QR-Codes für die Ewigkeit [Netzfund]

QR-Codes aus sardischem Basalt
Quelle: Pixabay

Man hört es im Wasser plantschen. Rhythmisch. Dann versiegt die Quelle, man hört einen Mix aus Englisch und Italienisch und dann … Was dann in der Soundcollage geschieht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Unser Netzfund der Woche ist eine wahre Cross Channel Experience: Eine schlichte Produktinformationsseite in einem Onlineshop, die zu einer Sound-Datei führt. Dazwischen: Stein, Wasser, große Kunst – und die Frage: Was bleibt von uns Digital Natives, von unserer Zeit, unserer Kultur, wenn wir nicht mehr sind?

QR-Codes als künstlerisches Symbol

Trockene Kommentatoren mögen an dieser Stelle einwerfen: Plastik, ganz viel Plastik. Eine mögliche andere, etwas beeindruckendere und weniger umweltschädliche Antwort kommt aus Sardinien: Vom Digital Age könnte ein großer Basaltbrocken übrig bleiben – mit eingemeißeltem QR-Code. Die Urheber des Monolithen: Die sardische Künstlerplattform Pretziada, das australische Mode- und Kunst-Label Perks and Mini sowie ein lokaler Steinmetzbetrieb der Mittelmeerinsel.

Die Idee ist deswegen so genial, weil sie steinzeitliche Mittel (Felsgravur) mit zeitgenössischen Symbolen (QR-Code) verbindet und so einen Bogen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft spannt. Das schwere Objekt mit dem bewusst sperrigen Namen »We Are Thinking of Coming to the Island. Also I Have to Help You Rebuild Your Fence« macht unsere so flüchtige Gegenwart also ein bisschen weniger vergänglich – einerseits.

Andererseits hält der gravierte Basaltbrocken, auf den jeder Obelix neidisch wäre, mit seiner multiplen Message unserer Zeit den Spiegel vor. Der QR-Code des Prototyps verweist auf eine nicht minder kunstvolle Soundinstallation, deren Untertöne aktuelle Problematiken streifen: Wie gehen wir mit natürlichen Ressourcen um? Mit archäologischen Artefakten? Und mit den Menschenrechten von Migranten?

QR-Codes als Synonym des kommunikativen Wandels

Die Digitalisierung hat vieles verändert, allem voran die Art und Weise, wie wir zu Lebzeiten miteinander kommunizieren. Der Netzfund dieser Woche lässt die Gedanken weiter schweifen, Stichwort: Kommunikation aus dem Jenseits. Denn wer weiß, vielleicht sind QR-Codes in Stein eine echte Marktlücke, die bald ein Bestattungs-Start-up aufgreift.

Auf dass unsere Enkel beim Besuch eines Friedhofs nicht nur Namen, Lebensdaten, rezipieren, sondern auch in Stein gemeißelte QR-Codes scannen, mit denen die Verstorbenen im VR-Clip auf den Kanten ihres Grabsteins virtuell wiederauferstehen. Ob sie dabei ihren Lieblingswitz erzählen, zu einem Song abtanzen oder eine kleine Vorlesung zu ihrem einstigen Beruf halten, gilt es rechtzeitig zu planen.

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