Co(rona)-Working-Space – Homeoffice und Homeschooling oder: Von Giraffen und Videokonferenzen [Teil 3]

Co(rona)-Working-Space – Homeoffice und Homeschooling oder: Von Giraffen und Videokonferenzen
Quelle: unsplash

»Macht euch einen Plan«, hieß es, unter anderem, als uns die Geschäftsführung vor gut zwei Wochen im Corona-Sonderhacktag über Ist-Stand, Maßnahmen und Next Steps informierte. Ein guter Rat. Wichtig und richtig, gerade für all die Mamas und Papas, die jetzt »ganz nebenbei« auch Kindergärtner oder aber Lehrer sind. Im ersten Teil der Co(rona)-Working-Space-Reihe haben wir schon von Sams MVP-Familien-Masterplan erfahren. Heute nimmt uns Louisa mit in ihr Family Office und lässt uns an ihrem ganz persönlichen Yin und Yang dieser krassen Zeit teilhaben. Danke Louisa!

Co(rona)-Working-Space: Annehmlichkeiten und Notwendigkeiten im Homeschooling Office

Die Freude war groß: Keine Schule? Echt nicht? Und Du musst auch nicht ins Büro, Mama? Nein, lautete die Antwort, ich kann von zuhause aus arbeiten. Und Du auch. Wir gründen einen Co(rona)-Working-Space!

Mein Sohn geht in die erste Klasse. Er mag rechnen, er mag Hoffußball und er mag die meisten seiner Mitschüler. Das frühe Aufstehen, Stillsitzen und viele Schreiben hingegen ist seine Sache nicht. Und so stehen nun etliche Annehmlichkeiten gewissen Notwendigkeiten gegenüber. Wir können zum Beispiel länger schlafen. Ich stehe in der Regel um sechs auf statt um halb sechs, mein Sohn erst gegen viertel nach sieben statt um viertel nach sechs. Ich muss nicht streng werden, wenn abends um halb neun im Kinderzimmer noch Licht ist oder wir morgens um zehn nach sieben noch nicht auf dem Fahrrad sind.

Co(rona)-Working-Space: Pyjamaparty is’ nich

In meiner morgendlichen Stunde allein mache ich, was ich auch an einem normalen Arbeitstag tun würde: ich mache Yoga, dusche und ziehe mich halbwegs ordentlich an. Ich lese online Zeitung, trinke Tee, räume die Spülmaschine aus und mache Frühstück. Manchmal schreibe ich auch schon Texte, denn oft fließen die Worte gerade frühmorgens aus meinem Kopf heraus, als hätte es sich dort nachts angestaut. Aber das ist ja genau das Phantastische am Homeoffice: Ich bin in meiner Zeiteinteilung ziemlich frei.

Im Co(rona)-Working-Space ist alles etwas entspannter, denn leider ist mein Kind überhaupt kein Morgenmensch, selbst wenn es sich ausgeschlafen hat. Damit wir gut durch diese seltsamen Zeiten kommen, haben wir einen groben Wochenplan und ich mache uns am Abend eines jeden Tages eine konkrete To-Do-List für den nächsten. Auch auf Arbeit würde ich ja nie nach Hause gehen, ohne mir notiert zu haben, womit ich am nächsten Tag weitermachen werde.

Ich sehe unseren Plan in dieser pandemischen Zeit als wichtiges Instrument, um gelassen zu wirken trotz einer zunehmend beunruhigenden Situation. Denn manchmal, wenn ich eine Nachricht von Freunden bekomme, die als freie Autoren, Schauspieler oder Musiker ihre Existenzgrundlage schwinden sehen und nicht wissen, wie sie ihre nächste Miete bezahlen sollen; wenn Besuchsverbote die Nähe zu älteren oder behinderte Familienmitgliedern kappen, die nicht so digital unterwegs sein können, wie wir das sind, dann brauche ich den Zettel, um meinen Gesichtsausdruck kurz hinter einem Fibel-Arbeitsheft oder Uno-Karten zu verstecken.

Denn es ist ja nicht nur die Sorge um die Anderen: Noch habe ich wohl einen der coolsten Arbeitsplätze der Republik, aber ich weiß auch: Wenn dem nicht mehr so sein sollte, hätte ich ein Problem. Alleinerziehende sind besonders armutsgefährdet.

