Tech-Talk und Cloud-Migration: SAP Commerce Cloud im Tech-telmechtel [Interview]

Tech Talk Cloud Migration SAP
Markus Hartleb, dotSource Teamlead und SAP-Experte

Letzte Woche haben wir sie eingeläutet, unsere neue Interview-Serie. Wir wollen denen das Wort geben, die aus erster Hand für echte Insights sorgen können. Nachdem Mirco uns also vor wenigen Tagen in die Welt der Microservices entführt hat, sprechen wir heute mit Markus Hartleb, Leiter des Teams bei dotSource, das für unseren Großkunden BayWa zuständig ist und so vor allem mit SAP arbeitet.

Tech-Talk mit Markus Hartleb

Markus, seit wann bist Du eigentlich bei dotSource?

Seit acht Jahren schon, seit fünf Jahren bin ich Teamleiter. Angefangen habe ich als Entwickler.

Hast Du klassisch Informatik studiert?

Nicht direkt. Ich bin Medien-Informatiker. Studiert habe ich in Weimar, an der Bauhaus-Uni. In einem recht künstlerischen Umfeld waren wir die Techies. Das Studium war super, weil extrem praxisorientiert und projektbasiert. Da konnte man schon viel mitnehmen für den späteren Berufsalltag.

Du hast ja auch eine künstlerische Ader, oder? In euren Büros hast Du die Wände angemalt mit liebevollen Karikaturen Deiner Team-Mitglieder!

Das stimmt, Zeichnen ist meine Leidenschaft. Ich habe am Anfang sogar mal überlegt, was Gestalterisches zu studieren. Ich bin aber froh, dass ich mich für das Technische entschieden habe. Man muss als Entwickler nicht auf Knopfdruck kreativ sein, aber genauso akribisch.

Hier in meinem Homeoffice stehen auch einige Bilder von mir im Hintergrund [Markus schwenkt die Kamera und zeigt mal größere, mal kleinere Leinwände].

Wow, das eine sieht ein bisschen aus wie Banksy, das andere wie Pollock …

… trotz Corona bin ich übrigens dieses Jahr noch überhaupt nicht zum Zeichnen gekommen, weil unser Bestandskundengeschäft brummt.

Bei BayWa hat man die Corona-Krise nicht negativ gemerkt, sondern es wurde lückenlos weitergearbeitet. Es kamen sogar Aufträge dazu. Die künstlerische Ader, kann ich deshalb hier eher in Architekturskizzen und Prozess-Diagrammen einbringen.

Tech-Riese SAP

BayWa vertraut auf SAP-Software, ihr habt dort vor allem mit SAP Commerce, aber auch mit der Marketing Cloud zu tun. Was macht SAP aus?

SAP ist ein sehr starker Anbieter, weil die Fülle an Lösungen so enorm ist. Aufgrund ihrer Größe und ihrer Entwicklungskapazität kann SAP sehr gut auf den Markt reagieren. Wenn eine Lösung gebraucht wird, können sie sie selbst entwickeln – wie zum Beispiel die Marketing Cloud. Die wurde komplett neu geschrieben in der SAP. Das heißt, da ist extrem viel Entwicklungspower dahinter.

Und wenn Lösungen und Innovationen nicht in-house entwickelt werden, dann werden sie durch strategische Zukäufe in die SAP-Cloud integriert.

Tech-Talk: SAP Cloud-Migration

Cloud ist das Stichwort. Viele SAP-Kunden nutzen noch On-Premise-Lizenzen. Weshalb sollten sie schleunigst in die Cloud wechseln?

Einfach um langfristig das volle Potential der SAP Customer Experience Suite ausschöpfen zu können. Cloud-native Funktionen werden zukünftig nur noch in der Commerce Cloud Variante verfügbar sein. Zudem können die On-Prem Kunden die Migration nutzen, um die Weichen für eine zukunftssichere Architektur zu stellen.

SaaS-Produkte sind viel agiler als On-Prem-Produkte, die auf Rückwärtskompatibilität achten müssen. Nimm‘ nur mal die Frequenz der Updates: In der Cloud gibt es monatliche Updates, statt im Schnitt alle halbe Jahre bei On-Prem. Außerdem werden Systemupdates durch den SaaS-Ansatz quasi zu einem One-Click Event.

Was sind weitere Vorteile von Software-as-a-Service (SaaS) verglichen mit On-Premise?

Grundsätzlich besteht der Fortschritt darin, dass man sich nicht um alles selbst kümmern muss. Mit SAP Commerce als SaaS-Produkt erhalten die Kunden die Software inkl. der benötigten Infrastruktur und Wartung sowie integrierter Tools zum Betrieb und Monitoring. Früher hätte man das selbst aufbauen, planen müssen. Die Time-to-Market sinkt somit stark.

Wo stehen denn die Server der Cloud?

Es gibt zwei Varianten: Entweder nutzen die Kunden SAP-Infrastruktur als Private Cloud, also Server von SAP, die beispielsweise in Frankfurt am Main stehen oder man nutzt die Public Cloud Variante. Hier arbeitet SAP mit Microsoft Azure zusammen. Den Server-Standort, also das Data-Center, kann man natürlich auswählen. Für Europa wäre das dann Amsterdam.

Tech-Talk: Key-Features SAP Commerce Cloud

Du hattest vorhin erwähnt, dass neue Features nur noch für die Cloud entwickelt werden. Was sind denn die Key-Features in SAP Commerce, die das Produkt so gut machen? Es schneidet ja sowohl bei Gartner und Forester als auch in unserer Systemauswahl-Evaluation regelmäßig top ab.

