ONLINE HANDEL 2009 – Eine Branche im Wandel

E-Commerce im Zeitalter des digitalen Lebens? Das war mal eine Frage und ist mittlerweile eine klare Aussage. Gerade auf der ONLINE HANDEL 2009 sprach man von der nächsten Generation: Social Commerce. In einer Reihe von Vorträgen konnte man als Zuhörer sehr gut nachvollziehen, warum und womit die Aufregung und die Neugierde begründet sind. So konnte man den Umfang dieser neuen Dimension erfassen. Der „verspielte” Online Handel kommt und ist nicht mehr aufzuhalten. Die Entwicklung von Community-getriebenen Verkaufskonzepten schreitet ohne Luft zu holen voran und was ganz entscheidend ist: es funktioniert.

Eine spannende Entwicklung zeichnet sich hier im Bereich der Produktvideos ab: Die wohl zukunftsschwangerste Schnittstelle im Social Commerce. Produkte funktionieren visuell, vor allem das Internet reagiert auf dieses Bedürfnis und entwickelt beinahe eigendynamisch die digitale Landschaft der Produktpräsentation. Empfehlungen und Bewertungen anderer Menschen spielen bei einer Kaufentscheidung im Internet mittlerweile eine entscheidende Rolle. Gut gestaltete und informative Produktvideos hebeln diese Gesetze des Kaufverhaltens aus und revolutionieren sie.

Klaus Driever, Geschäftsführer bei New Media (Verlagsgruppe Weltbild GmbH) referierte hierzu über den Einsatz neuer Technologien für den Online Handel: von Mobile bis Web-TV. Und das Herz schlägt bei so manch geäußertem Gedanken und Faktum lauter. Der Einsatz dieser neuen Technologien und die Idee allgemein lässt mittlerweile eine ganz neue Branche erwachsen, einen ganzen Industriezweig, der da andockt, wo wir den Bruch zur Zukunft vermuten. Es gibt heute Agenturen, die sich auf Produktvideos und deren Umsetzung spezialisiert haben. Die Spezialisierung entsteht aus banalen Ideen und Vorstellungen, in diesem Fall wird eine Nische bedient, die schon in den letzten Jahren immer mal wieder aufgetreten ist. Mittlerweile versucht man sich schon aktiv an unterschiedliche Arten des Videoangebots zu gewöhnen. Es zeigt auf, wie schnell Normalität sein sollte um noch mitzukommen. „Ich brauche Zeit, mich daran zu gewöhnen” unterliegt einem neuen medialen Bedürfnis, das im Social Commerce zum Hauptakteur wird.

Das ganze Format der Social-Commerce-Funktionalität, die gesamte Palette der virtuellen Interaktion zwischen A und B (C, D, E, …) möchte man am Mutterschiff Amazon vermuten. Es gibt jedoch deutsche Formate, da hat man das Gefühl, als würde man Amazon schon einiges voraus sein. Der Webauftritt von Globetrotter hat sich den Terminus „Auftritt” wirklich verdient. Taucht man in diese Umsetzung der Social-Commerce-Idee erstmal ein, fehlt am Ende eigentlich nur noch der rote Vorhang. Es wird nicht mehr lange dauern, da werden Online- und Liveshopping-Portale regelmäßig wenn nicht sogar ständig mit dieser Funktion hantieren. Sie werden es müssen. Und sie werden es auch wollen, wenn man bedenkt, dass so manches Portal den Umsatz aufgrund des Einsatzes von Produktvideos verdoppelt oder gar verdreifacht hat. Der Vorteil von Produktvideos ist international derselbe, obwohl das Verhalten in Communities und der Gebrauch anderer Funktionen wie Bewertungen, Empfehlungen und Rezensionen unterschiedlich ausfallen. Der deutsche Online-Kunde schreibt ausführlicher seine Rezension, wohingegen der französische Online-Kunde sich eher zurückhält mit Worten, und so weiter. Produktvideos sind international vom Prinzip des Sendens und Empfangens.

Nicht weniger interessant waren Vorträge aus dem Bereich Mobile Marketing & Advertising. Wie wird in Zukunft Werbung aussehen? Wie mobil wird die Werbung werden und inwiefern wird das wortwörtlich verstanden werden? Bei Anruf: Werbung, die als Applikation auf dem Display erscheint. Nein, keine Gedankenexperimente mehr. Das mobile Verständnis wird unser alltägliches Verständnis. Microblogging à la Twitter ist nur eine Facette. Irgendwann gehen Menschen mit ihrem Handy in ein Geschäft und bringen den Verkäufer zum Schwitzen, wenn sie die neuesten Preisvergleiche live auf das Handy holen.

Die ONLINE HANDEL 2009 hat viele Antworten gegeben. Und das sehr eindrucksvoll. Und sie hat viele Fragen aufgeworfen, den man sich nur stellen kann, wenn bereit ist einen Gang höher zu schalten, schneller zu fahren und dabei nicht den Überblick zu verlieren. Denn sich zu verfahren bedeutet mittlerweile schon fast, nicht mehr aufholen zu können.

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Online-Handel zeigt der Finanzkrise die Grenzen

Den Onlinehandel scheint die Finanzkrise bis dato noch nicht zu interessieren. Wie eine Galionsfigur trotzt er den zurzeit aufgewühlten Gewässern der Konsumangst. So veröffentlichte der Bundesverband des Deutschen Versandhandels gestern neue Zahlen, aus denen hervorgeht, dass im November und Dezember der Umsatz weiterhin gestiegen ist, um 23% auf 2,7 Milliarden Euro. Mit anderen Dienstleistungen wird sich der E-Commerce-Umsatz dieses Jahr auf 20 Milliarden Euro beziffern.

31 Millionen Deutsche klicken sich mittlerweile des Shoppens wegen durch das Netz. Dass der Onlinehandel momentan noch nicht unter die Räder der Finanzkrise geraten ist, liegt nicht unbedingt am Medium Internet, sondern an der Tatsache, dass Online-Händler wesentlich bessere Preisvorteile auspacken als stationäre Händler.

Diese Preisvorteile und Rabatte sind nach gängiger Meinung definitiv Entscheidungskriterien. Das Medium Internet bietet nur den Übersichtsraum, der genügend Zeitersparnis bietet. Man spart also zweierlei. Dass der Onlinehandel nun also trotzdem weiterboomt zeigt nur mehr deutlich die Sparermentalität, die sich in den unruhigen Zeiten durchsetzt, aber auch den allgemeinen Trend, sich mehr und mehr im Internet zu bewegen.

Die Finanzkrise bietet dem Onlinehandel nun viel Spielraum, sich als besonders vertrauenswürdig zu beweisen. Wenn der Umsatz im Internet steigt, dann zeugt das von Vertrauen und spricht für die Tatsache, dass soziale Netzwerke als Kaufentscheidungshilfe wichtiger werden. Ein Umstand, der im stationären Handel momentan sehr schwer zu kommunizieren ist. Man bleibt skeptisch. Und so sehr man auch allein vor dem Bildschirm sitzt, man ist dann doch nicht so allein, wie man denkt.

Der Onlinehandel trotzt der Finanzkrise? Dass man sich das nicht so recht erklären mag, liegt vielleicht einfach daran, dass es nicht nur um Trend und Preisvorteile geht. Das Internet und der Onlinehandel spricht momentan wohl einfach nur eine verständlichere und kundenorientierte Sprache, was durch die Finanzkrise unterstützt wird.

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