Künstliche Intelligenz – das neue ABC für erfolgreichen Einzelhandel und nachhaltigen Konsum

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Quelle: pixabay

KI und Nachhaltigkeit – zwei der Themen, die uns in diesem Jahr oft begegnet sind, die uns beschäftigen und auch in Zukunft beschäftigen werden. Ein aktuelles Urteil gegen zwei Studentinnen, die wegen Diebstahls schuldig gesprochen wurden, gibt uns heute Anlass, noch einmal genauer auf den Zusammenhang beider Zukunftsthemen zu schauen.

Künstliche Intelligenz gegen Verschwendungswahnsinn

Die beiden Studentinnen wurden wegen »Containerns« zu einer Geldstrafe verurteilt, denn im Rahmen des Gesetzes ist das Entwenden von Lebensmitteln, die eine Supermarktkette zur Entsorgung vorgesehen hat, Diebstahl. Nun sind die Eigentumsverhältnisse das eine, das andere jedoch ist der moralische Dauerbrenner »Lebensmittelverschwendung«.

Händler, Hersteller und Verbraucher sind gleichermaßen für die Ausmaße der Lebensmittelverschwendung verantwortlich. Abgesehen von den Mengen, die erst gar nicht in den freien Verkauf gelangen (zu krumm, zu dellig, zu andersfarbig usw.), werden zu viele Produkte gekauft, denn jedes achte landet unverzehrt in der Mülltonne. Der Drang, etwas dagegen zu tun, ist nichts Neues, nimmt aber im Bewusstsein der Verbraucher immer mehr Platz ein.

Auch aus diesem Grund gibt es mittlerweile zahlreiche (digitale) Angebote, die helfen, diesen Verschwendungswahnsinn einzudämmen. Der digitale Wandel spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle, vor allem, wenn es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz geht.

Künstliche Intelligenz statt Pestizide

Viele Menschen stehen neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz skeptisch gegenüber, entweder weil sie befürchten, durch automatisierte Prozesse ihren Arbeitsplatz zu verlieren oder aus Angst vor Datenmissbrauch. Doch technischen Fortschritt ablehnen und selbst in hundert Jahren Lebensmittel in diesen Ausmaßen zu verschwenden, ist wohl kaum eine Option.

Der Einsatz von KI kann bereits am Anfang der Lebensmittelproduktion ansetzen und Bauern nicht nur die Arbeit erleichtern, sondern auch gezielt bei der Vorbeugung von Ernteausfällen unterstützen. So zum Beispiel das KI-basierte und datengestützte Frühwarnsystem der Firma Bosch. Mit ihr kann ein Krankheitsrisiko beispielsweise durch Pilzkrankheiten wie Grauschimmelfäule für Gemüsepflanzen abgeleitet werden.

Die Umstände, die eine solche Ausbreitung begünstigen, sind 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und 22 Grad Außentemperatur, aber um die Vorhersage möglichst präzise zu treffen, werden bis zu 100 weitere landwirtschaftliche Parameter (unter anderem zu Pflanzenalter, Krankheitshistorie, Wettervorhersage) hinzugezogen.

Nur so kann sich die KI – ähnlich wie ein Arzt – ein umfassendes »Wissen« über die Krankheit aufbauen und entsprechende Prognosen vermitteln. Ein Win-Win für Erzeuger und Verbraucher, denn der Einsatz von KI sorgt für weniger Ertragsausfälle und damit für stabilere Preise.

Künstliche Intelligenz für die richtige Bestellmenge

Ein weiteres Anwendungsgebiet von KI findet sich nicht in der Herstellung, sondern in der Beschaffung von Lebensmitteln und ist im Hinblick auf das Thema Verschwendung vor allem für größere Lebensmittelhändler interessant. Die Herausforderung, der sich Filialleiter täglich stellen müssen, ist die Bestellmenge von Produkten und den damit verbundenen Konsequenzen: Wird zu wenig bestellt, laufen Händler Gefahr, Kunden mit leeren Regalen zu enttäuschen und an Konkurrenten zu verlieren. Wird zu viel bestellt, bleiben Produkte übrig und müssen schlimmstenfalls am Ende des Tages entsorgt werden.

