Das Interesse am Online-Lebensmittelmarkt

Diesen Monat wurde der Erfolg des online Verkaufs von Lebensmitteln stark kritisiert. Hauptsächlich das Angebot von Amazon wurde unter Beschuss genommen. Trotz der Kritik blicken die Versandhändler mit Zuversicht in die Zukunft. So führt Chehab Wahby von der Strategieberatung OC&C in der Welt Online an:

» “Die Akzeptanz wird zunehmen” «

und prognostiziert dem Geschäftsmodell bis 2015 ein Umsatzwachstum von 50-70%.
froodiesaktuell

Auch Lutz Preußners, Geschäftsführer des Online-Lebensmittelmarkts froodies.de bleibt optimistisch:

» Ich denke, es ist bei der aktuellen Studie wichtig, zwischen dem Status Quo und den Aussichten für den Online-Lebensmittelhandel zu unterscheiden. Der aktuelle Anteil ist mit 0,1% noch sehr gering. Das liegt aus meiner Sicht weniger am nicht vorhandenen Interesse bzw. Bedarf der Verbraucher, denn dieser ist auch in Deutschland bereits jetzt vorhanden. Der Grund liegt vielmehr in der Tatsache, dass es in Deutschland aktuell noch keinen nennenswerten überregionalen Anbieter gibt, wie bspw. Tesco in Groß Britannien. Der Einstieg von Amazon in den Markt ist hier sicherlich ein deutliches Zeichen. Dass das Potenzial ist auch in Deutschland riesig. Die Annahmen gehen von 2-3% Umsatzanteil aus, das sind ca. 6 Mrd. Euro! «

Kritisch bei Amazon sieht er den Umstand, dass Kunden, sobald sie bei mehreren Anbietern bestellen, auch gleich mehrfach Versandkosten zahlen müssen. Er ist sich jedoch sicher, dass hier bald für mehr Transparenz im Bestellprozess gesorgt wird. Die Entwicklungen auf dem Online-Lebensmittelmarkt bleiben somit weiterhin spannend.

Ein weiterführender Link zum Thema:

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Nachgefragt: froodies.de gibt Einblicke in den Online-Lebensmittelmarkt

Froodies Logo

» Wir haben uns gesagt: Ein zentraler Ansatz kann es nicht sein, wir müssen mit lokalen Händlern kooperieren. «

Während sich der Onlinehandel mit Lebensmitteln in der Schweiz mit LeShop und in Großbritannien mit Tesco etabliert hat, läuft dieser hierzulange gerade erst an. Einige Anbieter wie Froodies.de, Rewe mit seinem Service Rewe Express oder Edeka mit Edeka24, versuchen mit ihrem Lieferservice Marktanteile zu sichern. Seit einigen Wochen hat Amazon sein Sortiment erweitert und vereint einige Anbieter für Lebensmittel auf einer Plattform.

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Froodies.de: Lebensmittelversand im Internet

froodiesLebensmittelversand über Internet? In Deutschland gibt es seit März dieses Jahres einen neuen Versuch dazu: das Dortmunder Startup froodies.de, das sich momentan in der Beta-Phase befindet.

Das Konzept:
Froodies hat einen Dortmunder Lebensmittelhändler an der Strippe. Geht auf froodies.de eine Bestellung ein, so wird auf dessen Sortiment zurückgegriffen. Das ist an sich wirklich gut, da man sich so Investitionen in ein eigenes Lebensmittellager sparen kann. Logistisch lief es bisher so, da man frisch liefern muss, wurde bisher nur der Dortmunder Raum mit Frischwaren beliefert.
In Restdeutschland konnte man dennoch Waren bestellen, die nicht gekühlt geliefert werden müssen. Aber man arbeitet bereits an einem Konzept (könnte man sich auch bei Saftfabrik.de abschauen; die haben sich diesem logistischem Problem bereits erfolgreich angenommen). Geliefert wird in Dortmund dreimal am Tag, wer vor 12 Uhr bestellt, hat abends 18 Uhr seine Bestellungen (oder sagen wir besser Einkäufe) an der Tür. Die Preise und Lieferpreise sind überraschend günstig: 4,90 Euro Versand im Dortmunder Raum, 6,90 Euro in Restdeutschland. Das ist okay.

