Smart City und E-Government? Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen [5 Lesetipps]

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Unsere Städte digitalisieren sich. Es gibt öffentliches WLAN im Stadtzentrum und sogar integrierte Apps, die nicht nur Echtzeitinformationen für den Nahverkehr oder Parkplätze geben, sondern auch lokale Informationen wie Veranstaltungen, Nachrichten oder Mietangebote liefern. Eine intelligente Stadt kann aber viel mehr leisten als nur Surfen. Zumindest in der Theorie.

Wie weit entwickelt ist das Konzept von „Smart City“ in Deutschland? Sind bereits digitale Angebote bekannt und haben diese sich durchgesetzt? Wo liegt das größte Potential?

Vorwärts zur Smart City

Laut der neusten Studie des Marktforschungsinstituts Splendid Research Smart City Monitor 2018 nutzen 74 Prozent der Stadtbewohner aktuell Smart City-Angebote. Bürger konsumieren digitale Dienste vor allem, weil diese das Leben in der Stadt vereinfachen, viel Zeit sparen und auch die Umwelt schonen. Allerdings wissen lediglich 17 Prozent der Stadtbewohner, was sich hinter dem Konzept einer Smart City verbirgt. Das ist ausbaufähig.

Die beliebtesten Angebote sind das öffentliche WLAN (60 Prozent) und Apps für den Nahverkehr (38 Prozent). Elementares zuerst. Die Hauptbarriere bei der Nutzung dieser Angebote ist die Sammlung personenbezogener Daten. Transparenz und Kommunikation sind daher eine Voraussetzung.

Tatsächlich steht das Thema digitale Identifikation ganz oben auf der Agenda. Insbesondere in Deutschland erregt das aber noch gewissen Argwohn wegen Datenschutzbedenken. Wenn gleich die effektive Umsetzung noch nicht klar ist, gibt es bereits interessante Initiativen, Verimi, NetID und auch europaweite Allianzen. Diese Angebote sind datenschutzfreundliche, europäische Identitäts-Plattformen, die einen Generalschlüssel für das Internet liefern sollen.

Die erwähnte Studie zeigt außerdem, welche Bereiche in der Zukunft mehr Potential haben. 65 Prozent geben an, dass eine automatisierte Abfallentsorgung sich sehr positiv auf das Stadtleben auswirken könnte. Stichwort: Smart Waste.

86 Prozent der Befragten wünschen sich zudem, Behördengänge online erledigen zu können. Stichwort E-Government. Aber inwieweit ist der Staat schon digital?

E-Government: Erwartungen versus Realität

Das Auto anmelden, den Reisepass verlängern oder das Kitageld beantragen – Bürger wünschen sich, ihre Anliegen auch unkompliziert online tätigen zu können. Ähnlich wie sie es bereits beim Shopping tun.

Laut des aktuellen E-Government Monitor hat sich die Nutzung der digitalen Behördengänge in der Schweiz und Deutschland verringert. Ist deshalb anzunehmen, dass die bestehenden digitalen Angebote, trotz der letzten Entwicklungen, nicht ausreichen? Ohne Frage ist ein Besuch beim Amt nach wie vor nötig.

Das Problem liegt hauptsächlich darin, dass Angebote nicht durchgängig digital sind. Hinzu kommt die unübersichtliche Maße an verfügbaren Informationen. Laut der erwähnten Studie gibt es leider zu wenig Möglichkeiten, die ganzen Anliegen online zu erledigen.

Estland geht hier mit gutem Beispiel voran. Nur Hochzeiten, Scheidungen und Immobilientransaktionen verlangen dort noch einen persönlichen Termin mit einem Beamten: Alle anderen Anliegen können digital abgewickelt werden.

In Deutschland können bestimmte Prozesse, wie das Ausfüllen oder die Abgabe eines Formulars nur zum Teil online realisiert werden, weil eine „analoge“ Unterschrift benötigt wird. Die hohen Erwartungen an Bedienbarkeit und Nutzerfreundlichkeit sind also noch lange nicht erfüllt.

Mit digitalen Services begeistern

Es ist wahr, dass digitale Angebtote die Interaktionen mit den Ämtern in den letzten Jahren vereinfacht und verkürzt haben. Doch die digitale Kluft zwischen E-Commerce und E-Government ist noch immens. Schnell, bequem, personalisiert, nutzerfreundlich – die Customer Journey, die der Nutzer beim Stöbern und Shoppen bereits gewohnt ist und erwartet, sucht man bei dem staatlichen Angebot digitaler Services noch vergebens.

Um vollständige und nahtlose digitale Services anzubieten, muss der Staat die digitale Transformation richtig umsetzen. Er muss eine aktive Rolle einnehmen, sowie eine hohe Wandlungsbereitschaft entwickeln. Eine enge Kooperation aller Akteure ist dabei Voraussetzung – auch, um das Vernetzgefühl zu verstärken. Stichwort: Government-as-a-Service.

Wie das konkret aussehen kann, zeigen unsere fünf Lesetipps.

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