Pionier digitaler Freiheit feiert 111. Geburtstag: Happy Birthday, Konrad Zuse!

Pionier digitaler Freiheit Konrad Zuse
Quelle: Alexander Sinn | Unsplash

Heute ist der 22. Juni und die 22 ist ein Repdigit. Das ist kein digitalisiertes Krokodil, sondern eine mehrstellige natürliche Zahl, die aus identischen Ziffern besteht – Ziffer heißt auf englisch digit, rep steht für repeat. Im Deutschen nennen wir solche Zahlen umgangssprachlich auch Schnapszahlen. Der 22. Juni 2021 ist ein schnöder Dienstag, es ist aber auch der Tag, an dem Konrad Zuse 111 Jahre alt geworden wäre. Doppelte Schnapszahl, also Prost, Konrad! Doch wer war eigentlich Konrad Zuse, warum waren Ziffernfolgen für ihn wichtig und warum war er wichtig dafür, dass es überhaupt Computer gibt?

Pionier digitaler Freiheit reißt Familie mit

Konrad Zuse gilt als einer der Erfinder des Computers. Nicht als der einzige Wegbereiter der Technologie, wie nicht zuletzt er selbst immer wieder betonte. Friedrich L. Bauer beschreibt Zuse als »Schöpfer der ersten vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren, in binärer Gleitpunktrechnung arbeitenden Rechenanlage«. Das war 1967 in München, in der ersten Informatikvorlesung für den bundesweit ersten Studiengang für Informatik.

Zuses berühmte Rechenmaschine Z3 wurde 1941 in Berlin fertig – Berlin, 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, mitten im NS-Regime. Zuse selbst war ein Kind seiner Zeit und seiner Zeit doch weit voraus: 1910 in Wilmersdorf, heute ein Stadtteil von Berlin, geboren, wuchs er in einer bürgerlichen Familie auf. Sein Vater war Postbeamter und förderte den Erfindergeist seines Sohnes, der schon als Jugendlicher – die Familie lebte damals in Hoyerswerda – Automaten für alles mögliche baute und leidenschaftlich zeichnete. Zuse wollte Bauingenieur werden, studierte in Berlin und arbeitete nebenbei als Werbegrafiker.

Nach dem Studium fand er sofort eine Anstellung im Flugzeugbau, wollte aber lieber im Berliner Wohnzimmer seiner Eltern eine Erfinderwerkstatt einrichten und eine Idee umsetzen, die er schon länger mit sich herumtrug: Er wollte Rechenmaschinen bauen. Während viele Eltern in solchen Momenten zu ihren Kindern sagen, sie sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren und ihre Ideen begraben, unterstützten Zuses ihren Erfinderspross und finanzierten seine Bemühungen.

Die erste, noch komplett mechanische Rechenmaschine, Z1, wird 1937 fertig. Hier sah man die Bits sozusagen noch mechanisch wandern – was einerseits faszinierend, andererseits fehleranfällig war. Die Hebel verkanteten sich mitunter, der Rechner bockte. Zuse tüftelte weiter.

Pionier Z3 zu verstehen, heißt Computer zu verstehen

1941 beendete Zuse seine Arbeiten an der Z3, die nicht mehr rein mechanisch, sondern mit Relais, also mittels elektrischer Schaltung, funktionierte. Die Z3 gilt in Deutschland als der erste funktionsfähige Computer der weltweit. In weiten Teilen der Welt indes wird diese Bezeichnung dem ENIAC zuteil, der erst fünf Jahre später, 1946, in den USA vorgestellt wurde. Der ENIAC ist unter den Digitalrechnern der fünfte der Geschichte, aber er war der erste Rechner, der zugleich elektronisch, programmierbar und, im Sinne des britischen Mathematikers Alan Turing, turing vollständig war. Der ENIAC setzte nicht auf Relais, sondern auf Elektronenröhren zur Pulsübertragung und war so deutlich schneller als Zuses Z3.

Trotzdem lässt sich an der Z3, die im Deutschen Technikmuseum Berlin als Nachbau ausgestellt ist, verstehen, was Computer bis heute ausmacht: Die Maschine trennte bereits zwischen Speicher und Rechenwerk, es gab eine Rückübersetzung vom binären ins dezimale Zahlensystem sowie eine Vorform der modernen Grafikkarte.

Pionier Konrad Zuse als Einzelkämpfer und Unternehmer

Die Z3 war somit längst mehr als die Erfindung eines jungen Ingenieurs im elterlichen Wohnzimmer. Sie bestand aus einem 600 Relais umfassenden Rechenwerk und einem 1400 Relais umfassenden Speicherwerk. Rund 30.000 Kabel hatte Zuse verbaut und eine Tastatur mit Lampenfeld integriert. Der Rechner war ein riesiger, raumfüllender Schrank. Er wog rund eine Tonne, doch die architektonische Grundstruktur aus binären Zahlen, Rechen-, Speicher- und Programmwerk ist bis heute in jedem noch so kleinen und leichten Device zu finden.

Zuses Erfindung 1941 war eine Revolution, und der Ingenieur wusste sie auch so zu verkaufen – zur damaligen Zeit an die damaligen Machthaber: Seine Maschine wurde von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt des NS-Regimes finanziell gefördert. Sie sollte eingesetzt werden, um eine komplexe Matrix zu berechnen, mit der man das sogenannte Flügelflattern würde untersuchen können – ein Effekt der Aeroelastizität, der während des Krieges zum Absturz zahlreicher Flugzeuge ohne gegnerische Einwirkung geführt hatte.

Zuse gründete in Berlin die Zuse-Apparate-Bau – im Grunde die erste private Computerfirma der Welt. Doch das Start-up mit der Z3 als Herzstück wurde 1945 von einer Bombe getroffen, die Z3 wurde zerstört, die Z4 war unfertig und ebenfalls versehrt. Zuse verließ die Hauptstadt mit ein paar Koffern und begann in einer kleinen Werkstatt in Nordhessen bei Hünfeld nach dem Krieg damit, weitere Computer zu bauen. Erst mit wirtschaftlichem Erfolg, dann mit Schwierigkeiten: Die Firma ging später in der Siemens AG auf.

Pionier Konrad Zuse zwischen Computern, Kunst und Kosmos

Whitepaper Künstliche Intelligenz zum DownloadZuse war nicht nur ein begnadeter Ingenieur, er beschäftigte sich auch mit physikalischen Fragestellungen. So schrieb er ein theoretisches Werk über den Kosmos als rechnenden Raum und begründete damit die digitale Physik. Der Berliner war auch zeitlebens als Maler und Grafiker aktiv. Eines seiner letzten Bilder malte er 1995 – ein Portrait von Bill Gates.

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