Video Content & Distribution: Produktion in medias res [Teil 3]

Vieo Content Distribution Produktion
Quelle: Unsplash
Nachdem wir in den ersten beiden Artikeln viel über die konzeptionelle Vorbereitung des Drehs und wichtige Details in Sachen Hardware zusammengetragen haben, soll es in den kommenden zwei Teilen um die eigentliche Produktion eurer Videos gehen. Wir starten heute mit Best Practices und Tipps zu Licht, Perspektiven und Einstellungen. Nächste Woche geht’s weiter mit Bewegung(en), Ton und Schnitt.

Video und Action … von wegen!

Bevor ihr das erste Mal den Record-Button an eurer Kamera drückt, gilt es einige Dinge zu beachten. Je nach dem, wie gut ihr mit der Technik vertraut seid, empfehle ich, so viel wie möglich manuell zu steuern.

Das gilt insbesondere für die Blende und den Fokus. Ihr kennt sicher auch die Videos vieler YouTuber, auf denen das »Pumpen« des Autofokus immer wieder störend auffällt. Gleiches gilt für die Blende, die bei wechselnden Lichtverhältnissen automatisch nur verzögert nachjustiert.

Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass es eine Person braucht, die sich ausschließlich auf die Bedienung der Kamera konzentriert. Vergesst die Vorstellung, einfach eine Kamera auf´s Stativ zu stellen, im Touristenmodus (alles auf Automatik) Aufnahme zu drücken und dann vor der Linse irgendwas zu erzählen. Um sich videotechnisch von der breiten Masse auf YouTube abzuheben, braucht es deutlich mehr. Kleiner Spoiler: Effekte und Transitions sind es nicht.

Video kann mehr – Schafft Mehrwerte für eure Zuschauer

Videos sind nicht nur Bewegtbilder, sondern sollen im besten Fall auch bewegen. Kein anderes Medium ist so gut geeignet, Emotionen zu transportieren, wie Video. Vergebt euch diese Chance nicht. Bietet euren Zuschauern mehr als nur einen Protagonisten, der vor der Kamera etwas erzählt!

Ihr habt ein erklärungsbedürftiges Produkt? Zeigt es und erklärt, wie es funktioniert! Ihr startet eine Kampagne für die Suche nach neuen Fachkräften? Lasst Kollegen erzählen und zeigt, warum es sich lohnt, in eurem Unternehmen einzusteigen.

Um solche emotionalen Videos produzieren zu können, braucht es ein Grundverständnis von der Arbeit mit der Kamera und dem Medium Film. Im Kern geht es ganz oft darum, komplexe oder auch vermeintlich simple Situationen in zahlreiche einzelne Aufnahmen in verschiedenen Einstellungsgrößen aufzulösen.

Von der Supertotalen bis zur Detailaufnahme gibt es eine ganze Reihe von Eistellungsgrößen, bei denen das Subjekt, bzw. das Objekt jeweils unterschiedlich groß im Vergleich zur Umgebung in Szene gesetzt wird. Um eine neue Szene zu beginnen, wird oft mit einer Supertotalen (engl. Establishing Shot) gearbeitet.

Eine solche Weitwinkelansicht gibt dem Zuschauer einen guten Überblick auf die Umgebung und hilft ihm, die Akteure oder Objekte besser zu verorten. Anschließend können und sollten die Einstellungsgrößen immer wieder (und möglichst deutlich) wechseln. Um das im späteren Schnitt realisieren zu können, solltet ihr beim Dreh zwei Dinge immer wieder variieren: Die Perspektive bzw. den Standpunkt der Kamera und natürlich die Einstellungsgröße.

Video Aktion und Reaktion – dass gesprochene Wort zählt nur bedingt

Konzentriert euch beim Dreh vor allem auf die Bilder und weniger auf den Ton. Da der Ton am Set ohne externes Mikrofon ohnehin nur als atmosphärischer Ton zu gebrauchen ist, könnt ihr ihn bei der Aufnahme getrost ignorieren. Warum es vor allem darum geht, wann und nicht was gesprochen wird, soll das folgende Beispiel verdeutlichen:

Stellt euch eine Szenerie vor, in der sich zwei Menschen angeregt miteinander unterhalten. Um so etwas filmisch aufzulösen, solltet ihr (wie bereits erwähnt) Kamerastandpunkt und Einstellungsgröße immer wieder verändern.

Nehmen wir an, ihr habt Person A nun in verschiedenen Clips (die müssen kaum länger als zehn Sekunden sein) erzählend aufgenommen. Um dem Zuschauer nun im Schnitt eine angemessene Reaktion bieten zu können, braucht ihr natürlich Aufnahmen von Person B, die zuhört, zustimmend nickt oder anderweitig auf Person A reagiert.

Für eine sinnvolle Komposition der einzelnen Clips bringt es also nichts, jede der beiden Personen nur redend aufzunehmen. Beim Dreh hilft es deswegen enorm, eine Art Checkliste im Kopf zu haben, welche Einstellungen schon im Kasten sind und welche noch fehlen.

Um das Prinzip von Aktion und Reaktion filmisch glaubhaft darstellen zu können und Irritationen beim Zuschauer zu vermeiden, solltet ihr euch an die 180-Grad-Regel, eines der grundlegendsten Montagekonzepte, halten. Um die zu erklären, bleiben wir bei unserem Beispiel:

Denkt euch zwischen Person A und Person B eine Linie und bleibt mit der Kamera beim Dreh auf einer Seite dieser Handlungsachse. Nur so ergibt sich bei der Montage der einzelnen Clips eine räumliche Ordnung, die der Zuschauer auch nachvollziehen kann.

Solltet ihr beim Dreh diesen 180-Grad-Arbeitsbereich überspringen, also einen sogenannten Achsensprung verursachen, hat das folgenschwere Konsequenzen. Denn bei der Montage solcher Aufnahmen, stimmt der Blick – und ggf. die Bewegungsrichtung der Akteure nicht mehr überein.

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Quelle: dotSource

Wie in der Abbildung zu erkennen, bewirkt das Überschreiten der Handlungsachse im Schnitt, dass die Personen quasi ihr Plätze tauschen. Für unserer Gesprächsszene hätte das die Konsequenz, das sowohl die erzählende als auch die zuhörende Person in die gleiche Richtung schauen. Solche Fehler, die selbst beim ungeübten Zuschauer für Irritation sorgen, gilt es unbedingt zu vermeiden.

Was ihr beim Dreh und der Bearbeitung eures Videomaterials noch auf dem Schirm haben solltet, erfahrt ihr kommende Woche im vierten Teil dieser Artikelreihe.

Video stays King

Videos sind längst fester Bestandteil im Content-Marketing-Repertoire. Sollten sie auch sein, denn Jahr für Jahr klettern Video-Content und -Distribution nicht nur auf dem Trendbarometer weiter nach oben, sondern steigen auch die Ansprüche der Konsumenten an 1A Video-Content. Vom Boom digitaler Inhalte dank Social Distancing ganz zu schweigen.
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