Content formt Konsumbedürfnisse. Ein Blick auf Instagram und was Marken von der neuen Achtsamkeitsplattform lernen können

Content formt Konsumverhalten Instagram
Quelle: Lance Matthew Pahang | Unsplash

Montag, 20.15 Uhr. Primetime hieß das früher im deutschen Fernsehen. Die Primetime bestimmen wir heute selbst. Gut so, denn Alltag und Bock kennen keine festen Uhrzeiten. On Demand rules. Klar, auch hier gibt’s Up and Downs. Letzte Folge vorbei, nächste Serie am Suchen, und Suchen und Suchen. Zu lange gesucht in letzter Zeit. Dann doch mal wieder in dieses normale Fernsehen geschaltet. Auf »Höhle der Löwen« hängengeblieben. Ne Weile nun schon. Sind oft gute Ideen dabei. Naja und bei den anderen fragt man sich halt: #wtf!

Content Feuer für Pinky Gloves

#PinkyGate ist wohl an niemandem vorbei gegangen. Selbst wenn er oder sie diese eine Folge im April nicht gesehen hat. Die Medien, vor allem natürlich die sozialen, waren voll von »pinky glove« Content. Sicher gut gemeint, der Handschuh zum Entsorgen weiblicher Hygieneprodukte. Aber eben nicht gut gedacht. Sorry not Sorry.

Wurde auch alles schon gesagt. Meinen Senf gibt’s aber nun auch noch obendrauf. Aus persönlichen Gründen. Klar, muss Frau benutzte Tampons und Binden unbedingt verstecken unterwegs und dann doch bitte auch in einem Plastikhandschuh, der so richtig schön Pink ist, weil Frauen auch nur diese eine Farbe mögen. Nicht. Nicht. Nagut. (Ich mag Pink. Aber ich mag eben auch Blau. Und Lila. Aber Klischées mit Farb- und Namenswahl zu befeuern, mag ich eben nicht.)

Wäre aber genauso sexistisch, das Gründerduo jetzt wegen ihres Geschlechts dumm zu machen, so von wegen: War ja klar. Mach ich nicht. Feier die beiden. Ganz ehrlich. Nicht für ihre »Erfindung«, sondern dafür, dass über gut zwei Wochen »Frauenkram« Top-Thema war. Alle haben mitgeredet, egal welches Geschlecht, egal welches Alter, egal welcher Beruf. Isses nich herrlich. Frauenkram ist tot. Ist nämlich kein Kram. Geht auch nicht nur Frauen an.

Content für mehr Fehlerkultur

Transparenz zu Themen, die uns alle angehen, ist lebendiger denn je. Nice!
Dass die öffentliche Kritik für die beiden Gründer in Mobbing, Gewalt- und Morddrohungen eskaliert, war und ist alles andere als top. Das sei hier auf jeden Fall auch noch angemerkt!
Warum die aufgewärmte Rhetoriksuppe zum gescheiterten »Pinky Gloves« Start-up? Weil diese Story zeigt, was da draußen grad so passiert. Ich nenn’s den BöhmiEffekt. Ja, Jan ist gemeint. Sagen, wenn was scheisse ist. Laut und mit Nachdruck. Drüber reden. Aufklären. Anders machen. Besser machen.

Kommt bekannt vor, nicht wahr?! Ja, sounds a lot like Fehlerkultur und Innovation. Und genau das ist dieser Wandel auch. Der Bewusstseinswandel unserer Gesellschaft. Wir passen wieder mehr auf. Auf uns. Auf die anderen. Und wir reden drüber. Wir reden miteinander.

Fühlt sich so an, als seien wir wieder ein Stück näher zusammengerückt. Trotz physical distancing. Oder erst recht deswegen. Und wo? Im Digitalen. In Instagram Stories. Und TikTok Videos. In WhatsApp Voice Messages. Und Zoom Calls.

Content statt Tabus

Insbesondere Instagram hat sich in den letzten Monaten regelrecht zur Achtsamkeitsplattform entwickelt. Ganz offen wird über Depressionen und Burn-out, unerfüllte Kinderwünsche und Fehlgeburten, Masturbation und Orgasmusprobleme, Liebe, Sex und Zärtlichkeit – m,w, d –gesprochen. Über Misstände nationaler und internationaler Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – die jeweils ihre eigenen großen Artikel verdient haben.

