Globetrotter vorerst gescheitert: Qualität ist nicht alles

Verfasst am 10. Dezember 2014 von .

Grafik: ilkerender

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Globetrotter, der Fachhändler für Outdoor-Bekleidung und sonstiges Zubehör für die sonntägliche Wanderung oder die Erklimmung des nächsten Achttausender, gibt seine 35 Jahre alte Eigenständigkeit auf. Die Handelskette begibt sich in die Hände der Holding Frilufts Retail Europe aus Schweden und wird so Teil der Fenix-Gruppe. Zwar gilt Globetrotter noch als Marktführer im Outdoor-Segment, doch die falsch eingeschätzte Zielgruppe und die unterschätzte Konkurrenz machen dem Hamburger Unternehmen zu schaffen.

Globetrotter: Das Erlebnis-Paradies

Die stationären Läden von Globetrotter waren schon immer ein Best Practice in Sachen Erlebnismarketing. Eine Jacke kann so direkt in einer Kältekammer getestet werden. Auch die Bergsteigerausrüstung nutzt man gleich an der nächsten Kletterwand. Mit dieser Strategie hat Globetrotter den ersten Ansturm an Outdoor-Onlineshops überstanden. Lange Zeit verwehrte man sich aber der oft günstigeren Konkurrenz aus dem Internet. Die Folge: Der Ladenbesucher kommt um beraten zu werden und um etwas zu erleben. Danach wird das Smartphone gezückt und die Preise der Jack Wolfskin Jacke auf verschiedenen Portalen verglichen.

So funktioniert Multichannel

Dabei kann man Globetrotter nicht vorwerfen, rückständig zu sein. Im Gegenteil: Der Onlineshop wurde 2013 relaunched und kann beispielsweise mit einer 360° Ansicht der Produkte begeistern – auch wenn diese nicht so intuitiv wie bei Zalando angelegt ist. Mit den Katalog-Apps für die gängigen mobilen Betriebssysteme, dem Outdoor-Stream 4-Seasons.TV und der gleichnamigen Community 4-seasons.de, die über einen Corporate Blog weit hinausgeht, zeigt Globetrotter wie Multichannel funktioniert. Wo ist also das Problem?

Die falsche Zielgruppe

Die Schwierigkeit liegt in der Finanzierung: Ist die halbe Verkaufsfläche nicht mit Waren, sondern für Kletterwände und Thermokammern reserviert, kostet das nun einmal zusätzlich. Die Strategie, die Globetrotter damit vertritt, zielt auf den qualitätsbewussten Kunden ab, dem Beratung wichtiger als der Preis ist. Diese Zielgruppe scheint aber eher die Ausnahme zu sein. Durch den Outdoor-Boom hält sich jeder für Reinhold Messner, der mal eben den Mount Everest besteigen kann. Wandern ist gesund und macht Spaß, soll aber nicht viel kosten. Die Hobby-Wanderer lassen sich also gerne beraten, vergleichen anschließend die Preise im Netz und kaufen online.

Dem Preiskampf stellen

Das Google Consumer Barometer zeigt, dass 46 Prozent der Deutschen das Internet während der Customer Journey als Anlaufstelle für den Preisvergleich nutzen. Globetrotter hat offenkundig auf das falsche Pferd gesetzt. Und der Preiskampf wird nicht leichter, da auch Hersteller, wie beispielsweise Adidas oder Jack Wolfskin, mit Onlineshops die Bühne betreten haben. Am Beispiel Globetrotter zeigt sich, dass Qualität eben nicht der einzige Kaufgrund ist. Vor allem in Deutschland sollten sich Händler daher dem Preiskampf stellen und nicht verkrampft versuchen eine kleine Zielgruppe über kostenintensive Qualitätsstandards zu ködern. Nicht umsonst gehörten die Albrecht-Brüder zu den wohlhabendsten Personen in Deutschland.

Lasst ihr euch im stationären Laden beraten und kauft dann doch online? Wie viel ist euch die Beratung wert? Kauft ihr lieber beim Händler oder direkt beim Hersteller? Gibt es Produkte, die ihr nur online oder im Laden um die Ecke kauft?

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2 Reaktionen zu “Globetrotter vorerst gescheitert: Qualität ist nicht alles”

  1. Helga Trölenberg

    Am 10. Dezember 2014 um 21:18 Uhr

    Na ja, ich weiß nicht. Es gibt reichlich Beispiele, bei denen die Verbraucher sich online informieren und offline kaufen. Multi-Channel heißt ja, dass die Kanäle sich gegenseitig befruchten sollen. Es sind eher hohe Kosten, die Globetrotter belasten denn hohe Umsatzeinbußen, obwohl auch der Umsatz zurückgegangen ist. Das liegt am Preisbewusstsein der Käufer und daran, dass Händler, die vormals exklusiv über Globetrotter online verkauft haben, ihr Geschäft jetzt selber machen. Die Marke mit der Wolfstatze ist eine von diesen. Die Probleme bei Globetrotter sind also vielschichtiger als nur die vermeintlich falsche Zielgruppe. Und noch eine Anmerkung: Die Brüder Albrecht sind mittlerweile gestorben, Theo 2010 und Karl im Juli 2014. Karl wurde im Frühjahr 2014 als der reichste Deutsche in der Forbes-Liste geführt. Beide gaben ihr Vermögen in unauflösbare Stiftungen.

  2. Nico Saborowski

    Am 11. Dezember 2014 um 08:54 Uhr

    Hallo Frau Trölenberg,

    Vielen Dank für Ihren Kommentar.
    Sie haben den Artikel gut wiedergegeben: Tatsächlich sind es die hohen Kosten, die für die momentanen Probleme zu nennen sind. Allerdings hat Qualität eben ihren Preis, sei es für gute Produkte oder ein umfängliches (Erlebnis)Marketing.
    Schwierig finde ich den Begriff “Preisbewusstsein”: Wo liegt die Grenze zum Motto “Geiz ist geil!” ? Eine preisbewusste Zielgruppe (und hier wären wir eben doch wieder beim Problem der Zielgruppe) gibt eben ebenso Geld für augenscheinlich teure, aber auch gerechtfertigte Preise aus. Geizhälsen reicht dagegen das billigste Produkt.

    Danke auch für Ihre Anmerkung. Mir war bewusst, dass die Gebrüder Albrecht bereits verstorben sind, weshalb auch die Vergangenheitsform “gehörten” Verwendung fand.

    MfG,
    Nico Saborowski

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