Swift-Ausschluss Russlands: Was das für deutsche Unternehmen und den E-Commerce bedeutet [5 Lesetipps]

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Quelle: Dustin Tramel | unsplash

IBAN sagt den meisten etwas. BIC auch. Aber SWIFT? Während IBAN die International Bank Account Number bezeichnet, ist BIC der Bank Identifier Code. SWIFT ist das System, mit dem Banken international kommunizieren. Auch russische Banken waren Teil dieses Bankenkommunikationsnetzwerks – bis vor einer Woche.

Am Montag, den 28. Februar 2022 beschlossen die 27 EU-Mitgliedstaaten gemeinsam mit den USA, Kanada, Großbritannien und Japan, zahlreiche russischen Finanzinstitute aus SWIFT auszuschließen und so vom globalen Finanzmarkt abzuschneiden. Dies ist ein wichtiger Bestandteil westlicher Sanktionen gegen das Land, dessen Armee wenige Tage zuvor die Ukraine überfallen hatte und seither Krieg gegen sein Nachbarland führt. Der Ausschluss setzt Russland unter Druck, aber was bedeutet er für Deutschland und die westliche Welt? Und was bedeutet er für den internationalen E-Commerce?

 

Swift: das Netzwerk für globale Finanztransaktionen

Swift steht für »Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication« – ein internationales Netzwerk für den Austausch elektronischer Informationen. Über die technische Infrastruktur können Geldinstitute weltweit bei Geldtransfers miteinander kommunizieren.

Das Swift-Netz besteht aus rund 11.000 Banken, Wertpapierfirmen und Unternehmen in mehr als 200 Ländern. Banken nutzen die Swift-Codes um Geld zu versenden, aber auch,um Nachrichten auszutauschen. Rund 40 Millionen Transfers verzeichnet das System täglich.

Der Ausschluss bedeutet für die betroffenen russischen Banken, Unternehmen und Finanzbehörden nun, dass sie keine Zahlungen ins Ausland mehr tätigen oder aus SWIFT-Ländern erhalten können. Bisher wurden allerdings nicht alle, sondern nur einige russische Banken vom Netzwerk ausgeschlossen. Zusätzliche Sanktionen gegen weitere Banken und gegen die russische Zentralbank sind geplant – wann dies erfolgt, ist unklar.

Swift-Ausschluss Russlands hat auch Folgen für die deutsche Wirtschaft

Aufwändige Zahlungsabwicklung

Die Sanktionen haben indes nicht nur Folgen für Russland, sondern etwa auch für deutsche Unternehmen: Etwa 24 Milliarden Euro haben VW, Bosch, Siemens Hausgeräte und Metro aktuell in Russland investiert, um nur vier Enterprises mit Russlandgeschäft zu nennen. Da bisher noch nicht alle Banken vom Zahlungssystem ausgeschlossen sind, können diese Unternehmen sowie Partner, Kundinnen und Kunden noch auf alternative Banken zurückgreifen.

Das allerdings ist umständlich und kostenintensiv. Wenn die Zahlungsabwicklung mit russischen Partnern und Lieferanten also weiter erschwert wird, werden diese Unternehmen sich aus Russland zurückzuziehen. VW kündigte diesen Schritt bereits am Mittwoch, den 3. März an. Andere westliche Konzerne wie Aldi, Mercedes, IKEA oder Apple wollen ebenfalls , die Geschäftsbeziehungen zum geographisch größten Land der Erde kappen oder reduzieren.

Auftragsverluste

Infolge des Krieges und der sich wandelnden Wirtschaftsbeziehungen befindet sich der Rubel im freien Fall. Die Rating-Agentur Standards&Poor degradierte Russlands Kreditwürdigkeit Ende vergangener Woche auf CCC-, das Rating liegt damit nur noch knapp über der Kategorie für Zahlungsunfähigkeit.  

Die Folge: Selbst wenn sich der Konflikt wider Erwarten schnell lösen sollte, wird in Russland der Lebensstandard langfristig sinken. Da Kundinnen und Kunden sich somit deutsche Exportprodukte nicht mehr leisten können, stornieren sie zuallererst bestehende Aufträge, was auch kurzfristig die hiesige Wirtschaft schmerzen wird

Zünglein an der Waage Energiesektor

Diese Wirtschaft diskutierte in den letzten Tagen allerdings vor allem eines: die Energiefrage. Russland ist einer der größten Energieproduzenten der Welt. Rund 40 Prozent ihres Gases führt die EU aus Russland ein, Deutschland sogar etwas mehr als die Hälfte. 

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) betonten zuletzt, dass man bereit sei, auch die negativen Auswirkungen der SWIFT-Sanktionen zu tragen. Hierzu sollen betroffene Unternehmen bei erheblichen Umsatzeinbußen staatliche Unterstützung erhalten.

Faktor E-Commerce

Während in puncto Energie eine Abhängigkeit von Russland diskutiert wird, sieht es im Bereich E-Commerce praktisch andersherum aus. Auch in Russland boomt das Online-Geschäft – vor allem das mit westlichen Waren.

Seit 2017 gilt die Plattform Wildberries als größter Player. Dort werden vor allem Bekleidung, Elektronik, Spielzeug, Deko, Möbel oder Werkzeug namhafter westlicher Marken verkauft – rund 4,9 Milliarden Euro Umsatz macht die Plattform mit Sitz in Moskau pro Jahr.

Bei Wildberries wird angesichts des Krieges und der Sanktionen nicht nur der Warenstrom verebben, sondern angesichts der Russland drohenden Wirtschaftskrise auch die Nachfrage sinken.

Für deutsche Schnäppchenjäger ist es nicht uninteressant, dies zu wissen, drängte Wildberries.eu doch Mitte 2021 auf den deutschen Markt und launchte nach Polen und der Slowakei seinen dritten Auftritt innerhalb der EU. Noch kann man dort unzählige Produkte bestellen. Aber zu welchem Preis? 

5 Lesetipps

Swift-Ausschluss: Das erwartet Russland – und uns [t3n] 

Was der Swift-Ausschluss russischer Banken bedeutet [Süddeutsche Zeitung]

»Das ist im Prinzip eine Swift-Sanktion light« [WirtschaftsWoche] 

Wie der Westen per Swift-Ausschluss Russland den Geldhahn zudrehen kann [Finance FWD] 

Erst Corona-Hilfen, jetzt Sanktionshilfen [Frankfurter Allgemeine] 

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