Die Prognose einer möglichst optimalen Bestellmenge ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Diese in das große Ganze einzuordnen und damit entsprechend zu arbeiten, kann auch mit Berufserfahrung nicht komplett sichergestellt werden. Zu groß sind die Befürchtungen, durch ein zu geringes Angebot Kunden zu verprellen.

Und so kommt es dazu, dass viele Lebensmittelhändler mehr bestellen, um die Kunden am Ende des Tages nicht mit leeren Regalen enttäuschen zu müssen. Die Folge: ein hoher Überschuss, der mit Ende der Öffnungszeiten entsorgt werden muss, weil die Waren nicht mehr verkauft werden dürfen. Kosten- und umwelttechnisch ist das ein Riesenproblem.

Zum Spenden sind Supermarktketten nicht verpflichtet, containern bleibt laut deutscher Gesetzeslage Diebstahl. Jedoch arbeiten unter anderem KI-Start-ups wie Blue Yonder daran, eine Lösung zu finden – und das z.B. mit Hilfe eines Machine-Learning-Tools für den Handel. Die KI erkennt, ob Produkte noch verkaufsfähig sind oder bereits schimmeln, kann dadurch Prognosen für die Warenbestellung geben und die Lieferkette optimieren.

Künstlicher Intelligenz statt Glaskugel

Eine weitere Möglichkeit, der Lebensmittelverschwendung Herr zu werden, ist die Anwendung von Predictive Ordering, eine Lösung für Handelsbestellungen, die es seit einigen Jahren auch als Modul von ERP-Systemen gibt. Predictive Ordering berücksichtigt vergangene Abverkäufe, saisonale Schwankungen, Feiertage, Ersatzartikel und bestimmte Lieferanteneigenschaften wie Mindestbestellmengen und Rabatte.

Grundlage hierfür sind riesige Datenmengen unterschiedlichster Quellen, die an zentraler Stelle verarbeitet und verständlich gemacht werden. Damit ließen sich in Anbetracht verschiedener Einflussfaktoren beispielsweise Eier-Bestellungen zu Ostern oder Braten-Bestellungen zu Weihnachten präziser prognostizieren und so die Überproduktion verhindern.

Andere Algorithmen kümmern sich um dynamisches Preismanagement. Online vor allem im Reisebereich längst Praxis, kommt digitale Preisauszeichnung nach und nach auch im Filialsystem an. Es beruht auf automatischer Preisbeobachtung des Marktes und kann Empfehlungen abgeben, die Abverkäufe so beeinflussen, dass ein Produkt zum optimalen Zeitpunkt preislich reduziert wird.

Aus der Sicht von Lebensmittelhändlern ist das in erster Linie für Frischeprodukte, die mitunter 40 Prozent des Umsatzes ausmachen, eine interessante Möglichkeit.

Künstliche Intelligenz ist das neue ABC

Einzelhändler können durch den Einsatz von KI-Algorithmen künftig viel präziser Bestellungen tätigen und dadurch der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken. Sicherlich gilt auch hier wie bei vielen anderen technologie-basierten Entwicklungen: KI ist noch ausbaufähig und erweiterbar.

Auch wenn immer mehr Unternehmen bereits auf KI setzen, ist sie noch lange keine Basistechnologie, die jeder so sicher wie das ABC oder das Einmaleins beherrscht. Lebensmittelverschnwendung ist nur ein Beispiel, aber gerade hier wird deutlich, dass genau das das Ziel sein sollte – ein zukunftsfähiges ABC für nachhaltigen Konsum und erfolgreichen Einzelhandel.

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