Co(rona)-Working-Space: work, hug, eat, repeat

Nach dem Frühstück bekommt jeder erstmal eine Stillarbeitsaufgabe. Ich arbeite in der Küche, mein Sohn in seinem Zimmer. Weiter weg voneinander geht es in unserer kleinen Altbauwohnung nicht. Mein Sohn macht in dieser ersten Runde sein Schulsachen-Minimum super selbstständig. Welch Geschenk!

Zeitweise habe ich das Gefühl, dass ich hier zuhause besser arbeiten kann als im Großraumbüro, mir also in weniger Stunden mehr Sinnvolles gelingt. Und dass ich meinen Sohn viel individueller und stressfreier fördern kann, als die Schule das tut.

Nach einer Stunde Stillarbeit gibt es eine Korrekturrunde und dann mindestens eine halbe Stunde Pause. Er spielt Lego oder darf das Tablet haben; er liest vor sich hin, unterrichtet seine Kuscheltiere oder trainiert in seinem Zimmer am Basketballkorb. Dabei hört er Hörspiele und kommt erstaunlich lange alleine klar.

Ich arbeite in der Zeit weiter. Gegen 10.30 Uhr morgens gehen wir dann das erste Mal kurz raus oder spielen drinnen eine Runde miteinander. Danach habe ich meist eine Videokonferenz und mein Sohn darf etwas schauen – die Sendung mit der Maus oder Löwenzahn.

Das Mittagessen ist derzeit eher ein zweites Frühstück, denn irgendwie hat es sich als schön erwiesen, erst abends zusammen zu kochen. Trotzdem ist nach dem Mittag immer ein kleiner Tiefpunkt. Jetzt darf besser kein Arbeitstermin dazwischenkommen.

Damit die Stimmung nicht kippt, braucht mein Kind jetzt Zuwendung oder körperliche Herausforderungen oder am besten eine Mischung aus beidem. Radfahren, rennen, Fußball oder Federball spielen. Schön auf Abstand zu anderen. Gemeinsam auf der Picknickdecke im Hinterhofgarten vorlesen. Er einen Satz, ich einen Satz. So merkt er gar nicht, dass er lesen übt.

Co(rona)-Working-Space: Video-Konferenzen für alle!

Wieder zuhause, erbitte ich mir erneut zwei Stunden Ruhe für meine Arbeit. Ich bin erstaunt, wie gut er das respektiert. Videokonferenzen aus dem Kinderzimmer mit seinen Freunden oder Großeltern helfen hier enorm. Mathe-Freiarbeit als Belohnung oder einfach freies Schreiben ohne Rechtschreibdruck helfen auch. Während ich einen Artikel schreibe, feilt mein Sohn auch an fünf Sätzen zu fünf Lernwörtern mit G. Sie lauten: Der Tag, die Giraffe, ganz, gut, sogar.

Seine Sätze, auch wenn ich Schwierigkeiten habe, sie zu entziffern, rühren mich zutiefst. Einerseits will ich in diesem Moment, dass er so schnell wie möglich aus der Isolation zu seinen Freunden in die Schule und ich zu meinen wunderbaren Kollegen in die Agentur zurückkehren kann. Andererseits möchte ich diese kostbare Zeit im Co(rona)-Working-Space am liebsten konservieren.

Denn in seinem Heft steht blau auf weiß:

» Der Tag heute wa wida ser schön.
Die Giraffe macht ein schbagat um an ihr zutrinkn zu komm.
Ganz blöt an dem wirus ist nur das ich meine freunde nich sen kann.
Gute sachen pasieren halt nich ima.
Sogar ale Mänschen selbs wen si sich zusamentun müssen einsen das
si nich ales wisn könn. «

Ja, wir Menschen müssen gerade wieder einmal einsehen, dass wir nicht
alles wissen können. Selbst wenn wir uns zusammentun. Aber die
Bereitschaft von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, jetzt flexibel im
Homeoffice zu arbeiten und die Krise zum Anlass zu nehmen, sich auch
perspektivisch zu digitalisieren, wo es geht, zeigt zumindest eines: Wiewir Menschen uns sinnvoll zusammentun, das wird immer ortsunabhängiger.

Co(rona)-Working-Space und New Work 2.0

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