Facebook: Ein Gigant wankt

Facebook Logo im Sand
Grafik:mkhmarketing Folgen

Nestlé, Monsanto, Electronic Arts – Eine Auswahl an Unternehmen, die zwar erfolgreich unterwegs, bei ihren Kunden aber keinesfalls sonderlich beliebt sind. Spätestens seit dem Bekanntwerden dubioser Datenverkäufe von Facebook an Cambridge Analytica zu Beginn dieses Jahres kann man den blauen Riesen aus dem Silicon Valley mit auf diese Liste packen. Wie konnte ein Unternehmen, das neben Google und Amazon wie kein anderes Unternehmen in den 2000er und frühen 2010er Jahren für den Aufbruch in ein neues, digitales Zeitalter stand, so rapide an Beliebtheit verlieren?

Eine Frage, die sicherlich auch Mark Zuckerberg im sonnigen Kalifornien beschäftigt. Immerhin trägt sein Unternehmen eine riesige Verantwortung und das Facebook-Geschäftsmodell steht und fällt mit dem Vertrauen der Nutzer und deren Glauben daran, dass Facebook seine Nutzerdaten eben nicht an ominöse Drittunternehmen weitergibt. Also: Quo vadis, Facebook?

Am Anfang war eine Idee

Dabei fing doch alles so gut an. Irgendwo auf dem Harvard-Campus kommt ein – glaubt man dem Film »The Social Network« – leicht angetrunkener Student auf die Idee, dass es doch gut wäre, wenn man sich online mit anderen Menschen verknüpfen könnte. Ein digitaler Gemeinschaftsraum, in dem man seine Freunde trifft, mit Fremden über gleiche oder andere Ansichten diskutieren kann, oder einfach nur ein Ort, um in Ruhe Candy Crush spielen zu können.

Eine Idee, deren Umsetzung viele rückblickend lieber in den Händen staatlicher Gremien gesehen hätten. Denn die Probleme, die Facebook heutzutage mit sich rumschleppt, sind nichts weiteres als das Ergebnis, das die Monetarisierung dieser Gemeinschaftsidee mit sich bringt: Sind Daten das neue Öl unserer Gesellschaft, dann ist Facebook das BP der Digitalbranche.

In Europa läuft es suboptimal

Natürlich stimmt diese negative Momentaufnahme nur in Teilen und die Situation von Facebook gestaltet sich noch lange nicht so grau wie die T-Shirts seines Gründers. Denn obwohl Facebook massenhaft Daten an Cambridge Analytica weitergegeben hat – ob nun wissentlich oder unwissentlich – konnte sich Zuckerberg erst vor wenigen Tagen über steigende Umsätze im dritten Quartal freuen. Auch die Zahl von zwei Milliarden Nutzern täglich, über alle Facebook-Dienste (Instagram, WhatsApp, etc.) hinweg, ist und bleibt beeindruckend.

Klar, 33 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben zwar nicht die noch höher gesteckten Prognosen und schon gar nicht die ambitionierten Ziele der Anleger erfüllt. Aber hey: Trotz eines unglaublichen Vertrauensverlusts wächst Facebook weiter und weiter und weiter … nur eben in Europa nicht, denn hier gingen die Nutzerzahlen zuletzt zurück.

Ab an die Bushaltestelle

Und was macht man, wenn einem das Vertrauen der eigenen Kunden flöten geht? Genau, eine Plakatkampagne an den Tram- und Bushaltestellen in europäischen Großstädten. Zu sehen sind vermeintliche Facebook-Nutzer und darunter eine von vielen unterschiedlichen Fragen, wie etwa »Was macht Facebook mit meinen Daten?«

Dabei wissen viele schon, dass Facebook mit Daten der Nutzer Geld verdient. In den USA waren das immerhin 27,61 US-Dollar pro Nutzer im letzten Quartal. Zum Vergleich: In Europa erwirtschaftete Facebook im gleichen Zeitraum durchschnittlich 8,82 US-Dollar pro Nutzer.

Interessanter ist doch die Frage danach, was Facebook mit meinen Daten machen könnte. Die Weitergabe von Nutzerdaten an Unternehmen, die dann damit gezielt versuchen, demokratische Wahlen zu beeinflussen, ist dabei wohl nur eine von vielen besorgniserregenden Antworten auf diese Frage. Hier sind der Fantasie für Utopien und Dystopien keine Grenzen gesetzt.

Werden es Goldene Zwanziger?

Facebook befindet sich gerade an einem Scheideweg: Schafft man es, das Vertrauen der Nutzer zurückzuerlangen, stehen dem Unternehmen durchaus Goldene Zwanziger bevor. Sollten in den nächsten Monaten oder Jahren jedoch weitere Skandale, »Datenlecks« oder Machenschaften mit dubiosen Unternehmen bekannt werden, könnte die Zeit für eines der erfolgreichsten Digitalunternehmen im kommenden Jahrzehnt vorbei sein. Zumal sich – rein subjektiv betrachtet – immer mehr Personen ihrer Hoheit über ihre eigenen Daten bewusst werden, was sich beispielsweise in der von vielen gehassten aber dennoch notwendigen DSGVO widerspiegelt.

Somit hat es Facebook durchaus selbst in der Hand, auch in Zukunft als Unternehmen aufzutreten, das zwar den Anlegern Tribut zollen muss, dabei aber nicht vergessen darf, dass das Sammeln und der Umgang mit Daten eine unglaubliche Verantwortung mit sich bringt.

Dabei ist Facebook übrigens nicht das einzige Unternehmen, das gerade versucht, mit Plakaten das Vertrauen der Kunden zu halten: Auch Google versichert, dass mit den Nutzerdaten kein Schindluder getrieben wird. Hoffen wir, dass das nicht alles leere Worthülsen sind.

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Eine Reaktion zu “Facebook: Ein Gigant wankt”

  1. Facebook war schon immer ein Phänomen. Ein einziger IT-Student hat die ganze Welt verändert. Wirklich erstaunlich, wie die Sache sich entwickelt hat. Und auch in Zukunft spannend zu sehen, wie es weiter gehen wird.

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