2021: Salesforce & Slack, Amazon & Wondery – Deals und Prognosen aus dem Silicon Valley und wie Unternehmen hierzulande davon profitieren [5 Lesetipps]

2021 salesforce slack
Quelle: Unsplash / Mark König

Januar, Februar, März, April? Das Internet steht niemals still. Mittlerweile sollten alle im neuen Jahr angekommen sein – Zeit also für Prognosen in der Digitalwirtschaft: Was kommt 2021 Neues auf Unternehmen und Endkunden zu? Welche Tech-Trends solltet ihr auf dem Schirm haben? Handelskraftadamus, der Blog eures Vertrauens, schaut heute für euch in die Sterne.

2021 wird Amazon auf Podcasts setzen

Amazon gab bekannt, dass sie mitten in der Übernahme des Podcast-Netzwerks Wonderystecken. Wondery ist bekannt für Podcasts wie »Dirty John« und »Dr. Death«. Amazon verstärkt damit seine Podcast-Bemühungen. Mit dem erst 2016 gegründeten Podcast-Netzwerk Wondery übernimmt der E-Commerce-Riese den viertgrößten Podcast-Provider der USA. Wondery soll Teil von Amazon Music werden. Der Streaming-Dienst war erst im vergangenen September um eine Podcast-Sektion erweitert worden. Für Hörer, versichert Amazon, solle sich nichts ändern.

Die Wondery-Podcasts werden wohl nicht exklusiv zu Amazon Music umziehen, sondern weiterhin über »eine Vielzahl von Anbietern« angehört werden können. Podcasts nennt Amazon in einem Atemzug mit der Twitch-Integration und der HD-Variante des Music-Dienstes. Durch diese Medienbreite will Amazon zur ersten Adresse für Content Creator werden.

Auffällig ist hierbei, dass Amazon den Podcast-Markt vergleichsweise betritt – ein Markt, auf dem Anbieter wie Spotify einen gewaltigen Vorsprung haben. Die finanziellen Details der Übernahme hat Amazon nicht verraten. Einem Bericht des Wall Street Journal nach soll wohl eine Summe von rund 300 Millionen US-Dollar im Raum stehen. Bislang hat sich Wondery über Risikokapital finanziert. Insgesamt 15 Millionen Dollar flossen dem Unternehmen bis dato zu. In den USA hörten im November 2020 mehr als neun Millionen Menschen einen Wondery-Podcast.

2021 wird das Jahr der Salesforce- & Slack-Liebschaft

Salesforce kauft Slack und platziert sich damit im Homeoffice von vielen Unternehmen. Eine Wachstumschance, die Salesforce nutzen wird. Salesforce fügt seiner CRM-Plattform damit einen modernen Chat-Client hinzu. Aber hinter dem Deal steckt mehr als nur die Integration eines weiteren Dienstes. Slack könnte als Tool für gleich mehrere strategische Entwicklungsansätze von Salesforce genutzt werden. Die größte Veränderung wird Slacks offenes Ökosystem mit sich bringen. 

Verglichen mit Microsoft Teams, was eine voll ausgestattete Kommunikationslösung bietet, fehlte Salesforce bisher eine Lösung für das Homeoffice-Zeitalter. Der Salesforce-interne Messenger war funktional und optisch ebenso. Mit dem Zukauf von Slack sichert sich Salesforce eine wichtige zukünftige Lösung für Remote Zusammenarbeit

Salesforce wird einiges aus dem Funktionsumfang seiner verschiedenen Cloud-Lösungen direkt in Slack integrieren. Damit werden Nutzer voraussichtlich innerhalb von Slack produktiv direkt arbeiten können – und nicht nur wie bei Teams oder Meet über ihre Arbeit produktiv kommunizieren. Es ist eine wesentliche Erleichterung für einen Marketing-Manager, wenn beispielsweise die Marketing-Cloud die Ergebnisse einer aktuellen Kampagne direkt in den passenden Slack-Channel postet – mit Teams oder Meet müsste dafür erst einmal eine Anbindung geschaffen werden. 

