Co(rona)-Working-Space – Zwischen Spinat und Smartphone [Teil 4]

Homeoffice mit Kleinkind
Homeoffice mit Kleinkind

Durch den Ausbruch des Coronavirus sind Unternehmen angehalten, ihre Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten zu lassen. Als Digitalagentur gehören wir in dieser Situation eindeutig zu den Glücklichen, die ihren Job auch problemlos von daheim ausüben können. Daher befinden sich unsere Handelskraft-Redaktion sowie das komplette dotSource-Team seit mittlerweile drei Wochen im Homeoffice. Trotzdem stellt uns der neue Alltag vor kleine und große Herausforderungen, die wir in unserer Co(rona)-Working-Space-Reihe thematisieren wollen.

Während mein Kollege Sam bereits von seinem MVP-Familien-Masterplan berichtete und auch meine Kollegin Louisa letzte Woche Einblicke in die geistigen Ergüsse ihres Sechsjährigen gab, thematisiere ich heute den Family-Office-Alltag mit trotzigem Kleinkind:

Co(rona)-Working-Space – Homeoffice mit Kleinkind?!

13.03.: Ständig aktualisiere ich die offizielle Seite der Stadt Jena. In Weimar wurde bereits angekündigt, dass Schulen und Kitas in der nächsten Woche schließen. Meine Kollegin und ich sind uns sicher: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das auch für Jena blüht. Kurz vor Feierabend betätigt sich unsere Vorahnung. Was nun?

Schon in den letzten Tagen wurde uns von allen Seiten versichert: Homeoffice sei kein Problem. Aber Homeoffice hin oder her: wie soll das gehen, mit einem Kind von anderthalb Jahren, dessen Aufmerksamkeitsspanne bei höchstens 15 Minuten liegt. Und das nur bei besonders spannenden Dingen (wie z.B. die halbe Wohnung auseinander zu nehmen).

17.03. Erster Tag im Family Office: Mein Partner und ich sind mehr als froh, im gleichen Unternehmen zu arbeiten. Zum einen, weil wir die Flexibilität und Offenheit der dotSource in diesen Zeiten mehr als je zuvor zu schätzen wissen. Zum anderen, weil wir die Aufgaben und Verantwortlichkeiten des jeweils anderen besser einschätzen können. So fällt es leichter, zu entscheiden: Wer arbeitet zu welchen Zeiten? Welche Termine sollten unbedingt wahrgenommen werden?

Dennoch: Auf meine sieben Stunden Arbeitszeit komme ich heute nicht. Und die Ganztagsbeschäftigung eines Anderthalbjährigen in seiner Trotzphase gestaltet sich ohne soziale Kontakte, Spielplatz und Co. schwierig. Ich merke schon jetzt – mein Sohn langweilt sich. Vermisst andere Kinder und die Vielzahl an Spielzeug im Kindergarten. Oder zumindest einen Sandkasten…

Co(rona)-Working-Space – Ist Hotel Oma die Rettung?

»Glücklicherweise» arbeitet meine Mutter als Erzieherin. Ihr Pech derzeit nur einige Tage die Woche in Notbetreuung arbeiten zu können, ist unser Rettungsanker in der Not. Oma-Betreuung Deluxe. Doch die Freude wird direkt gedämpft: Kann ich mein Kind überhaupt guten Gewissens zur Oma geben? Gehört sie denn nicht schon zur Risikogruppe?

Wir entschließen uns trotz Zweifel für die Omabetreuung. Also Sachen packen, Kind ins Auto und auf geht’s zu Oma in die 60 Minuten entfernte Kleinstadt.

18.03. Die nächsten Tage werden deutlich entspannter. Während mein Partner sich ins Gästezimmer verzogen hat, habe ich das Wohnzimmer als neuen Working-Space auserkoren. So lässt es sich arbeiten.

Doch auch wenn die Ruhe produktiv ist: Ich vermisse meinen Sohn. Und ich vermisse mein Team. In unserem Office herrschte schließlich immer eine besondere Dynamik. Kreativer Austausch, gemeinsames Brainstormen und zwischendrin ein bisschen Klatsch und Trasch gehören sonst zu unserem Alltag.

25.03. Da wir beschlossen haben, unseren Sohn nicht mehr zu Oma zu bringen, heißt es jetzt: organisieren – wer hat wann wichtige Termine, welche Meetings kann man zur Not schieben? Mein Partner übernimmt die Frühschicht und arbeitet vormittags im Gästezimmer, während ich unseren Sohn bespaße. Na dann – raus an die frische Luft. Da Spielplatz keine Option mehr ist, gehen wir unserer Zweit-Liebsten Beschäftigung nach: Enten füttern. Nach ca. zehn Minuten werden wir jedoch von zwei Beamten des Ordnungsamtes ermahnt: »Bitte weitergehen!«. Na toll – soeben ist also die nächste Outdoor-Beschäftigung gestorben. Bleibt nur noch spazieren gehen…

11 Uhr: Zeit fürs Mittagessen – und das wöchentliche Marketing Meeting. Während mein Sohn also genüsslich Spinat verdrückt, schiele ich immer wieder auf mein Smartphone, wo ich über Teams dem Meeting folge. Mein Sohn findet das Ganze zum Glück amüsant und schaut nach dem Essen gespannt aufs Display, sodass auch ich dem Meeting bis zum Schluss folgen kann.

Als er um 12 Uhr endlich Mittagsschlaf macht, würde ich mich am liebsten gleich dazu legen! Doch nix da, schließlich fängt die Arbeit jetzt erst an. Also Plätze tauschen – jetzt ist Papa-Kind-Time –und ran an die Arbeit. Bis 18 Uhr sitze ich da, Konzentrieren fällt immer schwerer. Jedes Mal, wenn ich mich an meinem Sohn vorbei ins Bad schleiche, höre ich nur ein enttäuschtes »Maaamaaaaa…?«

Co(rona)-Working-Space – Home und Office verschwimmen

30.03. Mittlerweile haben wir uns alle an die neue Situation gewöhnt. Mein Partner und ich machen bereits sonntags einen Plan, der genau festlegt, wer diese Woche »Frühschicht« und wer »Spätschicht« hat.

Das funktioniert zwar ganz gut, doch ich merke auch, dass Home und Office immer mehr verschwimmen. Da die meisten meiner Kollegen bereits arbeiten, während ich mich noch um meinen Sohn kümmere, schaue ich ständig aufs Handy. Zeit richtig abzuschalten, bleibt am Tag kaum, denn trotz Krise – zu tun gibt es genug. Ich beneide meine (kinderlosen) Freunde, die gar nicht wissen, was sie mit der neu gewonnenen Zeit anfangen sollen und diversen neuartigen Hobbies nachgehen.

Doch während mein Sohn im Innenhof Dreirad fährt und ich mich mit meinen Nachbarn unterhalte (natürlich in 1,5 m Abstand!), merke ich wieder, wie gut ich es habe. Schließlich habe ich die besten Voraussetzungen, um safe und easy im Homeoffice zu arbeiten, habe weiterhin einen großartigen Job und das beste Team.

Co(rona)-Working-Space 

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