverfahren fertigen und anschließend liefern können.

Die digitale DNA als proaktiver Service-Garant

Digital Twins helfen nicht nur dabei, bereits bestehende Probleme schneller und effizienter zu lösen. Sie bieten darüber hinaus die Möglichkeit, Schwierigkeiten beispielsweise bei der Bedienung eines Geräts von vornherein zu vermeiden. Dank der Betriebsdaten einer Maschine ist ersichtlich, ob die tatsächliche Nutzung mit der Konfiguration übereinstimmt. Inkorrekte Bedienungen eines Geräts können jedoch minimiert werden, indem der Hersteller über häufige Fehlerquellen Bescheid weiß, diese registriert und mit den entsprechenden Betriebsinformationen dem Kunden hilft, die Bedienung des Geräts zukünftig zu optimieren oder dem Hersteller zeigt, wie die nächste Generation bedienerfreundlicher wäre.

Dieser proaktive Blick trägt nicht nur dazu bei, die Nutzung an sich zu verbessern und Ausfälle zu verhindern, sondern auch, frühzeitig zu erkennen, ob ein anderes Gerät eventuell besser geeignet ist. Ist dies der Fall, müssen sich auch die Marketing-Räder neu drehen. Strategien zu Cross- und Upselling sollten als Konsequenz in Relation zum Nutzerverhalten stehen. Die Re-Integration der Betriebsdaten ins Marketing über SAP Hybris leistet diese Umstrukturierung und ermöglicht, schnell zu reagieren, wenn sich das Angebot eines Alternativgeräts als beste Strategie abzeichnet. Der digitale Zwilling einer Maschine dient somit auch als Grundlage, Marketing, Vertrieb und Service noch enger miteinander zu verzahnen. Ein fließender Ablauf dieser drei Prozesse wirkt sich nicht nur positiv auf das Kundenerlebnis, sondern auch auf den Unternehmenserfolg aus.

Noch mehr Service

Service-Optimierung kennt keine Grenzen. Digital Twins sind in diesem Zusammenhang wertvolle Treiber, um die Abläufe von Einsatzplanung bis zu Pflege und Wartung vor Ort noch effizienter zu gestalten. Transparente Gerätedaten werden via Machine Learning in einem Ticket gespeichert und direkt an die zuständige Abteilung weitergeleitet.

Die Planung notwendiger Service-Einsätze erfolgt so schneller und konkreter, da Kommunikations-Umwege durch zusätzliche Service-Mitarbeiter vermieden werden. Diese Effizienzsteigerung wirkt sich natürlich auch positiv auf die Service-Einsätze vor Ort aus. Zum einen hat der Service-Mitarbeiter dank der vorausschauenden Analysen die richtigen Ersatzteile dabei, zum anderen kann er vor Ort mobil in die digitale Akte des jeweiligen Geräts einsehen, um sich über Probleme und Fehler der Vergangenheit, bereits abgeschlossene Service-Leistungen, sowie den Entwicklungs-Status der Maschine im Vergleich zu anderen Geräten informieren.

Das digitale Zahnrad

Marketing, Vertrieb und Service gehören untrennbar zusammen, wenn es um eine erfolgreiche digitale Strategie geht. Digital Twins haben das Potenzial, Prozessplanung und -optimierung rund um diese Trias auf ein neues Level zu heben. Findet die Ablage und der Austausch der digitalen DNA eines Internet of Things Geräts in dem Maße statt, wie hier beschrieben, darf der Digital Twin tatsächlich als neuer Superlativ in puncto Effizienzsteigerung der digitalen Strategie verstanden werden.

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