Au ja, ein Internet-Manifest

Verfasst am 8. September 2009 von .

Anstatt das Ende der spürbaren Sommerpause auf den vielen Blogs mal zu genießen, die Ruhe mal gediegen Ruhe sein zu lassen, wird das Sommerloch vollgestopft mit Mittelmäßigkeit. Die Krönung war wohl das gestern veröffentlichte Internet-Manifest, auf das wirklich kein Schwein in dieser Form gewartet hat. Ganze 15 Autoren, Blogger, Journalisten oder Hybriden aus diesen haben sich in 17 Thesen, pardon, Behauptungen ergossen, deren Titel unglaublich fancy und knackig wirken sollen.

Wie so oft hat die Form mal wieder über den Inhalt gesiegt. Lobo, Knüwer, Häussler, Bunz, Niggemeier, Sixtus und so weiter und so fort.

Was ich sehr positiv an diesem „Manifest“ finde, ist, dass man sich damit zumindest im Netz damit mal ein bisschen auseinander setzt und dass zwar einige dieses Schriftstück zwar bedingungslos hinnehmen und bejubeln, einige jedoch noch so klug sind, hinter die sexy Thesen zu gucken. Irgendwie bestätigt dieser Vorgang dieses Manifest sogar. Ob das den Kritikern schon aufgefallen ist? Die meisten sind wohl in die Falle getappt. Zuschauer hingegen können sich im Zuge dieser Debatte schlauer machen. Das Manifest ist für mich ein kleiner Anstoß, der kluge Menschen dazu animieren soll, selber mal über dieses Thema nachzudenken. Kritiker sind in der Regel ernster, als die, die produzieren. Und so verhält sich das auch mit dem Inhalt des Manifests, der nicht wirklich ernst gemeint sein kann. Denn wenn er es sein soll, dann habe ich noch mehr zu lachen.

Das ist ein Pluspunkt. Mehr leider nicht.

Behauptung Nummer 13 und Nummer 15 sind in diesem Zusammenhang wirklich seltsam.

Behauptung 13 („Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht“) vs. Behauptung 15 („Was im Netz ist, bleibt im Netz“):

Ähm, geht aus Behauptung 13 nicht hervor, dass Urheber „über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte“ entscheiden dürfen, auch und vor allem im Netz? Wenn Inhalte aber vom Urheber gelöscht werden, was ja sein gutes Recht ist (geht aus Behauptung 13 hervor), dann ist das Archiv der Zeitgeschichte aus Behauptung 15 löchriger als jedes verstaubte Stadtarchiv, die es übrigens immer noch gibt. Die wurden sicher vergessen mit dem Web-2.0 aus unserem Dasein zu verbannen.

So manch andere These lässt sich ebenfalls nur mit einem Staunen lesen.

Der Sommer scheint vorbei zu sein. Schade eigentlich.

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