Lost in Digitisation: Über vergessene Geräusche in der neuen Arbeitswelt [Netzfund]

Lost in Digitisation Geräusche Netzfund
Travis Yewell | unsplash

Waren das noch Zeiten im Büro: Eine große analoge Uhr über einem Holzschreibtisch mit Wählscheiben-Telefon. Arbeit auf Papier, Publikumsverkehr nur zwischen 8 und 12 Uhr, Stempel, Tacker, Locher, Leim. Klemmende Schubladen, Aktenschränke mit Rollladen.

Wie diese Zeiten aussehen, das haben wir sofort präsent. Wir erinnern uns in Zeiten der Digitalisierung täglich daran, indem wir zum Beispiel Büro-GIFs verschicken im Vintage-Style. Aber wie klang sie, diese Vergangenheit sich wandelnder Technik?

Lost in Digitisation: Digitale Archive für gefährdete Klänge

Die analoge Uhr lässt bedeutungsvoll tickend Sekunden verstreichen, wenn das Telefon klingelt, rappelt es derart, dass man es nicht ignorieren kann, und das gelegentliche Klick Klack des Tackers unterstreicht eine entspannte Produktivität im papiernen Büro.

Seit ein paar Jahren schon machen zwei Webseiten solch vergessene Geräusche zu ihrem Gegenstand, sammeln sie und stellen sie aus: Da wäre zum einen das »Museum of Endangered Sounds«, erreichbar unter www.savethesounds.info. Es konserviert Geräusche wie den Nadeldrucker oder die Begrüßungsmelodie von Windows 95.

Und da wäre zum anderen das Projekt »Conserve the sound« der Essener Klangenthusiasten Jan Derksen und Daniel Chun. Es ist umfangreicher als das britische Pendant und wächst ständig weiter, auch dank User Generated Content.

Derksen und Chun sind hauptberuflich Kommunikationsdesigner, in ihrer Freizeit spüren sie Klangquellen aus der Vergangenheit auf, archivieren sie, fotografieren sie und stellen sie auf die Website www.conservethesound.de: Faltkarten statt Google Maps zur Orientierung. GAF View Master statt Instagram zwecks Urlaubsbilderbetrachtung. Intercom Lion Solid State statt Microsoft Teams für Kurzabsprachen.

https://www.dw.com/de/ein-digitales-museum-f%C3%BCr-ger%C3%A4usche/l-54366556 

Lost in Digitisation: Modern Work, modern Sounds

Auffällig ist, dass viele Geräusche, die aus unserem Alltag wieder verschwunden sind, mit einer sich wandelnden Arbeitswelt zu tun haben. Dabei wandelt sich diese nicht nur von analog zu digital, sondern beständig innerhalb des Digitalen.

Selbstredend verändert sie sich allerdings von Branche zu Branche in unterschiedlich schnell: Während in der IT-Branche möglicherweise kaum noch über Smartphones telefoniert wird, sondern alle über Workaround-Tools wie Slack kommunizieren und interkontinentale Zoom-Meetings schon länger als zwei Jahre Pandemie zum Standard gehören, steht in so machen Behörden noch heute so manches Faxgerät. Und es erklingt sogar noch regelmäßig der belastend-markante Sound des Diiiiiiiiidööödrrrrrrrrrrrrrrr.

Aber selbst die Verwaltung will europaweit innovativer werden, wie jährlich auf dem Creative Bureaucracy Festival www.creativebureaucracy.org in Berlin bei hunderten Sessions zu erfahren ist. Dort fanden sich dieses Jahr sogar humorvoll verdichtete Bürokratie-Sounds à la Tacker, Locher, Stempel.

Wer gezielt nach solchen Geräuschen suchen möchte, der kann eine gesonderte Suchmaschine bemühen, die auf Sounddateien im Netz spezialisiert ist. Hier finden sich Faxgeräusche ebenso wie das Zwitschern eines Zaunkönigs: www.findsounds.com. Denn angesichts des Klimawandels und des Artensterbens zählen auch dessen Klänge womöglich bald zu den vergessenen Geräuschen.

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