Super-Apps als neuer Weg zum Kunden [5 Lesetipps]

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Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Wenn man eine Unterkunft buchen, etwas Essen bestellen, Geld überweisen, mit Freunden oder Kollegen chatten und ein paar neue Hemden shoppen möchte, wie viele Apps sind notwendig? »Im Westen« mit Sicherheit sechs verschiedene. In Asien etabliert sich jedoch ein neues Modell, das alle diese Handlungen an einem einzigen Ort zentralisiert: die Super-App.

Die chinesischen Vorreiter WeChat und Alipay sind die größten Exponenten dieser Super-App-Revolution und gelten daher als Vorbild. Unternehmen aus aller Welt streben mittlerweile an, dieses erfolgreiche chinesische Modell für ihre Region zu »übersetzen«. Aber was ist eigentlich eine Super-App, welche Vorteile bringt sie und in welchen anderen Regionen erlebt sie bereits einen Aufschwung? Werden Super-Apps in der westlichen Welt überhaupt Fuß fassen können?

Super-Apps sind der neue Weg zum Kunden

Super-Apps versuchen mit jedem neuen Service oder jeder neuen Erweiterung, mehr und mehr Aufmerksamkeit, Zeit und Geld des Verbrauchers zu gewinnen. Und, obwohl einer ihrer Vorteile die große Vielfalt der Dienste unter einem Dach ist, liegt ihr wahrer Wert in der einfachen und bequemen Verknüpfung unser aller alltäglichen Aktivitäten auf einem Gerät.

WeChat und Alipay, die jeweils ursprünglich als reiner Messenger und reine Zahlungsmethode entstanden waren, haben so viele Dienste gebündelt, dass sie nun eher als Plattform funktionieren. Sie werden genutzt, als wären sie ein eigenes Betriebssystem. E-Commerce-Anbieter wickeln über die App Bestellungen, Bezahlvorgänge und den Kundensupport ab, während Nutzer auf viele Dienste auf einmal zugreifen können.

Die Vorteile einer Super-App sind unzählig:

  • Sie verkürzt den Weg zur gewünschten Handlung (Convenience).
  • Sie bietet eine Vielfalt an Services.
  • Sie ermöglicht eine einheitliche, individuelle Nutzererfahrung.
  • Sie spart Telefonspeicher.
  • Sie ermöglicht in- und ausländischen Einzelhändlern einen einfachen Markteinstieg.

Deswegen tauchen in anderen Mobile-First Regionen neue Super-Apps auf. Mit Erfolg. Denn wie kaum eine andere Funktion verstehen sie die landesspezifische Vorliebe ihrer Zielgruppe und werden stark in den Regionen wahrgenommen. So haben sie sich zu Alltags-Plattformen entwickelt.

Super-Apps verbreiten sich

In Südostasien gibt es vor allem drei Super-Apps, welche genauso wie die chinesischen Pioniere ihr ursprüngliches Angebot um immer mehr Dienstleistungen erweitern und so zu regelrechten Super-Apps heranwachsen. Perfekte Personalisierung und Unmengen an Daten inklusive.

Super-Apps in Südostasien entwickeln sich rasant

Das in Indonesien gegründete Motorrad-Taxi-Unternehmen Gojek ist in fünf Ländern tätig und verfügt derzeit über 23 Dienstleistungen, die in sechs Kategorien unterteilt sind: Vom Wäscheservice, über Kinokartenverkauf und der Lieferung von Lebensmitteln bis hin zur Terminvereinbarung mit einem Masseur oder Make-up-Profi.

Das in Malaysia gegründete konkurrierende Taxifahrunternehmen Grab weist (á la Uber) den nahen Pendlern über ein Location-Sharing-System Taxis und private Mietwagen zu. Neben dem Transport bietet das Unternehmen über ihre Super-App auch die Lieferung von Lebensmitteln, digitale Zahlungsdienste, Lieferservice, Buchung von Kinokarten und Hotelzimmern, Video-Streaming, ein Treueprogramm und sogar Abos an.

Andererseits ist das indische Unternehmen Paytm, das ursprünglich eine Prepaid-Mobilfunkplattform war, nicht nur Indiens größtes führendes Zahlungsportal, sondern auch ein Online-Marktplatz (Paytm Mall), in dem Kunden jede Art von Produkt shoppen können, á la Tmall von Alibaba.

Super-Apps finden Potenzial in Südamerika und Afrika

Auch in Südamerika und Afrika – zwei weiteren Mobile-First Gesellschaften – setzt sich der Super-App-Trend durch. Die kolumbianische Rappi (ursprünglich ein Kurierdienst) ist bereits in sieben Ländern tätig und bewegt sich gerade in Bereichen wie E-Payments, Roller-Sharing und Finanzdienstleistungen.

In Afrika hat sich ebenfalls die erste Super-App »Tingg« angekündigt. Das panafrikanische Zahlungsunternehmen Cellulant stellt eine einheitliche Plattform zur Verfügung, über die Nutzer jede Art von Nebenkostenabrechnungen realisieren können.

Super-Apps – auch im Westen realistisch?

Und was ist mit dem Westen? Hier wurden die Anwendungen so konzipiert, dass sie einem einzigen Bedürfnis des Benutzers entsprechen, nämlich kaufen oder bezahlen. Diese sogenannten Single-Purpose-Apps haben ihre Präsenz auf dem Markt gestärkt und sind bereits fest im Alltagsleben verankert. Der natürliche Weg ist also, dass einige dieser Apps Schritt für Schritt immer mehr Plattform-Merkmale übernehmen. Und obwohl es nicht so aussieht, gibt es bereits Bewegung.

Der Schritt von Facebook zu Zahlungen mit Libra ist ein besonders großer Schritt in Richtung Super-App. Amazon ist bereits auf einem guten Weg in Richtung Super-App in Indien, wo es E-Payments, Flugbuchungen, Ride-Hailing, Food Delivery und mehr anbietet, entweder direkt oder über erworbene Unternehmen. Außerdem hat Uber damit begonnen, Uber und Uber Eats in einer App zu vereinen.

In diesem neuen Szenario sollten sich also Händler, Hersteller und Marken fragen, ob sie Teil einer Plattform oder selbst zur Super-App werden wollen, um für Kunden relevant zu bleiben.

Unsere 5 Lesetipps der Woche

The emergence of super apps in Latin America [Techcrunch]

Who Will Be The Consumer’s Everyday App? [Pymnts]

Sind Super Apps die Zukunft? [Absatzwirtschaft]

Are Super Apps The Future? [Forbes]

Super App or super disruption? [Kpmg]

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