Influencer schicken nicht mehr nur Werbebotschaften für bezahlte Partnerschaften raus, sondern sind die Messenger selbst, nutzen ihre Reichweite, um einen Beitrag zu leisten. Prangern neben PinkyGate alikes nicht nur unfaire Marken – große Namen wie Nike oder adidas – an, die Scheisse bauen, sondern rufen beispielsweise unter dem Hashtag #payyourworkers auch die Community zum gemeinschaftlichen digitalen Boykott auf. Weil Fast Fashion Retailer unter fragwürdigen Bedingungen Profit machen. Weil sie einen Sale nach dem anderen raushauen, statt ihre Näher:innen zu bezahlen.

#WhomadeMyClothes kennt man. Doch der öffentliche digitale Pranger setzt noch eins obendrauf. Ein Beispiel: @fashionchangers Öffentlich- und Bewusstmachen der Missstände bei adidas

Content formt Konsumverhalten Instagram
Quelle: @franbancompany @fashionchangers | Instagram

Content Queen Instagram

Das ist nur ein Beispiel, welche enorme Kraft Content und die Community haben. Sensibler Content zieht. Content dominiert die digitale Welt. Content bleibt hängen. Insbesondere Content, der heraussticht, sei es, weil er einfach zu tiefst ehrlich und authentisch ist – @elhotzo und @fotzenbonusofficial lassen grüßen, weil er einen Nerv trifft, weil er im digitalen Raum den Platz bekommt, den er verdient.

Und: Content formt. Dieses Bewusstsein, von dem ich weiter oben schrieb. Content, den ich auf Instagram konsumiere, bestätigt mich, beeinflusst mich, bewegt mich. Ich entscheide und wähle bewusst(er), was ich konsumiere und was nicht mehr. Welcher Marke ich trauen kann und welcher nicht (mehr).

Ja, Nachhaltigkeit und Achtsamkeit spielten und spielen auch ohne Instagram eine Rolle in meinem Leben. No Worries also: Ich kann auch ohne Instagram ganz gut entscheiden und komm klar. Hallo!? 😉

Instagram ist Spiegel der Konsument:innen

Ich war zwar nicht Teil der Studie »Konsumgüter und Einzelhandel: Wie Nachhaltigkeit die Verbraucherpräferenzen grundlegend verändert«, doch auch ich würde zu den 80 Prozent gehören, deren Kaufentscheidung von ihrem Nachhaltigkeitsbewusstsein beeinflusst wird. Wie 6000 der 7500 Befragten aus den USA, UK, Schweden, Spanien, Frankreich, Indien, Italien, den Niederlanden und Deutschland geht es auch bei meiner bewusst(er)en Kaufentscheidung nicht nur um Klima- und Umweltschutz – Ja, das ist schon Grund genug! – aber es geht auch um soziale Verantwortung und Inklusivität!

Die Ergebnisse der Studie sprechen für sich:

Knapp die Hälfte der Konsument:innen

  • entscheidet sich bewusst für weniger bekannte, dafür aber nachhaltigere Marken
  • hat eine emotionale Bindung zu Produkten und Marken die nachhaltig sind

Etwa zwei Drittel

  • macht der Kauf nachhaltiger Produkte glücklich

Nachhaltigkeit ist längst aus der Nische raus. Sei es aus ökonomischer, sozialer oder ökologischer Sicht. Auch Marken und Unternehmen werden sich zunehmend dessen bewusst. Bei knapp 90 Prozent der deutschen Technologie-Unternehmen zählt Nachhaltigkeit bereits zu einem wesentlichen Teil der Geschäftstätigkeit. Acht von zehn haben sich zudem öffentlich zur Nachhaltigkeit verpflichtet

Content & Conscious Everything im Business

digitale freiheit trendbuch handelskraft 2021 cover ctaWelche Möglichkeiten es gibt, Nachhaltigkeit im Unternehmen zu etablieren, nicht als Selbstzweck, und doch als Business Benefit, das erfahrt ihr im aktuellen Trendbuch Handelskraft 2021

Dort geht es selbstverständlich und per se ^^ auch um die Kraft des Content, um Transparenz und: selbstredend um »Digitale Freiheit«.

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