Nun, zunächst muss ich sagen, dass es eins der featurereichsten Systeme überhaupt am Markt ist. Bei SAP spielt eine große Rolle, dass der Konzern seit Jahrzehnten sehr verlässlich, die Menpower einfach enorm ist. Der Branchenriese ist ein echter Innovationsmotor, der superviel abdeckt: Zu fast allen Use-Case, die es so gibt, haben sie eine vorgefertigte Anbindung.

Allein in den Basis-Features umfasst die Commerce Cloud ein integriertes, neues CMS namens Smart-Edit, ein integriertes PIM-System zur dezidierten Produktdatenpflege – das haben übrigens die wenigsten E-Commerce-Systeme. Ich habe eine Promotion-Engine für Gutschein-Codes oder Angebote an Bord und es gibt vorgefertigte Accelerator-Module, die typische Branchen Use-Cases bereits ausimplementiert haben. Zudem können B2B- und B2C-Szenarien in einem System laufen.

Also ließ sich damit auch B2B2C-Commerce leicht abbilden?

Genau, ich kann den End-Kunden egal ob B2B oder B2C bedienen.
Die unterschiedlichen Business-Logiken laufen auf dem gleichen System.

Muss man diesen ganzen Berg an Features nutzen oder kann man das auch personalisieren?

Nein, Kunden haben immer auch die Möglichkeit, es gegen was Eigenes oder Anderes auszutauschen. Beispielsweise ein externes PIM-System anzubinden oder die Standard-Features entsprechend der eigenen Anforderungen zu erweitern.

Eine weitere Möglichkeit bietet die SAP Cloud Platform Extension Factory. Hier können auf Basis von Kubernetes Microservices entwickelt werden, die auf Events des Standard-Systems reagieren und dann kundenindividuelle Logik ausführen. Dadurch bleibt der Standard des Systems unberührt und die Erweiterungen können sehr agil und modern entwickelt werden.

Tech-Talk: Integration und SAP CPI

Ich würde gerne nochmal zu den Features und den Anbindungen anderer Systeme zurückkehren. Wie kann man beispielsweise das CMS eines anderen Anbieters an sein SAP Commerce anbinden?

Über Schnittstellen. Das Thema CMS ist tatsächlich ein gutes Beispiel: Bei SAP Commerce ist zwar ein CMS mit drin und das neue, Smart Edit, ist auch schon ziemlich gut. Oft ergibt aber die Anforderungsaufnahme, dass es sinnvoll ist, ein noch leistungsstärkeres CMS anzubinden. Im Team beschäftigt uns da zum Beispiel gerade die Implementierung von Bloomreach für BayWa.

In der Commerce Cloud ist das Backend headless und somit unabhängig vom Frontend bzw. CMS. Der API-first-Ansatz ist also längst auch bei SAP angekommen. Die Backend-Funktionalitäten sind durch Domain-Services realisiert, die ich ansprechen kann und vornedran ist ein Frontend. Das kann ein SAP-Frontend sein, was sie mitbringen, das heißt in dem Falle Spartacus.

Spartacus? Klingt nach römischem Feldherrn oder DDR-Sportwettbewerb…

Ja, der Wortwitz ist aber quasi »Spa«, wegen Single Page Application. Spartacus basiert auf Angular und ist gut mit Smart-Edit integriert. Darüber kann ich dann meine Storefront verwalten. Aber wenn ich jetzt sage, nö, das will ich nicht, dann baue ich mir halt meine eigene Storefront vornedran. Je nach Use Case kann ich alles Mögliche anbinden, andere Systeme, eine App, IoT-Devices… Durch die APIs bin ich extrem flexibel.

SAP hat ja auch für innovative Möglichkeiten gesorgt, die ganzen Schnittstellen zu überblicken und so das Anbinden zu beschleunigen …

… Du spielst auf SAP CPI an?

Richtig, kannst Du erklären, wie die SAP CPI funktioniert?

Die SAP CPI ist eine sogenannte Middleware, jetzt auch in der Cloud, welche Systeme untereinander verbindet. Ich stelle mir das immer so vor: Es ist ein Verteiler, eine Art Adapter, weißt Du? Der hilft Dir, im Eingang den passenden Stecker hinzubauen, da kommen dann Daten rein.

Diese werden aufbereitet, angepasst und der andere Stecker in Richtung des anderen Systems leitet sie dann weiter, und zwar so, dass dieses andere System die Daten auch auslesen kann. Die Integration wird somit von den Applikationen entkoppelt und trägt langfristig zu einer modularen Architektur bei.

Die SAP bietet hier bereits zahlreiche vordefinierte Integrationen zu SAP- und Dritt-Systemen an, die die Umsetzung wiederum sehr beschleunigen. Die CPI kann zudem helfen Legacy-Systeme und deren Daten in die Cloud zu migrieren.

Genau dort, beim Thema Migration, knüpfen wir an, wenn wir uns demnächst wiederhören. Vielen Dank für Deine Zeit und Deine Expertise, Markus!

Immer gern.

Tech Deep Dive SAP

Wie ihr mit SAP CPI zu einer modernen Systemarchitektur kommt, erfahrt ihr hier.

Am 12.11. wird Markus zudem live über Multicloudszenarien auf Basis von SAP CX sprechen und euch unter anderem zeigen, wie ihr Commerce, Marketing und Sales effizient verbindet und optimale Kundenerlebnisse gestaltet.

Meldet euch jetzt kostenfrei für das Webinar an!

Was Markus und sein Team für die E-Commerce-Landschaft der BayWa entwickelt haben, findet ihr in der aktuellen Success Story.

Die Zusammenarbeit zwischen BayWa und dotSource geht indes weit über den Leistungsbereich E-Commerce hinaus und es entstanden interessante Projekte im Sektor Marketing-Automation-Software und E-Procurement

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