Aber wozu das alles? Spannend ist diese Idee nicht, geht es hier um den gewöhnlichen Lebensmittelerwerb. Lutz Preußners, Gründer von froodies.de (zusammengesetzt aus „fresh food deliveries”), äußerte sich deutsche-startups.de gegenüber folgendermaßen:

Der Versand von Lebensmitteln ist das letzte große Potential, das im Online-Bereich noch nicht bedient ist. «

froodies2

Zwei Dinge seien hierzu angebracht: Es gibt, erstens, schon eine ganze Reihe von Anbietern, die Lebensmittel über das Netz vertreiben, überwiegend natürlich Selbstmix-Portale wie MyMuesli, Saftfabrik oder Chocri. Ob diese Portale momentan profitabel arbeiten bzw. eine Aussicht darauf haben, ist noch mal ein ganz anderes Paar Schuhe. Qualitativ sind diese jedoch top. Und zweitens: Der Bereich des richtigen Lebensmittelversandes, wie es froodies.de anpeilt, gab es bereits mal. Erfolglos. Die Handelskette Tegut unternahm 2001/2002 bereits einen großen Versuch, der aber recht schnell wieder eingestampft wurde. Tegut ist mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro kein Leichtgewicht.

Was liegt also näher als das Argument: Das war 2002 so, wir haben jetzt 2009. Ja, das Internet ist mittlerweile in fast allen Bevölkerungsgruppen populär geworden, aber reicht das aus, um dem Supermarkt an der Ecke Konkurrenz zu machen bzw. um erfolgreich mit so einer Idee zu werden? Ich persönlich glaube nicht daran. Und auch die Begründungen des froodies-Geschäftsführers klingen leicht gutgläubig:

» Wir geben Menschen die Möglichkeit, sich in ihrer Freizeit mit schönen Dingen zu beschäftigen anstatt mit Einkaufen!” – “Mein Opa surft im Internet und ist längst keine Seltenheit mehr in dieser Generation! «

Und sich dann im Ausland an funktionierenden Vorbildern zu orientieren halte ich für gefährlich, insbesondere den USA-Dienst freshdirect, die anders als tegut, seit mehreren Jahren im New Yorker Raum konstant geblieben sind. Jedoch kennen die Amerikaner, insbesondere die New Yorker, nicht den klassischen Supermarkt wie wir. Das Angebot freshdirect bedient also eine Nische, ähnlich wie gourmondo.de hierzulande. Das Konsumverhalten ist dort drüben ganz anders, des Weiteren ist die dortige Internetbevölkerung weitaus weiter was Vertrauen und gestandener Geschäftsmodelle angeht.

Auch das englische Lebensmittelportal tesco.com lässt sich schwer als vergleichbare Idee anbringen, da hinter tesco.com ein Supermarktkonzern mit einem Umsatzvolumen (2008) von 52,5 Milliarden Euro steht. Vor allem in Irland gibt es zu Tesco kaum Alternativen. Und was den Schweizer Food-Shop LeShop.ch angeht: Hier steht das größte Schweizer Detailhandelsunternehmen hinter (Migros), das 2008 rund 17,1 Milliarden Euro umgesetzt hat. Es sind oftmals auch nicht unbedingt die Marken an sich, die ausschlaggebend sind, sondern vor allem auch die Ketten, in denen man einkaufen geht. Viele Discounter und Ketten haben ein bestimmtes Image an denen man sich orientiert und die man im Stadtbild auch durch Präsenz wahrnehmen kann. Bei einem reinen unabhängigen Lebensmittel-Onlineshop stelle ich mir das schwieriger vor.

» In den USA gibt es freshdirect, in England tesco.com, in der Schweiz LeShop.ch – die Zeit ist jetzt auch bei uns reif. «

Nein, würde ich so nicht unterschreiben. Die Idee ist an sich nicht schlecht, aber das Einkaufen von Lebensmitteln gehört zu den banalen Alltagsübeln. Habe ich Feierabend, gehe ich auf dem Heimweg am Supermarkt vorbei. Oder wenn ich was spezielles Essen will, dann gehe ich eben spontan einkaufen. So kann ich mich vor Ort auch noch mal umentscheiden oder eine andere Auswahl treffen. Wer garantiert mir, dass die Lieferung frisch ist. Das ist weitaus problematischer als eine Saftlieferung, auf die ich nicht angewiesen bin. Und auch wenn die Lieferung günstig ist und die Preise fair, an der Supermarktkasse bezahle ich trotzdem weniger.

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