Salesforce bietet einige Low-Code- und No-Code-Entwicklungsplattformen für Apps und Anwendungen, die dann im hauseigenen App-Store AppExchange angeboten werden können. Slack hat rund 2.400 Apps zur Integration von Third-Party-Anwendungen, Microsoft Teams hat nur rund 650. Salesforce Appexchange bietet etwa 3.600 Enterprise-Anwendungen. Diese Vielfalt an Möglichkeiten will Salesforce jetzt laut der Ankündigung auf der letzten virtuellen Hausmesse Dreamforce zusammenwerfen und ein gemeinsames Ökosystem schaffen. Damit wird in kurzer Zeit etwas geschaffen, das die Salesforce-Welt mit einer gigantischen Anzahl bestehender Unternehmenslösungen verbindet, die bisher mit Salesforce direkt nichts zu tun hatten.

2021 wird Google mit Facebook zusammenarbeiten

Wie bitte? 2021 wird Google mit Facebook zusammenarbeiten? Nun, auf eine Art zumindest: Wegen bereits getroffener Absprachen mit Facebook läuft aktuell ein Kartellverfahren gegen Google. Solche Probleme haben die beiden Konzerne aber offenbar eingeplant.

Denn es scheint, als wollten sich Google und Facebook gegenseitig helfen, sollten jene Absprachen bezüglich Onlinewerbung rechtlich untersucht werden. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf eine ungekürzte Version der Kartellklage, die zehn US-Bundesstaaten eine Woche zuvor gegen Google eingereicht hatten. Die einzelnen Bundesstaaten werfen Google vor, Preisgestaltungen zu kontrollieren und Marktabsprachen getroffen zu haben. Konkret soll Google 2018 einen Deal mit Facebook geschlossen haben, in dem Facebook zusagte, nicht mit den Werbetools von Google zu konkurrieren. Im Gegenzug soll Google Facebook bei der Benutzung dieser Tools bevorzugen.

Offenbar wussten die Konzerne, dass eine solche Absprache gegen geltendes Kartellrecht verstoßen könnte – und vereinbarten, sich im Falle einer Klage gegenseitig zu helfen. Google teilte dem Wall Street Journal mit, solche Absprachen seien üblich. Der Deal mit Facebook enthalte keine exklusiven Vorteile. Dieselben Daten würden auch anderen Käufern angeboten.

Wie sich der Sachverhalt weiterentwickeln wird, ist ebenso unklar wie die »Zusammenarbeit«. Klar aber ist: Es bleibt auch 2021 spannend, wie die Marktmacht der Big Five juristisch eingehegt oder zumindest eingeschätzt wird.

2021 wird Lieferando weiterhin von Corona profitieren

Lieferando profitiert, wie erwartet, stark von der Coronakrise. »Insgesamt hat uns Corona mit Blick auf die Restaurant-Anzahl um ein Jahr nach vorne gebracht«, sagte Deutschland-Chefin Katharina Hauke dem Tagesspiegel. Über 20.000 Restaurants seien derzeit auf der Plattform gelistet. Im dritten Quartal 2020 sei die Zahl der Bestellungen um 38 Prozent gewachsen, zehn Millionen Bestellungen würden monatlich weitergegeben. »Im Durchschnitt vermitteln wir einem Restaurant 100.000 Euro Umsatz pro Jahr«, sagte Hauke.

Lieferando stellt der Gastronomie für diese Vermittlungsleistung normalerweise 13 Prozent des erzielten Umsatzes in Rechnung – wenn das Restaurant die Bestellung selbst liefert. 30 Prozent fallen an, wenn Lieferando auch die Lieferung übernimmt. »90 Prozent der Bestellungen liefern Restaurants selbst aus«, erklärte Hauke.

Da eine Ende der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Flut an Pizzabestellungen auch 2021 nicht absehbar ist und das Unternehmen ein starkes Umsatzplus in den letzten Monaten hervorbrachte, wird das Futtervermittlungsunternehmen auch 2021 weiter wachsen und für Investoren interessant.

Etwas interessantes gibt es allerdings unsererseits anzukündigen:

Digitale Freiheit

Digitale Freiheit HK2021 save the dateOb als Trendbuch »Digitale Freiheit« in der Print und Webversion oder als Handelskraft Konferenz 2021 am 3. und 4. März 2021 auf der virtuellen Bühne: Relevante Insights und Informationen für digitalen Erfolg werden wir auch dieses Jahr wieder mit euch teilen. Meldet euch heute noch an und seid dabei. Wir freuen uns drauf!
 

5 Lesetipps

Trendbuch Handelskraft 2021 »Digitale Freiheit« [dotSource]

Was Salesforce mit dem Kauf von Slack bezweckt [t3n]

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Amazon kauft Podcast-Anbieter Wondery [amazon-watchblog]

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